Umfragen lassen vermuten, dass das konsultative Referendum gegen die Zulassung von Scheidungen ausgehen wird. Bislang gibt es auf Malta nur zwei Wege, eine Ehe aufzulösen: Jährlich werden zwischen 150 und 200 Ehen von der Kirche annulliert - ein langer Prozess, der über Jahre dauern kann.
Unterhaltszahlungen gibt es nicht
Zudem beklagen immer wieder besonders Frauen und Mütter, die Eheannullierung verschlechtere ihre soziale Lage massiv - Unterhaltszahlungen gibt es nicht, denn eine annullierte Ehe hat ja nie bestanden. Malta erkennt zudem auch im Ausland gesprochene Ehescheidungen seiner Bürger an, wenn einer der Ehepartner dort seinen Wohnsitz oder die jeweilige Nationalität hat. Das betraf zuletzt knapp 50 Fälle im Jahr.
Die Zahl jener, die de facto getrennt leben, ist aber deutlich höher. Der Gesetzgeber hat Möglichkeiten geschaffen, um solchen Paaren einige Erleichterungen zu gewähren, bei denen einer - oder beide - noch in einer Ehe mit einem anderen Partner leben.
Malta: jedes vierte Kind wird außerehelich geboren
Auch in Malta ist die Ehe nicht mehr das, was sie mal war: Scheidungsbefürworter glauben, dass bis zu vier von zehn Ehen in Wirklichkeit gescheitert sind, auch wenn sich das Paar nicht scheiden lassen kann. Scheidungsgegner sagen dagegen, neun von zehn Ehen in Malta seien glücklich. Sicher ist, statistisch belegt, dass inzwischen jedes vierte Kind außerehelich geboren wird.
"Sind Sie dafür, die Option der Scheidung im Fall eines verheirateten Paares einzuführen, das mindestens vier Jahre getrennt lebt, wenn keine vernünftige Hoffnung auf Wiederversöhnung zwischen den Eheleuten besteht, sofern der angemessene Unterhalt garantiert ist und die Kinder geschützt sind?" Dieser komplexen Frage müssen sich die Malteser stellen. Die politischen Parteien im kleinen Inselstaat im Mittelmeer haben bereits zugesagt, das Ergebnis des Referendums respektieren zu wollen, wenn anschließend im Parlament beraten wird. Der Abstimmung gingen rund neun Monate ausgiebiger Debatten voraus - im Parlament, in den Medien und natürlich auch in den Kirchen des Landes.
Katholische Kirche ist dafür, die Referendumsfrage mit "Nein" zu beantworten
Die katholische Kirche, laut Verfassung Staatsreligion, hat dabei ihren Standpunkt früh und klar vertreten. Sie ist dafür, die Referendumsfrage mit "Nein" zu beantworten. Nötig sei, die Einstellung zur Ehe zu verändern, nicht aber die Gesetze. Wo es die Möglichkeit zur Ehescheidung gebe, hätten sich die Probleme vervielfacht, so die Bischöfe.
Allerdings haben auch katholische Geistliche wie der Philosophieprofessor Peter Serracino Inglott andere Auffassungen vertreten. Sie halten ein "Ja" zur Scheidung für Christen nicht grundsätzlich für ausgeschlossen. Streit gab es zuletzt darum, mit welchen Mitteln die Kirche in den Wahlkampf eingreift. Vorwürfe wurden laut, Haussegnungen oder gar die Eucharistie sei verweigert worden, wenn die Betroffenen dazu bekannt hätten, mit "Ja" stimmen zu wollen.
Auslöser für die neue Debatte war ein Gesetzentwurf eines Abgeordneten der regierenden konservativ-christdemokratischen "Nationalist Party". Jeffrey Pullicino Orlando brachte im Sommer 2010 - entgegen der Mehrheitsmeinung in seiner eigenen Partei - einen Entwurf ein, um Scheidungen unter bestimmten Voraussetzungen zu ermöglichen. Die konkurrierende Labour-Partei legte sich nicht eindeutig auf eine Position fest; einzig die kleine grüne Partei unterstützt die Pro-Scheidungs-Bewegung uneingeschränkt.
Für Malteser im Ausland mag das Referendum in jedem Fall gelegen kommen. Ihnen ermöglicht der Urnengang ein preiswertes Wochenende in der Heimat: Wer zur Abstimmung anreist, kann dafür Hin- und Rückflugtickets für 35 Euro buchen; den Rest zahlt die Regierung. Bei den Parlamentswahlen 2008 machten mehr als 3.000 Auslandsmalteser von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Maltas Bürger haben bei Referendum die Wahl
Entscheidung für die Scheidung?
Entscheidung für die Scheidung? Sicher ist das nicht, wenn die maltesische Wahlbevölkerung am Samstag an die Urnen gerufen wird. Die Stimmung habe sich zugunsten der Beibehaltung des gegenwärtigen Scheidungsverbots gedreht, schrieben maltesische Zeitungen zuletzt. Malta könnte damit weiter eine europaweite Ausnahme bleiben.
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