Bischöfe thematisieren Corona-Krise

Hoffnung und Mahnung

Corona und kein Ende: Fast alle katholischen deutschen Bischöfe haben in ihren Predigten und Botschaften zum Jahreswechsel die Pandemie und ihre Folgen aufgegriffen. Auch um Sterbehilfe ging es in mehreren Ansprachen.

Deutsche Bischöfe / © Harald Oppitz (KNA)
Deutsche Bischöfe / © Harald Oppitz ( KNA )

"Wer in dieser Lage unsere Demokratie als 'Corona-Diktatur' diffamiert, die Gefahr des Virus leugnet oder sogar Vergleiche mit der Zeit des Nationalsozialismus formuliert, befindet sich auf einem gefährlichen Irrweg und handelt verantwortungslos." In harten Worten ging der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Neujahrstag mit Corona-Leugnern ins Gericht. Es sei auffallend, dass rechtspopulistische und rechtsextreme Bewegungen die Corona-Krise nutzen, um unsere Demokratie schädigen zu wollen, so der Sozialbischof in seiner Predigt.

Meier und Koch: Warnung vor Spaltung der Gesellschaft

Auch der Augsburger Bischof Bertram Meier warnte vor selbst ernannten "Querdenkern" und populistischen Parolen. "Dumpfe Töne gegenüber Menschen anderer Kulturen, Religionen und Nationalitäten werden lauter - und salonfähiger." Er fügte hinzu: "Wehret den Anfängen! Hören und schauen wir genau hin, was sich da entwickelt! Lassen wir uns nicht manipulieren! Vor allem prüfen wir selbstkritisch, mit wem wir uns gemeinsam zeigen - politisch und kirchlich, im wirklichen Leben oder digital!"

Vor Spaltung und der Suche nach Sündenböcken in der fortdauernden Corona-Krise hat auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch gewarnt. "Dieses Denken hat uns in der Menschheitsgeschichte in Abgründe geführt", sagte Koch in einem Beitrag für den rbb-Hörfunk. "Wenn wir unsere Kräfte aber bündeln und gemeinsam handeln, können wir vieles erreichen." Gerade in schweren Zeiten sei es wichtig, zusammen zu halten. Dabei helfe es, "auf die Kraft Gottes zu vertrauen und daraus Hoffnung für das eigene Leben zu schöpfen", so der Erzbischof.

Hanke, Heße und Bätzing: Optimismus auch in der Pandemie

Nach Ansicht des Bischofs von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, legte Corona eine weitere Pandemie offen: "die des Individualismus und des Egoismus in unserer Gesellschaft". Doch Corona habe auch positive Effekte gehabt, beispielsweise neue pastorale Initiativen und geistliche Anstöße in der Kirche. Daran gelte es, anzuknüpfen.

Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße ermutigte, trotz der Pandemie und ihrer bedrückenden Folgen mit Optimismus ins neue Jahr zu starten. "Weder Trauer noch Furcht sind die richtigen Wegbegleiter für den Übergang ins neue Jahr, sondern Mut, Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung."

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz: Mit den Corona-Impfungen liege ein Hoffnungsschimmer auf dem Beginn von 2021, betonte Georg Bätzing in seiner Silvesterpredigt. Zugleich regte er dazu an, die gegenwärtige Krise als Anstoß für Veränderung zu nehmen. Die Pandemie habe großes Leid über viele Menschen gebracht, so der Limburger Bischof. Aber sie könne auch zu einer Wende beitragen hin zu einem "besseren Leben, Entschleunigung, Solidarität und größerer Gerechtigkeit.

Bode: Ökumene

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht die Kirchen gar am Übergang zu einer neuen Epoche. Um die anstehenden Herausforderungen inmitten eines zunehmend kirchenfernen Umfelds zu bestehen, müsse die Ökumene und damit der gemeinsame Auftritt von Katholiken und Protestanten gestärkt werden. "Wir haben nicht einzuteilen in Nächste und Ferne, sondern haben uns allen als Nächste zu erweisen", so der Geistliche.

