NRW-Medienminister fordert Alterskennzeichnung für alle Computerspiele

Mehr als bloßes Daddeln

Die Computerspiele-Industrie wächst und wächst. Dabei bieten die Spiele aber nicht nur Spaß und Unterhaltung, sondern sorgen immer mehr für Spannungen zwischen Jugendlichen, Eltern und Pädagogen. Viele Erwachsene wissen kaum, was die Kinder überhaupt spielen - und welche Spiele für welche Altersklasse geeignet sind. NRW-Medienminister forderte nun auf der Spielemesse in Köln eine Alterskennzeichnung für alle Computerspiele.

 (DR)

NRW-Medienminister Andreas Krautscheid hat eine verpflichtende Alterskennzeichnung auch für Onlinespiele gefordert. «Eltern, Lehrer, aber auch die Branche brauchen auch bei Spielen im Internet Sicherheit», sagte der Minister am Donnerstag bei der Eröffnung des «gamescom congress» in Köln. Die Spiele-Branche müsse den Jugendschutz ernst nehmen. Bisher gibt es eine solche Kennzeichnung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) nur für im Handel erhältliche Computerspiele.

Mit Vorurteilen Aufräumen
Gleichzeitig appellierte Krautscheid an die Politik, sich mit den Spielen zu beschäftigen, statt sie «ahnungslos» zu verteufeln. Darüber hinaus müsse man auch mit den Vorurteilen über Computerspieler aufräumen: «Das sind eben nicht verpickelte junge Herren, die sich im Keller vergraben und dann tagelang nicht gesehen werden.» Gleichwohl müsse solchen Spiele-Entwicklern Einhalt geboten werden, die bewusst Suchtelemente in Spielsituationen einbauten, forderte der Unionspolitiker. «Es darf nicht sein, dass die eigene Gilde im Online-Spiel endgültig scheitert, wenn der Spieler zum Abendessen mit seiner Familie geht.»

Jürgen Schattmann, im NRW-Familienministerium verantwortlich für Kinder- und Jugendarbeit sowie Medienkompetenz, lobte den Jugendschutz bei Computerspielen in Deutschland. Man dürfe den Jugendschutz nicht immer nur aus der Sicht der Erwachsenen betrachten, die das «vermeintliche Opfer Jugendlicher» vor Spielen schützen müssten. «Die Jugendlichen haben ein berechtigtes Interesse an Grenzüberschreitung. Das gehört zum Aufwachsen dazu», sagte Schattmann. Allerdings müssten die Spitzen der Risiken beschnitten werden. Auch der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Norbert Schneider, warnte davor, wird in der Debatte über Computerspiele «immer nur das Elend zu thematisieren».

Enormes Wachstum
Bei dem Kongress, der in diesem Jahr erstmals stattfand, diskutierten Politiker, Fachleute und Branchenvertreter über die Zukunft von Computer- und Videospielen sowie ihren Einfluss auf die Gesellschaft. Der Kongress fand im Rahmen der größten europäischen Messe für interaktive Spiele und Unterhaltung «gamescom» in Köln statt, bei der 420 Aussteller aus 30 Ländern noch bis Sonntag neue Geräte und Spiele präsentieren.

Minister Krautscheid attestierte der Computerspiele-Branche ein enormes Wachstums- und Innovationspotenzial: «Wir erleben das Zusammenwachsen der verschiedenen Mediengattungen. Wer in Zukunft in sein Wohnzimmer kommt, wird nicht mehr wissen, ob er auf dem Fernsehbildschirm einen Kinofilm, ein TV-Programm oder ein Spiel sieht.» Mittlerweile seien Spiele-Entwickler an der Realisierung von Kinofilmen beteiligt, um anschließend die dazu passenden Games zu vermarkten.