Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Religion heißt Unterbrechung

In den letzten Tagen habe ich mich manchmal dabei erlebt, ganz lange am Fenster zu stehen und dem Schnee zuzuschauen und dem wie verzaubert wirkenden Städtchen.
Eine dicke weiße Decke liegt über dem Land und macht alles heller, weicher und sehr viel leiser. Hier in Nordrheinwestfalen sind noch zwei Tage Ferien und das verstärkt dieses wunderbare Gefühl noch einmal. Nur die Ski- und Rodelhänge sind voll und laut und trubelig und voller sehr vergnügter Kinder, Jugendlicher und Familien, die den Schnee und seine Schönheiten genießen. Und dann sind da die Mitarbeiter des Winterdienstes der Städte und Kreise, die unentwegt unterwegs sind und die Straßen vom Schnee und Eis räumen und versuchen, dass die Einwohner sicher zur Arbeit kommen und unterwegs sein können. 

Und wir denken manchmal: Ach, die Armen, müssen ganze Nächte durcharbeiten, damit die Straßen frei sein können. Seit einem Interview mit einem jungen Mitarbeiter denke ich das nicht mehr. Er hat mit einer solchen Begeisterung von seiner Arbeit erzählt und dass es genau sein Ding ist, das zu tun und anderen quasi die Wege freizumachen. 
Da denke ich dann, dass das vielleicht eine gute Idee für dieses neue und noch ganz junge Jahr ist: zu schauen, was ist denn an dem, was ich so jeden Tag zu tun habe, genau mein Ding und was kann ich mit Begeisterung tun. An jeder Arbeitsstelle und in jedem Tagewerk außerhalb oder zuhause gibt es Dinge, die man mag und Dinge, die man nicht mag. Dann ist es eine gute Idee, dass was man mag mit Begeisterung zu tun und dann gehen die anderen Dinge tatsächlich auch leichter. 

Und dann, wie ich in den letzten Tagen, immer mal am Fenster stehenbleiben und rausschauen und durchatmen und mich freuen und die Stille draußen genießen, die auch der Stille in meinem Inneren guttut. 

Religion heißt Unterbrechung, hat ein kluger Mensch mal gesagt. Das Rennen unterbrechen und die Arbeit und das geschäftige Tun, nur für einen Augenblich. Damit sich ein Fenster öffnet innen und außen für den, der diese Welt und mich erschaffen hat und der will, dass wir in seiner Gegenwart leben. Glücklich leben.

 

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