EU-Parlamentspräsident für Auffanglager in Libyen

"Wir brauchen eine Art Marshall-Plan"

Der neue EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani befürwortet die Errichtung von Auffanglagern für Flüchtlinge in Libyen. Tajani tritt dafür ein, dass die Flüchtlinge dort "in Würde leben können".

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani / © Bernd von Jutrczenka (dpa)
EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani / © Bernd von Jutrczenka ( dpa )

Die EU sollte zu diesem Zweck ein Abkommen mit Libyen vereinbaren", sagte Tajani den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Montag). Allerdings müsse es in den Lagern "eine gewisse Grundausstattung wie eine ausreichende Zahl an Ärzten und genügend Medikamente" geben, fügte der italienische Politiker der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) hinzu.

"Man muss Mittel zur Verfügung stellen, dass die Menschen dort ein paar Monate oder Jahre in Würde leben können", sagte Tajani. Auffanglager dürften "keine Konzentrationslager" werden. Wenn es gelinge, die radikalislamische Terrorgruppe Boko Haram "zu beseitigen", sollten Flüchtlinge aus der Krisenregion in Westafrika wieder in ihre Heimatländer zurückkehren.

EU braucht eine gemeinsame Strategie

Um Menschen von einer Flucht nach Europa abzuhalten, fordert Tajani Milliardenhilfen für Afrika. "Wir brauchen eine Art Marshall-Plan", sagte er und warnte: "Entweder wir handeln jetzt, oder es werden in den kommenden 20 Jahren Millionen Afrikaner nach Europa strömen." Mehrere Milliarden Euro müssten in Ausbildung, eine moderne Landwirtschaft und Joint-Ventures investiert werden. "Europa benötigt eine wirtschaftliche und diplomatische Strategie", verlangte der Präsident des Europäischen Parlaments.

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) wirbt seit Monaten für einen europäischen Hilfsplan, der gemeinsam mit Afrika entwickelt wird - auch um Migration nach Europa einzuschränken. Im Januar stellte Müller seinen "Marshall-Plan mit Afrika" vor. Der Begriff des Marshall-Plans lehnt sich an das Förderprogramm zum Wiederaufbau Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg an.

 


Quelle:
epd , KNA