Ostermarsch: Ein Mann hat sich das Zeichen der Friedensbewegung an seinen Hut gepinnt.
Ostermarsch: Ein Mann hat sich das Zeichen der Friedensbewegung an seinen Hut gepinnt.

22.04.2019

Friedensbewegung zieht positive Bilanz der Ostermärsche Marschieren für den Frieden

Seit 2014 nimmt die Zahl der Teilnehmer an den Ostermärschen laut Veranstaltern kontinuierlich zu. In diesem Jahr habe es in rund 100 Städten Aktionen rund um Frieden und Gerechtigkeit gegeben – Zulauf kommt auch von den "Fridays for Future". 

In rund 100 Städten haben nach Angaben der Friedensbewegung über Ostern Aktionen für Frieden, Abrüstung und Gerechtigkeit stattgefunden. "Zentrale Forderungen bei den Ostermärschen waren Abrüstung, eine atomwaffenfreie Welt und der Stopp von Rüstungsexporten", teilte das Netzwerk Friedenskooperative am Montag in Bonn mit.

Einen kontinuierlichen Anstieg der Teilnehmerzahlen seit 2014 beobachtet Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative. Insgesamt hätten in diesem Jahr an den Ostermarschaktionen in Deutschland mehrere Zehntausend Menschen teilgenommen.

Durch das gute Wetter und die "besorgniserregende politische Weltlage" habe die Zahl der Teilnehmer in diesem Jahr wieder zugenommen, hieß es weiter. Auch das Thema Klimawandel sei durch die "Fridays for Future"-Bewegung präsenter als in den Vorjahren und habe neue Menschen zu den Ostermärschen gebracht.

Bei der größten hessischen Veranstaltung in Frankfurt am Main forderten rund 3.500 Teilnehmer ein Verbot aller Atomwaffen und das Ende von Rüstungsexporten, wie der Sprecher der zentralen Informationsstelle, Willi van Ooyen, dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Außerdem verlangten sie den Verzicht auf Auslandseinsätze der Bundeswehr sowie eine friedliche und soziale Entwicklung der Europäischen Union.

Zu der Abschlusskundgebung auf dem Frankfurter Römerberg kamen Gruppen per Rad und Bahn sternförmig aus Gießen, Hanau, Darmstadt, Offenbach, Oberursel und Bad Homburg zusammen. In Kassel beteiligten sich den Angaben zufolge rund 1.500 Menschen am Ostermarsch. Die Bereitschaft zu öffentlichen Protesten auf die Straße zu gehen, habe zugenommen, erläuterte van Ooyen.

Auch der dreitägige Ostermarsch Rhein-Ruhr hat nach Angaben der Friedenskooperative in Bonn vom Montag mehr Menschen auf die Straße gelockt, als im vergangenen Jahr. Die Gesamtzahl der Teilnehmer unter dem Motto "Abrüsten statt aufrüsten - Verbot der Atomwaffen!" sei um bis zu 20 Prozent auf weit über 3.000 gestiegen, sagte Golla von der Friedenskooperative, die die Märsche bundesweit koordinierte, dem epd.

Gesamtzahl der Teilnehmer steigt

Die Gesamtzahl der Ostermarschierer in Nordrhein-Westfalen sei ebenfalls im Vorjahresvergleich deutlich größer, hieß es. Der Ostermarsch Rhein-Ruhr von Duisburg über Düsseldorf ins Ruhrgebiet bis Essen, Herne, Bochum und Dortmund gilt bundesweit als einer der größten und traditionsreichsten Märsche. Er ging am Montagnachmittag mit einem Abschlussfest in Dortmund zu Ende. Zum Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel zogen rund 300 Aktivisten.

In Hamburg zogen rund 2.000 Menschen am Ostermontag unter dem Motto "Abrüsten statt aufrüsten" durch die Innenstadt, um gegen Bundeswehreinsätze und Waffenexporte zu demonstrieren. Die Phase der Entspannung sei vorbei, kritisierte Pastor Sönke Wandschneider, Sprecher des Veranstalters "Hamburger Forum". Stattdessen beginne wieder ein Kalter Krieg.

Mit einem Ostermarsch ist in Sachsen-Anhalt am Montag ein Zeichen gegen Rüstungspolitik und Krieg gesetzt worden. Unter dem Motto "Krieg zerstört Lebenswelt" trafen sich rund 300 Demonstranten in Colbitz zu der Demonstration durch den Ort, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative Offene Heide dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Montag.

Etwa tausend Rüstungsgegner beteiligten sich bereits am Samstag am traditionellen Berliner Ostermarsch. Unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten - die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse" führte der Demonstrationszug durch Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg.

Den ersten Ostermarsch in der Bundesrepublik gab es 1960 in der Lüneburger Heide. Damals demonstrierten einige Hundert Menschen am Truppenübungsplatz Bergen-Hohne gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

Zu den Hochzeiten der Friedensbewegung Ende der 1960er Jahren sowie während der Nachrüstungsdebatte zu Beginn der 1980er Jahre kamen Hunderttausende zu den Kundgebungen. Danach wurde die Ostermarsch-Bewegung schwächer.

(epd)

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