Interkulturelle Woche eröffnet

Willkommen statt Rassismus

Unter dem Motto "Wer offen ist, kann mehr erleben" ist am Samstag in der Kieler St. Nikolaikirche die bundesweite Interkulturelle Woche eröffnet worden.

 (DR)

Der Landesbischof der evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, sprach sich in einem ökumenischen Gottesdienst für eine "gesellschaftliche Kultur des Willkommens" aus. Seit Wochen gebe es "aggressive Proteste vor Flüchtlingsunterkünften", beklagte er. Debatten mit "Das Boot ist voll"-Rhetorik und rassistische Gewalt dürften keine Chance haben.

In Bad Salzuflen sprach sich der scheidende Landessuperintendent der evangelischen Lippischen Landeskirche, Martin Dutzmann, für eine großzügigere Aufnahme von syrischen Flüchtlingen aus. "Es genügt nicht, dass das reiche Deutschland 5.000 syrische Flüchtlinge aufnimmt, während mehrere Millionen von ihnen in den wesentlich ärmeren Nachbarländern Syriens Schutz suchen und finden", sagte Dutzmann, der auch Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Deutschland hat sich zur Aufnahme von 5.000 Syrern ohne Asylantrag verpflichtet.

Georg Bergner, Geistlicher Rat des katholischen Erzbistums Hamburg, betonte in Kiel, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben müssten. Wer lange in Deutschland lebe, müsse einen sicheren Aufenthaltsstatus erhalten, sagte er. Dies sei ein "Schlüsselelement gelingender Integration".

Interkulturelle Woche für NRW eröffnet

Mit dem Appell zur Aufnahme von mehr syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen hat die evangelische Kirche die Interkulturelle Woche für Nordrhein-Westfalen eröffnet. "Es genügt nicht, dass das reiche Deutschland 5.000 syrische Flüchtlinge aufnimmt, während mehrere Millionen von ihnen in den wesentlich ärmeren Nachbarländern Syriens Schutz suchen und finden", sagte der scheidende Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche und EKD-Militärbischof Martin Dutzmann am Sonntag in Bad Salzuflen.

Er forderte die Bundesregierung auf, mit der Aufnahme weiterer Flüchtlinge "umfassend und wirksam zu helfen". Auch Jesus Christus habe umfassende Hilfe geleistet: "Trostpflästerchen sind seine Sache nicht. Ob unsere Regierung das von Jesus lernen könnte?". Deutschland hatte sich zur Aufnahme von 5.000 Syrern verpflichtet. Sie müssen keinen Asylantrag stellen und dürfen zunächst für zwei Jahre in der Bundesrepublik bleiben.

Viele Menschen hätten begriffen, dass sich der Segen Gottes nicht auf einzelne Menschen oder Menschengruppen beschränke, sondern allen gelte, betonte der Theologe. Sie engagierten sich deshalb für Flüchtlinge und Migranten. "Es hat lange gedauert, bis auch die Rechtsprechung sich diese Sicht zu eigen machte", sagte der künftige Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei Bundestag und Bundesregierung. Erst seit Juli 2012 dürften Asylsuchende keine geringeren Sozialleistungen mehr erhalten als deutsche Staatsbürger.

Dutzmann bezog das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche, "Rassismus entsteht im Kopf - Offenheit auch", zudem auf den Rechtsextremismus. "Auch die von der so genannten 'Zwickauer Zelle' verübten Morde haben im Kopf begonnen", sagte er. Das "Gegengift" zu Rassismus sei Offenheit, die ebenfalls im Kopf entstehe: "durch Hören und Sehen, durch Erleben und Diskutieren, durch Nachdenken - und durch Bibellese".

Wer an Gott glaube, habe "offene Augen und Ohren - nicht nur für Landsleute und Glaubensgeschwister", betonte der Theologe in dem Gottesdienst der drei evangelischen Landeskirchen in Rheinland, Westfalen und Lippe. "Diese Offenheit wandert dann vom Kopf in den übrigen Körper: in die Füße, die sich auf den Weg zum fremden Mitmenschen machen. Und in die Hände, die tatkräftige Hilfe leisten."

Insgesamt finden in der Interkulturellen Woche in Deutschland über 4.500 Veranstaltungen in rund 500 Städten und Gemeinden statt. Der bundesweite Startschuss fiel am Samstag in Kiel. Mit der Aktionswoche rufen die Kirchen seit 1975 jährlich im Herbst zum Engagement gegen Rechtsextremismus und Rassismus auf. Sie wird unterstützt von Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländerbeiräten und Ausländerbeauftragten sowie deutsch-ausländischen Initiativgruppen.

 


Quelle:
epd