Caritas international stellt Projekt "Anlass mit Herz" vor

Spenden statt Geschenke

Zu Weihnachten wird traditionell gespendet. Aber wie sieht es danach aus? Warum nicht auch zu einem Geburtstag oder zur Hochzeit um Spenden bitten? Caritas international unterstützt bei der Durchführung von Feiern mit Spendenzweck.

Autor/in:
Uta Vorbrodt
Spendensammlung / © Sorapop Udomsri (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie auf die Idee für das Spendenprojekt "Anlass mit Herz" gekommen?

Birgit Winterhalter (Teamleiterin Fundraising von Caritas international): Caritas international unterstützt schon seit mehr als 100 Jahren Menschen in Not weltweit. Von Beginn an gibt es Menschen, die mit ihren Spenden unsere Hilfe unterstützen. Ob es jetzt schon vor 100 Jahren sogenannte Anlassspenden gab, ist mir nicht bekannt. Aber dass Menschen bei einer besonderen Gelegenheit wie zum Beispiel einem Geburtstag oder einer Goldenen Hochzeit aus Dankbarkeit zu Spenden aufrufen, das gibt es schon lange. Seit mehr als 25 Jahren berät meine Kollegin Anja Bockstahler unsere Spenderinnen und Spender dazu.

Birgit Winterhalter ist die Teamleiterin Fundraising bei Caritas International. / © Sebastian Haury (CI)
Birgit Winterhalter ist die Teamleiterin Fundraising bei Caritas International. / © Sebastian Haury ( CI )

DOMRADIO.DE: Wenn sich jemand entschließt, etwas zu spenden, dann macht er diese Überweisung in der Regel für sich allein. Kommt nun ein runder Geburtstag mit großer Feier dazu, muss die Jubilarin den Freunden erklären, dass sie keine Geschenke möchte, sondern Spenden. Wie helfen Sie den Personen, die Idee unter den Gästen gut zu kommunizieren? 

Winterhalter: Am wichtigsten ist es, dass man sich im Vorfeld gut abspricht. Das heißt, wir nehmen uns für diese Gespräche Zeit und versuchen dann auch ein Projekt zu finden, das passend ist. Wir haben Hilfsprojekte in mehr als 73 Ländern und in sehr vielen Bereichen. Da wird sich also auf jeden Fall etwas finden lassen. Wir versuchen, deutlich zu machen, dass man schon mit kleinen Beträgen sehr viel bewirken kann. Ich denke da zum Beispiel an unsere Aktion für den Südsudan, bei der man eine Familie unterstützt, die von dort geflohen ist. Mit 22 Euro kann man etwa bereits zwei Moskitonetze finanzieren. Je konkreter die Vorschläge sind, desto einfacher ist es, die Menschen dafür zu begeistern.

Birgit Winterhalter

"Oft erlebe ich in Gesprächen, dass man gemeinsam sehr gut herausfinden kann, was den Jubilaren oder Geburtstagskindern am Herzen liegt."

DOMRADIO.DE: Wenn jemand also zum Beispiel gerne Kindern helfen möchte, helfen Sie der Person, ein passendes Projekt zu finden?

Winterhalter: Genau, denn wir versuchen, das Projekt zu finden, das am besten zu den Spendern passt – und das gelingt uns eigentlich immer.

DOMRADIO.DE: Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit solchen anlassbezogenen Spenden gemacht?

Winterhalter: Es gibt auch sogenannte Anlassspenden im Gedenken an Verstorbene. Da waren oft Menschen, die uns seit vielen Jahren unterstützt haben. Die Angehörigen der Verstorbenen wissen das meist und rufen dann bei uns an. Sie wollen, dass die Trauernden ihre Grabspenden für unsere Hilfen einsetzen. Da beraten wir die Angehörigen, schicken ihnen entsprechende Informationen zu und formulieren auch gerne die dazugehörigen Aufrufe mit.

Symbolbild Spenden / © SewCream (shutterstock)
Ehejubiläen oder runde Geburtstage können Anlässe für Spenden sein.

DOMRADIO.DE: Haben Sie auch vorgefertigte Anschreiben, die sich einer Einladung beifügen lassen?

Winterhalter: Es gibt natürlich entsprechende Textbausteine, aber wir versuchen, immer sehr individuell auf die entsprechende Familie einzugehen. Wir machen gerne auch einen Formulierungsvorschlag – das ist gar keine Frage. 

DOMRADIO.DE: Kommt es dann auch vor, dass sich etwa ein Goldhochzeitspaar vielleicht darüber freut, sich nicht den Kopf über Geschenkwünsche zerbrechen zu müssen?

Winterhalter: Ja, das gibt es durchaus. Oft erlebe ich in Gesprächen, dass man gemeinsam sehr gut herausfinden kann, was den Jubilaren oder Geburtstagskindern am Herzen liegt. Am Anfang des Gesprächs wissen die Menschen das manchmal gar nicht, wenn man sich aber ein bisschen Zeit nimmt und ein wenig nachhört, vielleicht auch etwas in ihre Biografie blickt, findet man oft gute Ansatzpunkte, und die Leute können nachher sagen: "Ja, das ist mein Herzensprojekt, auch wenn ich vorher vielleicht noch gar nicht darüber nachgedacht habe." Dann sind die Menschen meist sehr dankbar, dass man zusammen etwas Passendes gefunden hat.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Quelle:
DR

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