Papst Leo XIV. erinnert zum Jahreswechsel an die Hoffnung

Erzählen wir uns zu wenig gute Nachrichten?

Zum Jahreswechsel rufen Kirchenvertreter zu Zuversicht und Miteinander auf. In der Silvesternacht hat Papst Leo XIV. daran erinnert, dass die Welt von Hoffnung lebt - und warnt vor Strategien der Mächtigen ohne moralischen Kompass.

Papst Leo XIV. hält für einen Moment des Gebets vor der Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz im Vatikan inne. / © Andrew Medichini/AP/dpa  (dpa)
Papst Leo XIV. hält für einen Moment des Gebets vor der Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz im Vatikan inne. / © Andrew Medichini/AP/dpa ( dpa )

Papst Leo XIV. betonte bei seinem Gottesdienst im Petersdom am Silvesterabend: "In unserer Zeit spüren wir das Bedürfnis nach einem weisen, wohlwollenden und barmherzigen Plan. Nach einem Vorhaben, das frei ist und frei macht, das Friede verheißt und treu ist", so wie es die Geburt Christi gewesen sei. Die Welt werde vorangebracht von der Hoffnung "vieler einfacher Menschen, unbekannt, aber nicht Gott unbekannt, die trotz allem an ein besseres Morgen glauben, weil sie wissen, dass die Zukunft in den Händen dessen liegt, der ihnen die größte Hoffnung schenkt."

Papst Leo XIV. winkt nach einem Gebetsmoment vor der Krippe, die den Petersplatz im Vatikan schmückt.  / © Andrew Medichini/AP/dpa  (dpa)
Papst Leo XIV. winkt nach einem Gebetsmoment vor der Krippe, die den Petersplatz im Vatikan schmückt. / © Andrew Medichini/AP/dpa ( dpa )

Der Papst kritisierte zugleich die Pläne der Großmächte zur Aufteilung der Welt nach ihren Interessen. Die heute weltweit dominierenden Pläne seien "Strategien, die darauf abzielen, Märkte, Gebiete und Einflussbereiche zu erobern. Bewaffnete Strategien, die sich in heuchlerische Reden verhüllen, in ideologische Parolen und in falsche religiöse Beweggründe."

Dem stellte der Papst die Botschaft von der Geburt Christi gegenüber und sagte: "In unserer Zeit spüren wir das Bedürfnis nach einem weisen, wohlwollenden und barmherzigen Plan. Nach einem Vorhaben, das frei ist und frei macht, das Friede verheißt und treu ist", so wie es die Geburt Christi gewesen sei. Er führte aus, die Welt werde vorangebracht von der Hoffnung "vieler einfacher Menschen, unbekannt, aber nicht Gott unbekannt, die trotz allem an ein besseres Morgen glauben, weil sie wissen, dass die Zukunft in den Händen dessen liegt, der ihnen die größte Hoffnung schenkt."

Mit Fragezeichen - aber nicht allein

Zu einem bewussten Perspektivwechsel ermutigte der Limburger Bischof Georg Bätzing. "Fehlt es eigentlich an guten Nachrichten - oder erzählen wir zu wenig davon?", fragte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut einer Mitteilung des Bistums Limburg in seiner Silvesterpredigt im Frankfurter Sankt-Bartholomäus-Dom. Hoffnung entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen und auf die Gnade Gottes vertrauten.

Bischof Georg Bätzing / © Peter Jülich/epd-bild (KNA)
Bischof Georg Bätzing / © Peter Jülich/epd-bild ( KNA )

Viele Menschen schauten keine Nachrichten mehr - nicht aus Desinteresse, sondern weil es sie einfach zu traurig mache. Deshalb brauche es Erzählungen, die Mut machen. Unkontrollierte Mediennutzung könne insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen. Zugleich könne Langeweile zur "Mutter der Kreativität" werden, betonte Bätzing. Es lohne sich daher, Kindern und Jugendlichen Freiräume zuzutrauen.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx übte scharfe Kritik am Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. "Was für eine Schande, was für eine Blasphemie, dass sich getaufte Christen gegenseitig umbringen", sagte er laut Mitteilung seiner Pressestelle an Silvester in der Münchner Jesuitenkirche. Angesichts des Jahreswechsels warb Marx dennoch um Zuversicht: "Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu." Niemand könne die Hoffnung zerstören, dass Jesus Christus am Ende das letzte Wort habe. Die Welt brauche das christliche Zeugnis: "Was immer an der Seite Jesu geschehen kann, das bringen wir als Kirche ein."

