Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Auf die Liebe kommt es an!

Ich habe in den letzten Wochen immer mehr Berichte aus China gehört und gelesen. Im Land, in dem das Coronavirus entdeckt worden ist, geht große Panik um. Nicht unbedingt von den Menschen, den Einwohnern selber, sondern von den Machthabern der kommunistischen Partei. Sie haben berechtigte Angst, dass die Einwohner merken, dass auch die kommunistische Partei nicht allmächtig ist.

Für uns Europäer ist es undenkbar, wie in China mit den Menschen in dieser Coronakrise umgegangen wird: Millionenstädte werden abgeriegelt und die Menschen eingesperrt. Rigorose Polizei und sogenannte Nachbarschaftskomitees sorgen für Abschreckung und Einhaltung der Regeln. Menschen sterben in den Wohnungen an allen möglichen Krankheiten, weil sie nicht ins Krankenhaus gelassen werden. Zehntausende werden unter katastrophalen Bedingungen in Quarantänekrankenhäuser gesteckt, die in Flugzeughangars und Messehallen eingerichtet werden. Babys und Kleinkinder werden von ihren Eltern getrennt und von viel zu wenig Mitarbeiterinnen notdürftig versorgt.

Die Machthaber bitten die Menschen, nach italienischem Vorbild, ihnen zu Ehren von den Balkonen zu singen - die Videos von den stattdessen nächtlichen Schrei-Orgien in den Städten werden schnellstens von der Zensurbehörde gelöscht. Menschen gelten in China nichts, sie sind nur Verfügungsmasse der Herrschenden und die und der Einzelne hat keinerlei Bedeutung, es sei denn als Rädchen in der Maschine der Ökonomie. Es ist zutiefst erschreckend das zu sehen und sich vorzustellen.

Von Heinrich Böll gibt es einen Satz, der mir in diesem Zusammenhang noch mal deutlich macht, woraus wir hier leben. Er hat einmal gesagt:

„Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab für sie: Liebe für die, die in der heidnischen wie gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“

Bei allem Trabbel in unserer Kirche, bei allen Problemen in unseren Gemeinden: die Sorge für die Alten, die Kranken und Schwachen, die Flüchtlinge und die Fremden stehen hoch im Kurs und werden von vielen Hunderttausend Menschen jeden Tag getan. Aus Nächstenliebe und aus Verantwortung für die Mitmenschen. Das macht den Unterschied. Seien wir sehr dankbar dafür.

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