Ich weiß nicht, ob Du es gesehen oder gehört hast. Vor ein paar Tagen ging eine Sequenz aus einer Überwachungskamera aus Jerusalem viral. Da war zu sehen, wie eine Ordensfrau eine Straße entlang geht und plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung von einem Mann mit brachialer Gewalt von hinten umgestoßen wird. Sie hat überhaupt keine Chance, sich zu wehren oder auszuweichen, sondern sie stürzt nach vorn auf die Straße und mit dem Kopf auf dem Pflaster auf.
Diese französiche Schwester kam vom Gottesdienst aus der deutschen Benediktinerabtei Dormitio. Diesmal konnten die Verantwortlichen der Stadt nicht schulterzuckend reagieren, wenn von solchen Vorfällen die Rede ist. Durch die Aufzeichnung konnte der Täter gefasst werden und sitzt in Untersuchungshaft.
Dass die Christen weltweit die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft ist, ist lange bekannt. Aber wenn es so deutlich zu sehen ist, wie jemand, wohl aus einer kleinen radikalen Gruppe keinen Respekt vor der Würde eines Menschen hat, die friedlich ihren Weg nimmt, das ist zutiefst verstörend.
Wir alle in allen Ländern müssen wirklich aufpassen, dass solche Aktionen, solche Denkweisen und Vorstellungen nicht überhandnehmen. Einzelne laute Kleingruppen in vielen Ländern versuchen mit Hass und Gewalt gegen Andersdenkende, Andersglaubende und scheinbar Fremde vorzugehen und respektlos und aggressiv zu handeln.
Im heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium heißt es:
"In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!"
Und nein, es ist nicht naiv, an die Kraft der Liebe zu glauben, die Gott geschenkt und uns durch Jesus Christus gegeben hat, damit wir einander lieben und aus dieser Liebe zu den Mitmenschen leben und arbeiten. Und ich liege garantiert nicht falsch in meiner Annahme, dass der übergroße Anteil der Menschen das ebenso sieht und so leben will. Mit Respekt vor der Würde jedes Einzelnen, egal welcher Religion, Hautfarbe oder Herkunft.