Kurzfristige Maßnahmen und langfristige Ideen gegen Hitze

Mehr Wasser und mehr Grün in die Städte bringen

Experten rechnen mit einer zunehmenden Zahl Hitzeperioden in Europa. Heiße Phasen, die in vorindustrieller Zeit durchschnittlich einmal alle 50 Jahre auftraten, kommen nun im Schnitt etwa alle zehn Jahre vor. Was kann man tun?

Autor/in:
Christoph Arens
Hitze in Deutschland: Da wird der Regenschrim zum Sonnenschirm / © Felix Kästle (dpa)
Hitze in Deutschland: Da wird der Regenschrim zum Sonnenschirm / © Felix Kästle ( dpa )

Wissenschaftler und Mediziner fordern einen Mix aus kurzfristigen Maßnahmen, die helfen, Menschen vor akuter Hitze zu schützen, und einem langfristigen Umbau von Städten und Gemeinden, um sie an heißere Sommer anzupassen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt wichtige Fakten und Maßnahmen, um auf diese Entwicklung zu reagieren.

Welche Folgen haben Hitzewellen für die Gesundheit?

Der Deutsche Wetterdienst ruft die erste Hitzewarnstufe aus, wenn die gefühlte Temperatur zwei Tage in Folge 32 Grad übersteigt. Übersteigt die gefühlte Temperatur 38 Grad, gilt die zweite Warnstufe.

Schutz vor Sonne und Hitze / © Ben Birchall (dpa)
Schutz vor Sonne und Hitze / © Ben Birchall ( dpa )

Gesundheitliche Auswirkungen hat Hitze insbesondere für alte und chronisch kranke Männer und Frauen. Auch Kleinkinder und Säuglinge gelten als Risikogruppe sowie Obdachlose und Menschen, die aktiv im Freien arbeiten. Gefährlich können auch "Tropennächte" sein, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt und der Körper sich dadurch weniger gut erholen kann. In den Jahren 2018 bis 2020 sind nach Schätzungen in Deutschland insgesamt rund 19.300 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben.

Warum werden Städte besonders heiß?

Die Temperatur von Luft und Boden in der Stadt ist meist deutlich wärmer als im Umland. Mit Beton und Asphalt versiegelte Böden absorbieren Sonneneinstrahlung. Außerdem verdunstet durch die geringere Vegetation weniger Wasser; der dadurch bedingte Kühleffekt ist geringer. Auch Gebäude tragen zu Wärmeinseln bei, indem sie die Oberfläche der Stadt vergrößern, in der Wärme gespeichert wird, und indem sie für weniger Luftaustausch sorgen. Abgase aus dem Verkehr, der Industrie, dem Heizen und Kühlen von Gebäuden verstärken die Hitze noch weiter.

Was tut die Politik?

Seit einigen Jahren arbeitet die deutsche Politik an Maßnahmen, um die Folgen von Hitze abzumildern. 2017 veröffentlichte das Bundesumweltministerium eine Richtlinie, die Ländern und Kommunen dabei helfen soll, Hitzeaktionspläne zu erstellen. Diese Pläne sollen ein Hitzewarnsystem etablieren, akute Maßnahmen für das Vorgehen bei Hitze sowie langfristige Maßnahmen für die Stadtplanung enthalten und außerdem festschreiben, wie diese Maßnahmen überwacht werden. Einige Kommunen und Bundesländer haben bereits einen Hitzeaktionsplan entwickelt und sind dabei, ihn umzusetzen. Einen nationalen Plan gibt es nicht. Dagegen haben Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und England bereits kurz nach dem "Jahrhundertsommer" im Jahr 2003 mit rund 70.000 europaweiten zusätzlichen Todesfällen nationale Hitzeaktionspläne eingeführt.

Welche kurzfristigen Maßnahmen können Städte und Regierungen ergreifen, um die Gefahren zu verringern?

Städte könnten kühle Räumlichkeiten für gefährdete Personengruppen bereitstellen und Freibäder möglichst lange offenhalten. Sogenannte "Cooling Shelters" müssen nach Auffassung von Experten gezielt beworben werden. Dies können zum Beispiel öffentliche Stadtbibliotheken oder Gemeindehäuser, Verwaltungsgebäude oder Kirchen sein.

Hitze in Deutschland: Eine Frau gießt mit Wasser aus einer Grundwasserpumpe ein Blumenbeet / © Julian Stratenschulte (dpa)
Hitze in Deutschland: Eine Frau gießt mit Wasser aus einer Grundwasserpumpe ein Blumenbeet / © Julian Stratenschulte ( dpa )

Flexible Arbeitszeiten könnten es arbeitenden Personen gestatten, die heißesten Stunden des Tages - circa 15 bis 17 Uhr - zu vermeiden. Sofern möglich, sollten Arbeiten im Freien nachmittags nicht ausgeführt werden. Trinkbrunnen im Innenstadtbereich könnten hilfreich sein. Trinkwasser sollte von Arbeitgebern angeboten oder von Kommunen und Sozialverbänden aufsuchend verteilt werden, vor allem an Obdachlose.

Wie kann das persönliche Verhalten angepasst werden?

Die beste kurzfristige Maßnahme bei Hitzewellen ist aus Expertensicht die Information über gesundheitsförderliches Verhalten. Dazu gehören die Hitzewarnungen, die zum Beispiel über App, über Internet und die Medien gegeben werden. Kindergärten, Altenheime, Pflegedienste und Krankenhäuser müssen informiert werden, so dass das Personal vermehrt auf die Flüssigkeitszufuhr, kühle Räume, angemessene Kleidung und die Symptome von hitzebedingten Krankheitsverläufen wie Hitzeschlägen achtet. Auch persönliche Kommunikation - etwa über Nachbarschaftshilfe - ist wichtig.

Welche langfristigen Strategien empfehlen die Wissenschaftler und Mediziner?

Langfristig muss durch eine Verringerung von klimaschädlichen Treibhausgasen ein weiterer globaler Temperaturanstieg vermieden werden. Stadtplanerisch können verschiedene Maßnahmen in die Wege geleitet werden, die die Städte gegen übermäßige Hitze wappnen.

Hitze: Ein Thermometer in einer U-Bahn / © Aaron Chown (dpa)
Hitze: Ein Thermometer in einer U-Bahn / © Aaron Chown ( dpa )

Hierzu zählen etwa eine ausreichende Begrünung durch schattenspendende Bäume, Fassaden- und Dachbegrünungen und kleinere Parks in Wohngebieten. Wasserflächen im Stadtbereich, etwa Bäche oder kleinere Seen, wirken dämpfend auf Temperaturextreme. Möglichst wenige Freiflächen sollten versiegelt werden. Durch Frischluftschneisen kann kühlere Luft aus dem Umland in die Städte hineinströmen. Gute Wärmedämmung der Wände hilft sowohl im Winter - durch geringeren Heizbedarf - als auch im Sommer - durch geringeren Kühlbedarf.

Quelle:
KNA