Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Kleiner Gott, wir lieben dich

Wir alle kennen das große Te Deum im Gotteslob: das "Großer Gott wir loben Dich, Herr wir preisen Deine Stärke. Vor Dir neigt die Erde sich, und bewundert Deine Werke." In der Version die wir kennen, wird die Größe und Herrlichkeit Gottes besungen, auch alle, die ihn loben und preisen werden aufgezählt: die Engel, die Apostel und die Propheten, und die Blutzeugen, wie der Heilige Stephanus, an den wir heute denken. Und dann geht es in den nächsten Strophen um unsere Versprechen, ihm zu dienen und ihn zu ehren und an ihn zu glauben. Sehr machtvoll, sehr prächtig, sehr inbrünstig geschmettert an hohen Festtagen.

Bei dem Schweizer Pfarrer Ueli Greminger habe ich eine Version des Liedes gefunden, die genau in unsere Zeit zu passen scheint. In die Zeit, die geprägt ist von Krieg und Krisen, von Diktatoren und Tyrannen, von Millionen Flüchtenden, von Katastrophen und Nöten, die unendlich viele Menschen betreffen. In seiner Version des "Großer Gott wir loben Dich" heißt es ganz anders:

Kleiner Gott, wir lieben dich. Kind, uns rührt das Schwache, Zarte.
Wieder zeigt an Weihnacht sich: Weiches bricht das Starke, Harte.
Klein fängst du auf Erden an, dass der Mensch dich lieben kann.

Gott zeigt sich als Menschenkind, denn wir fürchten seine Größe.
Weil wir eingeschüchtert sind, zeigt sich Gott in seiner Blöße.
Und er zittert und er friert, dass der Mensch die Angst verliert.

Kleiner Gott, dich lieben wir. Klein ist noch dein Reich auf Erden.
Schwache Menschen dienen dir, und dein Reich wird grösser werden.
Friede sei in diesem Haus Und dring in die Welt hinaus.

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