Gott kann nichts tun, oder?

Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

Freiheit erlangen durch Fasten. Freiheit haben – ist das schon Frieden? Oder ist Freiheit die Grundlage für Frieden?  

Wenn Menschen mir erzählen, dass sie für bestimmte, ganz konkrete Ereignisse beten, dann kann ich das oft nicht verstehen. Was soll Gott denn machen? Er greift einfach nicht pauschal und platt ein. Kann er nicht. Wegen mir. Wegen dir. Wegen uns. Weil er will, dass wir frei sind.  

Frei sein bedeutet eben immer, die Wahl haben. Aber ich glaube auch, dass Gottes Freiheit, die er mir geschenkt hat, eben mehr ist. Mehr als bloße Entscheidungsfreiheit. Eine Freiheit, die aus Liebe geschenkt ist, weil Gott für mich der Ursprung des Lebens ist. Freiheit, die Liebe und Leben ermöglicht. Das ist eine schwer zu denkende und vielleicht auch eingeschränkte Freiheit.  

Weil, wenn Gott mich echt liebt, so richtig, keine “situationship”, also eine Beziehung, die man nicht so richtig nach außen als solche zeigen will, weil man verdammt unsicher ist, sondern eine echte Beziehung.   

Also, wenn das stimmt, dass Gott mich liebt und ich von Anfang an – gewollt, gebraucht und geliebt bin – dann muss Gott seine ganze Macht aufgeben und kann echt nichts tun. Er kann wegen meiner – unserer – Freiheit nicht eingreifen. Ganz egal, wie viel wir beten. Beten ist was ganz anders als Forderungen stellen.  

Gott kann nichts tun. Wie Eltern oder Patentanten, die zuschauen, wie ihre Kinder Fehler machen, damit sie wachsen können, sich entwickeln und echt leben…  

Dann kann man manchmal eben nichts tun, als mit dem Pflaster in der Hand im Türrahmen warten. Mit Taschentüchern und einem riesigen Becher voller Eis und Esslöffel am Küchentisch sitzen. Oder eben einfach nur eine Hand halten am Krankenbett…  

Mehr kann Gott auch nicht mehr tun… wenn er uns echt liebt … aber wie viel mehr kann das sein… als ein blindes Eingreifen und Entscheiden für und über uns…   

Freiheit durch Fasten? Freiheit durch Pflaster, Taschentücher, Eiscreme und Dasein…  

Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.  

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