Kloster in Triefenstein am bayerischen Spessart
Kloster in Triefenstein am bayerischen Spessart

07.03.2011 - 03:55

Die Christusträger Bruderschaft Triefenstein Evangelische Kommunität in alten katholischen Mauern

Einst bewohnten Augustiner das Kloster in Triefenstein am bayerischen Spessart. Nach der Säkularisation wurde die Anlage zivil und dann militärisch genutzt. Seit 1986 ist es Hauptsitz der Christusträger Bruderschaft – der größten evangelischen Männergemeinschaft im deutschsprachigen Raum.

Bruder Christian Hauter steht in seiner braun-orangenen Strickjacke in der alten Klosterkirche. Viel Gold, viel Glanz, überaus prachtvoll, fast pompös und durch und durch katholisch wirkt die frühklassizistische Inneneinrichtung auf den Besucher. Noch größer könnte der Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart hier kaum sein: Eine evangelische Kommunität in den alten Mauern eines katholischen Ordens. Natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten. Vielleicht sogar mehr als Unterschiede.

Auf den ersten Blick trennt die Christusträger jedenfalls einiges von den katholischen Augustinern. Die Brüder tragen keine Ordenstracht, sie sind in der Mehrzahl keine Theologen, sondern Mediziner oder Handwerker. Sie machen seit Bestehen der Bruderschaft erfolgreich Musik mit ihrer eigenen Rockband "ct & friends". Einziges sichtbares Zeichen der Bruderschaft ist eine metallene Kette mit Kreuz, die aber niemand tragen muss.

"Die Liturgie ist für uns nicht das Wichtigste"
In vielen Regionen der Erde wäre dieses äußere Zeichen auch schlicht lebensgefährlich. "Seit unserer Entstehung Anfang der 1960er engagieren wir uns in verschiedenen Teilen der Erde für Menschen, die uns brauchen", erklärt der 48-jährige Bruder Christian, der seit 2005 auch Prior der Gemeinschaft ist: "Die Liturgie ist für uns nicht das Wichtigste, sondern der Dienst am Menschen." Anfangs waren die Christusträger in Pakistan und Vietnam im Einsatz, heute etwa in Afghanistan und im Kongo. In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist die Bruderschaft seit 1969 aktiv.

Im Kongo sind die Christusträger im Dorf Vanga, rund 350 Kilometer östlich der Hauptstadt Kinshasa aktiv. Sie arbeiten dort seit 1980 im kirchlichen Hospital mit, die Brüder haben die ärztliche Leitung der Kinderklinik inne. Einige Brüder sind schon seit Jahrzehnten im Ausland tätig, die meisten wechseln ihre Einsatzorte jedoch regelmäßig. Im sächsischen Wilsdruff betreibt die Bruderschaft zum Beispiel eine offene Stadtkommunität, die Brüder engagieren sich bei der Stiftung "Leben und Arbeit".

Die Christusträger gelten als progressive Kommunität. Sie sind offiziell nicht Teil der bayerischen evangelischen Landeskirche, zufällig ist ihr Prior Christian aber evangelischer Pfarrer, wenngleich "außer Dienst". Viele Brüder sind aber keine Lutheraner, sondern Reformierte. Jahrzehntelang lebte die Bruderschaft ohne festgeschriebene Regeln, erst 2004 wurde ihr "Konsens" erarbeitet. Auf diesen "gemeinsamen Grundlagen" fußt das Zusammenleben heute, erläutert Bruder Christian Hauter.

Ehelos und zölibatär
Die Brüder leben ehelos und zölibatär nach den so genannten Evangelischen Räten. Die Mitglieder haben keinen Besitz, sie leben persönliche Armut. Auch wenn es im Kloster Triefenstein laut Prior Christian "sonntags kein geordnetes gottesdienstliches Leben gibt, weil wir die Gottesdienste in den umliegenden Gemeinden besuchen", so folgt das Leben doch einem klösterlichen Rhythmus; mit Stundengebeten um 6 und 18 Uhr sowie dem gemeinsamen Mittagsgebet in der Kellerkapelle.

Christian Hauter ist seit Januar 1991 Mitglied der Bruderschaft, genau 20 Jahre also. Mitbruder Bodo ist schon wesentlich länger dabei, nämlich von Anfang an. "Mit 19 dachte ich: das mache ich mal vier, fünf Jahre", erinnert sich Bodo. Mittlerweile sind fast 50 Jahre daraus geworden.

In dieser Zeit hat sich die Gemeinschaft auch gewandelt. Die beiden Standbeine sind zwar nach wie vor die Auslandsarbeit und die Inlandsmission. Die Brüder arbeiten heute aber nicht mehr wie früher außerhalb der Bruderschaft, sondern für sie. Etwa in den Triefensteiner Gästehäusern, der Haupteinnahmequelle der Brüder. Um ihre vielen Sozialprojekte zu finanzieren, sind die Brüder aber auch auf Spenden angewiesen.

Daniel Staffen-Quandt