Vorderholzer: Neuausrichtung auf Gott

Etwas andere Akzente setzte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Nach der coronabedingten Rückzugsphase müsse ein Ruck durch die Christen gehen. Hierzu sei vor allem eine Neuevangelisierung erforderlich. Elementare Fragen des Glaubens und des Lebens müssten beantwortet werden, so der Bischof. Das immer mehr und immer schneller habe einen Dämpfer erhalten. Vieles, was bisher als selbstverständlich erschienen, sei nicht mehr möglich gewesen. Nun bedürfe es einer Neuausrichtung auf Gott. Er hoffe, so Vorderholzer, auf eine neue Kultur der Wertschätzung der kleinen Gnaden des Alltags und auf eine neue Kultur der Dankbarkeit.

Jung und Kohlgraf: Krise als Aufbruch

Der Würzburger Bischof Franz Jung bezeichnete die Kirche als gleichzeitig in der Krise und im Aufbruch. Kirchliches Leben gehe zurück und Kirchenaustritte nähmen zu. "Aber das gehört zu Wachstumsphasen im Leben: Eine bestimmte Gestalt wird abgebaut, damit Neues wächst." Krisensymptome machten offenbar, dass sich Neues entwickeln wolle. Jung lud die Gläubigen daher für 2021 dazu ein, die kirchliche Wirklichkeit als "Wachstumsangebot" und nicht als Problemfall zu sehen.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf rief dazu auf, weiter Rücksichtnahme zum Wohl anderer zu üben. Wichtig sei zudem, das kirchliche Engagement im Sozialbereich zu stärken. Innerkirchlich gelte es auch im neuen Jahr, "viele Baustellen" beherzt anzupacken. Dabei gehe es nicht nur um Strukturen, "sondern auch um die Frage des kirchlichen Auftrags in dieser Zeit".

Marx: Verletzlichkeit des Lebens

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx mahnte, bei allen Statistiken zu Corona-Toten und -Infizierten die dahinter stehenden Einzelschicksale nicht aus den Augen zu verlieren. Im zurückliegenden Jahr sei erfahrbar geworden, wie verletzlich das Leben und wie wichtig dessen Schutz sei.

Woelki und Genn: Sterbehilfe

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, nach christlicher Überzeugung schenke Gott den Menschen das Leben: "Die letzte und größte Lebensaufgabe, die ein Mensch deshalb zu bewältigen hat, ist sein Sterben." Deswegen sei medizinischer, pflegerischer, sozialer und seelsorglicher Beistand der "aktiven Sterbehilfe" vorzuziehen.

Auch der Münsteraner Bischof Felix Genn äußerte sich zum Thema Sterbehilfe. Es gelte, zu verhindern, "dass der assistierte Suizid zu einer Normalvariante des Sterbens in unserem Land wird". Der Gesetzgeber müsse dies in der geplanten Neuregelung zur Beihilfe zum Suizid beachten.


Bischof Bertram Meier / © Karl-Josef Hildenbrand (KNA)
Bischof Bertram Meier / © Karl-Josef Hildenbrand ( KNA )

Erzbischof Heiner Koch / © Christoph Busse (KNA)
Erzbischof Heiner Koch / © Christoph Busse ( KNA )

Bischof Gregor Maria Hanke / © Simon Koy (KNA)
Bischof Gregor Maria Hanke / © Simon Koy ( KNA )

Erzbischof Stefan Heße / © Lars Berg (KNA)
Erzbischof Stefan Heße / © Lars Berg ( KNA )

Bischof Georg Bätzing / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Georg Bätzing / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Bischof Franz-Josef Bode / © Lars Berg (KNA)
Bischof Franz-Josef Bode / © Lars Berg ( KNA )

Bischof Rudolf Voderholzer / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Rudolf Voderholzer / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Bischof Dr. Franz Jung / © Thomas Berberich (POW)
Bischof Dr. Franz Jung / © Thomas Berberich ( POW )

Bischof Kohlgraf (DR)
Bischof Kohlgraf / ( DR )

Reinhard Kardinal Marx / © Harald Oppitz (KNA)
Reinhard Kardinal Marx / © Harald Oppitz ( KNA )

Kardinal Woelki (DR)
Kardinal Woelki / ( DR )

Bischof Felix Genn / © Andreas Oertzen (KNA)
Bischof Felix Genn / © Andreas Oertzen ( KNA )
Quelle:
KNA