Zeugin mit neuen Details im Rechtsstreit Woelki gegen "Bild"

Über Fehlverhalten informiert

Neue Details zum Streit zwischen der "Bild"-Zeitung und dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki: Die langjährige Sekretärin von dessen Vorgänger Joachim Meisner sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Köln aus.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki / © Federico Gambarini (dpa)
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki / © Federico Gambarini ( dpa )

In dem presserechtlichen Verfahren berichtete die heute 72-Jährige, wie sie um das Jahr 2010 den damaligen Kölner Weihbischof Woelki in einem rund 20-minütigen Telefonat über Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester informiert hatte. Den Geistlichen beförderte Woelki später in seiner Zeit als Erzbischof.

Nur von Gerüchten gewusst?

Im Rahmen des Gerichtsverfahrens hatte der Kardinal an Eides statt versichert, dass er zum Zeitpunkt der Beförderung des Priesters im Jahr 2017 von dessen sexuellem Kontakt mit einem minderjährigen Prostituierten und noch weiteren Gerüchten gehört habe.

Details aus der Personalakte und eine Warnung der Polizei vor dem Priester habe er aber nicht gekannt. Fürsprecher des Pfarrers hätten ihm erklärt, dass sich keines der Gerüchte je bestätigt habe.

Zeugin war mit Priester befreundet

Die Ex-Sekretärin räumte ein, sie habe weder die Personalakte noch das Polizeischreiben gesehen und daher darüber auch nicht mit Woelki gesprochen. Jedoch habe sie ihm über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Priester berichtet, mit dem sie befreundet gewesen sei. Der Geistliche habe ihr einen sexuellen Kontakt mit einem Prostituierten gestanden und ihr erzählt, dass er mit Messdienern in die Sauna gehe.

Unterhosen mit Penis-Darstellungen gekauft

Sie sei extra auf kirchliche Jugendfahrten mitgereist, um ihn ermahnen zu können, "wenn er wieder anzüglich wurde bei den Jugendlichen". Während einer Rom-Reise habe er mit Messdienern Unterhosen mit Penis-Darstellungen gekauft. Im Mai 2009 habe sie die Freundschaft beendet, "weil ich nachts nicht mehr schlafen konnte und es nicht mehr ausgehalten habe mit meinem Gewissen".

Präzise am Telefon geschildert

All dies habe sie Woelki während des Telefonats berichtet, das auf seinen Wunsch hin zwischen Mai 2009 und vor Woelkis Ernennung zum Erzbischof von Berlin im Juli 2011 stattgefunden habe.

Joachim Kardinal Meisner 2013 / © kna (KNA)
Joachim Kardinal Meisner 2013 / © kna ( KNA )

Auch mit dem 2017 gestorbenen Meisner, dem früheren Generalvikar und heutigen Weihbischof Dominikus Schwaderlapp sowie dem Personalchef und derzeitigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße habe sie gesprochen.

"Lügen muss aufhören"

Die Einladung des Gerichts habe sie sehr belastet. Sie habe sich aber für die Aussage entschieden, "weil ich denke, das Lügen muss aufhören".

Woelkis Rechtsbeistand Carsten Brennecke betonte nach der Verhandlung, die Zeugin habe nicht bestätigt, dass Woelki bei der Beförderung des Priester Inhalte der Personalakte gekannt habe. Dagegen betonte Rechtsanwalt Manuel Banck für den Springer-Verlag, in dem "Bild" erscheint, Woelki habe von den Vorwürfen gewusst - "ob er sie nun aus der Personalakte kannte, oder sonstwoher".

Verhandlung wird fortgesetzt

Die Verhandlung wird am 7. Dezember fortgesetzt. Dann soll der frühere Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Oliver Vogt, aussagen.

In mehreren Artikeln hatte die "Bild"-Zeitung Woelki Vertuschung von Missbrauch vorgeworfen. Mit Blick auf einen anderen Missbrauchsfall, dem des ehemaligen "Sternsinger"-Chefs Winfried Pilz (1940-2019), belasten den Kardinal Interview-Aussagen einer anderen Kirchenmitarbeiterin. Das Interview löste vorige Woche staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Erzbischof wegen falscher eidesstattlicher Versicherung aus.

Autor/in:
Anita Hirschbeck
Quelle:
KNA
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