Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Den eigenen Enttäuschungen kraftvolle Zeichen entgegenstellen

Ja, ich bin enttäuscht. Dreifach enttäuscht. Das Ergebnis der Klimakonferenz in Ägypten ist blamabel wenig und wird unseren fiebererhitzten Planeten nicht abkühlen. Die vatikanischen Behörden in Rom haben versucht, den deutschen Bischöfen weiszumachen, dass nur in Deutschland all diese vielen Probleme mit den Frauenrechten in der Kirche, den massenhaften Missbrauchsgeschichten durch Priester, der Missachtung der anderen sexuellen Orientierungen gibt und wollte erreichen, dass durch ein Moratorium der Synodale Weg gestoppt wird. Bei der Fußball-WM gab es heiße Debatten um die Kapitänsarmbinden mit der Aufforderung, dass EINE Liebe alle Menschen einen könne. Und auf Druck der katarischen Machthaber und der FIFA haben sich die europäischen Fußballverbände dem Druck gebeugt und nachgegeben.

Enttäuscht sein bedeutet ja, dass da eine Täuschung vorlag, die aufgedeckt wird und man dann zum Kern vordringt, der vorher zugedeckt war. Die Täuschung bei der Klimakonferenz war, dass viele denken, dass das Thema alle einen würde und sie stattdessen feststellen, dass die Gas- und- Öl- und Kohlelobby die Macht hat und nicht im geringsten an Klimaschutz denkt. Die Täuschung im Vatikan besteht darin, dass die alten Herren denken, dass sie mit ihrer scheinbaren Macht Reformen aufhalten können, die in der ganzen katholischen Welt drängend notwendig sind und überhaupt nicht nur in Deutschland angegangen werden. Die Täuschung bei der Fußball-WM besteht darin, dass viele dachten, der Weltverband würde sich an seine eigenen Regeln halten. Aber er nutzt seine Macht, duckt sich vor dem Regime in Katar und stellt Spielern und Fußballverbänden Ultimaten, die sie nicht umgehen können.

Und was hilft uns jetzt am Mittwochmorgen gegen diese Enttäuschungen? Ich finde, es gab in allen drei Enttäuschungsgeschichten wunderbare Gegenbeispiele, die sich nicht der scheinbar ausweglosen Macht der anderen beugen. Die vielen tausend Delegierten der Weltklimakonferenz haben entdeckt, dass sie unendlich viele Möglichkeiten haben, in ihren Ländern etwas zu ändern und fuhren tatsächlich voll Mut und Zuversicht nach Hause. Die deutschen Bischöfe haben sich in übergroßer Mehrzahl gegen das Verbotsmemorandum gestellt und so den weiteren Synodalen Weg gerettet. Die Spieler der Fußballnationalmannschaft des Iran, des aggressiven Regimes, das massiv und tödlich gegen die Demonstranten im eigenen Land vorgeht, diese Spieler haben beim Abspielen der Nationalhymne geschwiegen, obwohl ihnen bei der Rückkehr in ihr Land Böses droht.

Man kann gegen scheinbar übermächtige Machthaber tatsächlich etwas tun. Man kann den eigenen Enttäuschungen kraftvolle Zeichen entgegenstellen und man kann Ermutigungsgeschichten selbst in vielem Üblen finden und selbst schreiben.  

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