Woelki sieht 2026 besonderen Auftrag

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnte vor einer weiteren Entchristlichung der Gesellschaft. "Das Christentum ist ein Randphänomen geworden", sagte Woelki laut vorab verbreitetem Manuskript. Es habe seine zivilisatorische Kraft, auf der das kulturelle und soziopolitische Gefüge Europas aufgebaut sei, fast ganz verloren. Eine rein säkulare Weltdeutung reiche jedoch nicht aus, um dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und Halt zu entsprechen.

Bilder der diözesanen Aussendungsfeier der Sternsinger für das Erzbistum Köln am Samstag, dem 27. Dezember 2025, im Kölner Dom mit dem Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Bilder der diözesanen Aussendungsfeier der Sternsinger für das Erzbistum Köln am Samstag, dem 27. Dezember 2025, im Kölner Dom mit dem Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Säkularisierung bezeichnete der Kardinal nicht als grundsätzlich negativ. Eine maßvolle Entflechtung von Religion und öffentlichem Leben könne im Gegenteil Chancen mit sich bringen. Problematisch sei aber eine völlige Abkehr vom Glauben. Eine Welt ohne Gott werde schnell unmenschlich. Zudem könne sie niemals das menschliche Bedürfnis nach Sinn stillen. Die christliche Antwort auf die Krisen der Zeit liege in der Ausrichtung auf Gott und im Zeugnis des Evangeliums, betonte Woelki. Mit diesem Auftrag gehe die Kirche in das Jahr 2026.

Gegen Polarisierung und überhitzte Debatten

Zur Überwindung von Hass und Polarisierung rief der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf auf. "Hass und Verachtung zersetzen die Seele. Schon aus Selbstliebe sollte man die zerstörerische Saat von Hass und Verachtung nicht in sich wirken lassen", sagte Kohlgraf laut Manuskript an Silvester im Mainzer Dom. Ihn erfülle mit Sorge, dass Hassbotschaften hierzulande zunähmen. Geäußert würden sie dabei keineswegs nur von Menschen, die gesellschaftlich abgehängt sind. "Vielen geht es gut, und sie leben dennoch ihren Hass und ihre Verachtung gegenüber anderen aus", kritisierte der Bischof.

Bischof Peter Kohlgraf bei der Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion 2025 / © Nicolas Ottersbach (DR)
Bischof Peter Kohlgraf bei der Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion 2025 / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Aufgeregte Debatten nahm auch der Aachener Bischof Helmut Dieser zum Jahreswechsel aufs Korn. Um Begriffe wie "Brandmauer" oder "Stadtbild" sei zuletzt ein Getöse entstanden, während tragfähige Lösungen zunehmend schwerer fielen, sagte Dieser laut vorab verbreitetem Manuskript. "Die Erregungen gehen hin und her, auf und ab. Eine zielsichere Lösung der umstrittenen Themen aber fällt denen, die eine gemeinsame Mehrheit haben, immer schwerer."

Auch die Diskussionen um das sogenannte Rentenpaket bewertete der Bischof skeptisch. Wenn Alt und Jung gegeneinander ausgespielt würden, wäre das schade für den sozialen Frieden. "Die Politik muss, so meine ich, die Jungen mehr als bisher hören und in die Mitgestaltung der Gegenwart einbeziehen", forderte Dieser. Die Kraft dazu könne aus dem Glauben kommen, der Menschen auch in Krisen trage.

