Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) soll bei seinem Besuch in Indien nach dem Willen von missio Aachen auch die Lage der dort lebenden Christen zum Thema machen. Das katholische Hilfswerk forderte Merz am Samstag auf, sich bei Indiens Premierminister Narendra Modi für einen besseren Schutz von Christen, Muslimen und Angehörigen anderer Minderheiten im Land einzusetzen. Diese litten seit Jahren unter hindunationalistischer Diskriminierung und Gewalt.
"Religionsfreiheit ist ein unveräußerliches Menschenrecht und muss in strategischen Partnerschaften als solches klar benannt werden", betonte der Präsident von missio Aachen, Dirk Bingener. "Wenn Deutschland enge politische und wirtschaftliche Beziehungen mit Indien pflegt, darf dabei das Thema Menschenrechte nicht vernachlässigt werden."
Abflug des Kanzlers am Sonntag
Merz bricht am Sonntag nach Indien auf. Die Reise führt den CDU-Politiker laut Regierungskreisen zunächst nach Ahmedabad, anschließend in das Wirtschaftszentrum Bangalore. Die Einladung nach Ahmedabad in Gujarat, dem Heimatstaat des indischen Premierministers, gelte als besonderes Zeichen der persönlichen Wertschätzung Modis, hieß es.
Inhaltlich geht es bei der bis Dienstag andauernden Visite des Kanzlers um die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder sowie Kooperationen im Sicherheits- und Rüstungsbereich.
Ein weiteres Augenmerk liegt den Angaben zufolge auf der Anwerbung von Fachkräften für den deutschen Arbeitsmarkt. Rund 170.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus Indien arbeiteten aktuell in Deutschland, Tendenz steigend. Zudem studierten derzeit 60.000 Inderinnen und Inder in Deutschland. Sie stellten damit die größte Gruppe ausländischer Studenten.
Visa-Vergabe in der Kritik
Es sei zu hoffen, dass Merz auch die restriktive Visavergabepraxis Indiens gegenüber kirchlichen Organisationen und Medien aus Deutschland anspreche, so der Präsident von missio Aachen. "Es wird für uns immer schwieriger, Visa zu erhalten, um unsere kirchlichen Partner in Indien zu besuchen. Solche Schikanen erschweren die Zusammenarbeit zwischen den Hilfswerken und der Kirche in Indien erheblich", beklagte Bingener.
Im Vorfeld der Reise hatte missio Aachen eine Anfrage an das Bundespresseamt gestellt, ob und in welcher Form Merz in Indien das Thema Religionsfreiheit und Visavergabepraxis ansprechen wolle. Diese Anfrage blieb laut Hilfswerk bislang unbeantwortet.