Heute ist der 1. Mai und der Tag hat seine vielfältigen Bedeutungen. Wir haben uns im Konvent darüber unterhalten, wie wir den Tag als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Bei einer Mitschwester kommt dann immer der Satz des Vaters der gesagt hat: "Mal ein Feiertag, an dem man nicht in die Kirche muss!" Bei mir kommt auch noch einmal deutlicher heraus, wie wir zum Beispiel in der DDR-Diktatur damit umgegangen sind.
Am Abend vor dem 1. Mai sind wir zum Tanz in den Mai gegangen, in der Nacht haben wir den neuen Pfarrer aus dem Bett geklingelt, weil wir wussten, dass er Geburtstag hat und haben mit einer ganzen Truppe bei ihm Frühstück bekommen. Dann sind wir auf den nächsten Berg gewandert, um den Sonnenaufgang zu erwarten und ihn mit Gitarrenbegleitung zu besingen und mit dem mitgebrachten Bier aus den Rucksäcken anzustoßen. Am frühen Nachmittag war dann die Maidemonstration im Dorf, zu der alle Leute verpflichtet waren und für uns das Beste daran war, dass wir unsere Fahrräder mit bunten Krepppapierstreifen schmücken konnten.
Und abends war dann in der Kirche die Eröffnung der Maiandachten zu Ehren Marias, der Muttergottes, bei der die Kirche freiwillig proppenvoll, die gefühlvollen Lieder mit Inbrunst gesungen und die Texte schon damals ein bisschen weltfremd waren. Und dann habe ich sehr viel später irgendwann mitbekommen, dass seit 1955 der 1. Mai der Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters geworden war. Meine Güte, das alles an einem Tag!
Was ist davon geblieben für mich und für Dich? Vielleicht könnten wir heute mal nachdenken über den Wert der Arbeit bei uns selbst, in unseren Familien, in unserer westlichen Gesellschaft und weltweit. Über die Arbeit, die wir brauchen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen und auch, um uns zu entwickeln und kreativ zu werden. Und was es für die vielen Menschen bedeutet keine Arbeit zu haben.
Und natürlich auch den Feiertag genießen mit hoffentlich sonnigem Flair und Lust auf Draußenzeit.