Dienen und sich dienen lassen

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Der Gründonnerstag, den wir heute begehen, hat eine sehr eigene Weitergabe des Glaubens, die oft nicht mehr vollzogen, sondern nur noch vorgelesen wird. Jesus feiert mit seinen Freunden das Pessachmahl und wäscht davor seinen Jüngern die Füße. 

Und das, was dabei bis heute überliefert wird, sind seine eindrücklichen Mahnungen: „Ihr nennt mich Meister, und das bin ich. Und wenn ich, euer Herr und Meister euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen“ Der kaum überhörbare Aufruf zur Nächstenliebe und zum Dienst an den Mitmenschen, zu seinem Andenken, ist die eine Seite dieses Geschehens. 

Aber es gibt eine zweite, eine sehr mystische Seite. Petrus, der Macher, der Fels, der die große Klappe hat und auf den Putz haut, der soll sich die Füße waschen lassen? Niemals. Er kann es nicht ertragen und nicht die Ohnmacht aushalten, hier nichts tun zu können. Und er beginnt mit Jesus zu streiten und sich aufzuregen: „Nicht Du solltest mir die Füße waschen, sondern ich sollte das tun“ und selbst als Jesus einwendet, er solle es geschehen lassen, auch wenn er es jetzt nicht verstehen würde, selbst da geht das Gezeter weiter und er fordert dann, dann nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf bitte. Mir und vielen von uns kommt das glaube ich schon bekannt vor. Wir selbst wollen Herr der Lage sein. Wir wollen das Geschehen im Griff haben und sehr genau wissen, wie, was, wann, wohin steuert. Und es macht nervös und unruhig und wir sind unsicher und erschrocken, wenn alles, was wir sorgfältig bisher selbst regeln konnten und den Fortgang im Blick hatten, wenn plötzlich nichts mehr geht. Da kann eine Krankheit sein, ein Unfall, ein familiärer Schicksalsschlag oder das sichtlich älter werden. Viele können nicht aushalten, jetzt Hilfe annehmen zu müssen, jetzt nicht mehr alles selbst zu können. Aber wenn ich diesen Jesus richtig verstehe, bedeutet es eben auch beides: den Dienst am Nächsten nicht zu vergessen, aber auch, Hilfe zu erbitten und mir dienen zu lassen, Schwäche, Alter, Krankheit anzunehmen und aus den Händen geben zu können, was ich bisher fest im Griff hatte. Auch das bedeutet: tut dies zu meinem Gedächtnis.

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