11.06.2007

CDU-Außenpolitiker kritisiert Kirchentags-Präsident "Grundlegende Unkenntnis"

Muss der Westen auch mit Terroristen und den Taliban an den Verhandlungstisch? Die Forderung von Kirchentags-Präsident Reinhard Höppner beim Abschlussgottesdienst am Sonntag in Köln stößt bei einem prominenten Außenpolitiker auf Unverständnis. Sein Vorwurf: Grundlegende Unkenntnis der politischen Verhältnisse in Afghanistan. Dort wird die Lage unterdessen immer angespannter.

Klaeden kritisiert HöppnerDer CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden weist die Forderung von Kirchentags-Präsident Reinhard Höppner zurück, auch mit den Taliban in Afghanistan zu verhandeln. "Höppner offenbart eine grundlegende Unkenntnis der politischen Verhältnisse in Afghanistan", Seit Jahren bemühe sich die afghanische Regierung um die Integration geläuterter, ehemaliger Taliban. Sie habe keine erneuten Belehrungen aus Deutschland nötig, kritisierte Klaeden in der Zeitung "Die Welt". Wer mit Taliban oder Terroristen ohne Vorbedingungen verhandeln wolle, werte "ihre Methoden wie heimtückische Morde oder grausame Folter und ihre Ziele wie die Errichtung eines fundamentalistischen Gottesstaates auf", argumentierte Klaeden. Höppner hatte im Schlussgottesdienst des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Köln am Sonntag mit Blick auf Terroristen und Taliban in Afghanistan erklärt: "Ja, auch sie gehören an den Verhandlungstisch." Das sei "der Weg des Friedens".Lage in Afghanistan immer angespannterUnterdessen berichtet das "Handelsblatt" (Montagausgabe), dass in Nordafghanistan und in Kundus Terrorgruppen offenbar weitgehend ungehindert operierten. Dies schränke die Arbeit der deutschen und internationalen Wiederaufbauteams (PRT) zunehmend ein, heiße es in einem Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amtes in Kundus. Mehrere Terrorzellen hätten sich im Norden offenbar festgesetzt. "Mehrere Gruppen mit Taliban-Hintergrund arbeiten in der Provinz Kundus weiter an Plänen, Anschläge durchzuführen. Selbstmordattentäter stehen augenscheinlich zur Verfügung", heißt es in dem Schreiben vom 7. Juni.Die angespannte Lage wirke sich mittlerweile auch auf die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) aus. "Fast alle EZ-Mitarbeiter sind der (unverbindlichen) Empfehlung des PRT gefolgt, ihren Urlaub vorzuziehen und haben Kundus und Taloqan verlassen", heißt es den Angaben zufolge in dem Bericht. Damit scheine die Taktik der radikalen Islamisten zum Teil aufzugehen, in ganz Afghanistan Angst und Schrecken zu verbreiten.Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin wollte den Bericht nicht im Einzelnen kommentieren: "Wir diskutieren Sicherheitsfragen nicht in der Öffentlichkeit", sagte er der Nachrichtenagentur ddp am Sonntagabend. "Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung der Sicherheitslage genau. Vor Ort wurde bestmögliche Vorsorge getroffen, um den Schutz unserer Soldaten, Entwicklungshelfer und Diplomaten zu gewährleisten", versicherte der Sprecher.