Zweiter katholischer Flüchtlingsgipfel zur Integration

"Ein langer und mühevoller Weg"

Geduld bei der Integration der Flüchtlinge in Deutschland und das Abschaffen von "Symboldebatten" in der Flüchtlingspoltik: das sind zwei der Forderungen, die beim zweiten katholischen Flüchtlingsgipfel in Frankfurt am Main aufgestellt wurden.

Flüchtlinge am Lageso in Berlin / © Paul Zinken (dpa)
Flüchtlinge am Lageso in Berlin / © Paul Zinken ( dpa )

Weder die Festlegung "irgendwelcher Grenzen" noch Einschränkungen bei der Religionsfreiheit könnten helfen, die Herausforderungen zu meistern, die sich durch den Zuzug von Flüchtlingen stellten, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, ohne direkt auf die Debatte um die Burka zu verweisen. Heße ist Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzender der Migrationskommission.

Es gelte stattdessen, sachlich miteinander zu reden und sich nicht von Stimmungen abhängig zu machen, sagte der Erzbischof. Er würdigte das Engagement von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe und verteidigte den Kurs der beiden großen Kirchen: "Man kann beim Christentum über vieles diskutieren - als Theologe hat man das gelernt - aber über die Würde des Menschen kann man nicht diskutieren."

Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Heße äußerte sich zum Auftakt des zweiten katholischen Flüchtlingsgipfels. An dem Treffen in Frankfurt nehmen rund 140 Vertreter aus Bistümern, Universitäten und Verbänden teil, die in der Flüchtlingshilfe engagiert sind. Ein Schwerpunkt des Austauschs soll auf Fragen der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenhalts liegen. Arbeitsgruppen wollen sich beispielsweise mit Themen wie "Werte und Normen", "Chancen auf dem Arbeitsmarkt" oder "Seelsorge und Gemeindeentwicklung im Angesicht der Zuwanderung" befassen.

Der erste Flüchtlingsgipfel im November in Würzburg hatte unter anderem die Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlingshilfe formuliert. Diese wurden von den Bischöfen auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im Februar in Kloster Schöntal verabschiedet.

Geduld bei der Integration

Weiter mahnte Heße Geduld bei der Integration der Flüchtlinge in Deutschland an. "Das wird ein sehr langer und mühevoller Weg", sagte der Hamburger Erzbischof. Derzeit sei es vor allem wichtig, ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen und die Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt zu fördern, sagte Heße.

Aus seiner Sicht ist die Integration der Flüchtlinge auch eine Chance für die Deutschen. Sie könnten sich im Dialog mit den Neuankömmlingen vergewissern, was die Gesellschaft trägt.

Gegen Obergrenzen

Heße wandte sich erneut gegen Forderungen nach einer Obergrenze für Flüchtlinge sowie einer Bevorzugung christlicher Asylsuchender. Weder Obergrenzen noch die Einschränkung der Religionsfreiheit lösten Probleme, sagte er. Die freiheitlich-demokratische Rechtsordnung würde beschädigt. Und wer die Möglichkeiten der Familienzusammenführung weiter einschränke, behindere die Integration. Die Würde des Menschen stehe unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Stand oder Religionszugehörigkeit unverrückbar fest.

Mehr als 200.000 Ehrenamtliche der katholischen Kirche setzten sich regelmäßig für Schutzsuchende ein, sagte der Erzbischof. Ihr Engagement sei wie eine "Frischzellenkur" für viele Kirchengemeinden.

Sie stelle "fast eine neue Kirchenentwicklung" dar, die von den Rändern der Kirche in sie hinein wachse. "Wir müssen uns für die Armen und die Menschen auf der Flucht einsetzen", betonte Heße. Diese Aufgabe genieße auf allen Ebenen des kirchlichen Handelns herausragende Bedeutung. "Am Auftrag Jesu können wir nicht vorbei", sagte er.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße / © Harald Oppitz (KNA)
Hamburgs Erzbischof Stefan Heße / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA , epd