Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Singen wäscht den Staub des Alltags von der Seele

"Singen ist uncool" und "Chorsingen macht Spaß": Zwei Aussagen dieser Tage von jungen Leuten. Wenn wir Mädchentreffen oder Mädchenwochenenden haben, wird immer gern und viel gesungen und Musik gemacht – aber im Gottesdienst mit manchmal 1000 Schülerinnen und Schülern singen gerade so die Fünftklässler mit. "Musik wüscht den Staub des Alltags von der Seele", heißt es zwar, aber Jugendliche haben Angst sich zu blamieren, wenn sie zeigen, dass ihnen gottesdienstliche Lieder und Gesänge gefallen.

Heute ist der Tag der Heiligen Cäcilia, einer frühchristlichen Märtyrerin, die zur Patronin der Kirchenmusik ernannt worden ist. Warum eigentlich, ist nicht so ganz klar. Wahrscheinlich ein Übersetzungsfehler in einer der Heiligenlegenden. Aber unendlich viel Chöre und Sängerfeste tragen ihren Namen und machen ihr alle Ehre. Liturgie ohne Musik, Gottesdienste ohne Gesang, Stundengebete ohne Orgel? Wir haben es in den Hochzeiten der Coronapandemie erlebt und es war nicht schön. Es geht einfach nicht. Sie kennen das doch auch: wenn in einer vollen Kirche ein brausendes Orgelspiel oder ein vielstimmiger Chor klingt, bekommen wir schon mal Gänsehaut – weil es so schön ist, weil es uns packt. Nach einem Benefizkonzert haben vier Chöre mit allen Besuchern ein Lied zum Schluss gemeinsam gesungen und man konnte ringsherum sehen, dass manche Leute Tränen in den Augen hatten. Göttlich schön.

Viele Bereiche unseres Inneren werden durch Musik und Gesang erst erreicht, wo Worte kaum etwas auslösen. Meine Oma kannte die Weisheit: "Gesang ist doppeltes Gebet", weil eben nicht nur Verstand und Mund zusammenklingen sondern Herz und Seele und der ganze Körper. Und dann ist es egal wo wir singen: unter der Dusche oder im Stadion, bei Konzerten oder Parties, auf dem Heimweg von der Kneipe oder im Gottesdienst: singen tut gut, ist manchmal doppeltes Gebet und wäscht den Staub des Alltags von der Seele.

 

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