Krisen nur in Gemeinschaft zu bewältigen

Gegen einen Rückzug ins Private und gegen Nationalismus wandte sich der Fuldaer Bischof Michael Gerber. "Polarisierungen in unserem Land und weltweit haben zugenommen. Wir erleben massive Prozesse der Entsolidarisierung", sagte Gerber laut Manuskript in seiner Silvesterpredigt im Fuldaer Dom. Er verwies auf den Rückgang der Entwicklungshilfe und auf das Infragestellen von internationalen Vereinbarungen und Partnerschaften.

"Angesichts der vielen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen scheint die Menschheit insgesamt in eine große Stresssituation gekommen zu sein", sagte der Bischof. In solchen Krisensituationen entstünden leicht Abwehrreaktionen. Gerade heute sei diese Dynamik jedoch fatal, betonte Gerber: "Die großen sozialen, ökonomischen und ökologischen Fragen lassen sich heute nur aus einer globalen Perspektive lösen." Nationale Lösungen griffen zu kurz.

Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier erklärte, Christinnen und Christen sollten sich nicht in Nostalgie oder Resignation verlieren, sondern mutig nach vorn schauen und Verantwortung für Kirche und Gesellschaft übernehmen. Dazu gehöre, solidarisch zu handeln, Not nicht zu verdrängen, Extremismus abzulehnen und sich für Demokratie, Freiheit und den Schutz der Schöpfung einzusetzen, betonte Meier laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Christlicher Glaube dürfe nicht zur Abwertung anderer instrumentalisiert werden: Vielmehr gehe es um Verständigung, Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen sowie um den Einsatz für ein friedliches Miteinander.

Hoffnung ist das beste Heilmittel

Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl bezeichnete den christlichen Glauben als das beste Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze. Im Jahr 2025 seien viele Dinge passiert, die Anlass zur Hoffnungslosigkeit gegeben hätten. Doch die christliche Hoffnung sei keine billige Vertröstung, weil sie ihren Ursprung in Gott habe. Es sei wichtig, den Glauben weiterzugeben, "weil er uns in einer zunehmend maßlos werdenden Welt einen Maßstab an die Hand gibt", mahnte Gössl. Dafür sei jeder einzelne Christ wichtig.

Der Übergangsverwalter des Bistums Münster, Antonius Hamers, forderte mehr Gemeinsinn und Verantwortungsbereitschaft. "Wir brauchen Gemeinsinn und Tugendsinn. Wir brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen für das Wohl aller, die sich für das Gemeinwohl engagieren", so der Diözesanadministrator in seiner Silvesterpredigt laut einer vorab verbreiteten Mitteilung. Hamers leitet das Bistum, bis es einen Nachfolger für Bischof Felix Genn gibt. Dieser war im März altersbedingt in den Ruhestand getreten.

Der Eichstätter Übergangsverwalter Alfred Rottler sprach laut Mitteilung des Bistums ebenfalls von bewegten Zeiten. Er warnte jedoch davor, den Mut zu verlieren: "Es hilft nicht weiter, zu jammern und zu klagen, weil die Zeit schwierig ist und wir verschiedene Rückgänge zu verkraften haben." Man müsse die Situation ernst nehmen, dürfe sich aber nicht von der aktuellen Lage runterziehen lassen. Dabei könne auch das Vertrauen auf Gott helfen. Rottler leitet das Bistum Eichstätt, bis Papst Leo XIV. einen neuen Bischof ernennt.

Eine Chance für den Neuanfang

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, erinnerte an den Zauber von Neuanfängen. Orientierung gebe die biblische Jahreslosung der EKD für 2026: "Siehe, ich mache alles neu" - die Bischöfin sprach von einer Einladung, die eigene Zuversicht zu schärfen.

Trotz zahlreicher Kriege auf dieser Welt, gesellschaftlicher Polarisierung und persönlicher Sorgen gebe es überall Zeichen von Mitmenschlichkeit und Hoffnung. "Wenn wir an den Anfang zurückdenken, erinnern wir uns, dass Gott die Welt als einen friedlichen Ort mit liebesfähigen und klugen Menschen geschaffen hat, dann scheint auch seine Verheißung für die Zukunft möglich", sagte Fehrs. Gefragt seien besonnene Gelassenheit, Aufmerksamkeit füreinander und der Mut, dem Guten Raum zu geben.

Quelle:
KNA