Zentrales Homosexuellen-Mahnmal in Berlin eingeweiht - Gedenkstätte für die in NS-Zeit verfolgten Schwulen

"Meilenstein gesellschaftlicher Anerkennung"

Vor mehreren hundert Vertretern aus Politik und Gesellschaft hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Dienstag in Berlin das zentrale Mahnmal für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen eingeweiht. "Mit der Übergabe erinnern wir an eine Opfergruppe, die in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit wenig Beachtung fand", sagte Neumann. Das Mahnmal solle daran erinnern, "dass in unserem Land die Diskriminierung von Homosexuellen, von Andersdenkenden und Anderslebenden keinen Platz haben darf".

 (DR)

Während des Nationalsozialismus wurden zwischen 10.000 und 15.000 Männer wegen ihrer Homosexualität in Konzentrationslager gesperrt, von denen Tausende ums Leben kamen. Das Mahnmal «ehrt die Opfer, es erinnert an vergangenes Unrecht und es blickt mahnend auf Gegenwart und Zukunft», sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Das Denkmal sei «ein dauerhaftes Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung» und markiere die Fortschritte, die im Kampf um Toleranz und Gleichstellung in den vergangenen Jahrzehnten erzielt worden seien.

Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, Günter Dworek, nannte das Mahnmal einen weiteren «Meilenstein gesellschaftlicher Anerkennung». «Eingetragene Lebenspartnerschaft, Gleichbehandlungsgesetz und jetzt das Denkmal: Es lebt sich heute als homosexueller Mensch anders in diesem Land. Man spürt festeren Boden unter den Füßen», sagte Dworek. Der Sprecher der 1992 gegründeten Mahnmal-Initiative, Albert Eckert, erklärte, wenn sich Menschen an dem Denkmal störten, sei es «um so besser, denn genau das wollen wir damit erreichen».

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, begrüßte das Mahnmal. Mit ihm werde endlich an die Gruppe homosexueller NS-Opfer erinnert und ihnen die Ehre erwiesen, die ihnen zusteht, betonte der Bischof zur Einweihung.
Auch in den Kirchen sei es nicht einfach gewesen, den richtigen Umgang mit Homosexuellen zu lernen und bleibe in manchen Hinsichten weiter schwierig.

Das rund 600.000 Euro teure Denkmal am südöstlichen Rand des Berliner Tiergartens besteht aus einem knapp fünf Meter langen und dreieinhalb Meter hohen Kubus, der auf die Stelen des nahegelegenen Holocaust-Mahnmals Bezug nimmt. Der Entwurf stammt von dem dänisch-norwegischen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset.
Durch ein Fenster, das schräg in eine Ecke des Kubus eingelassen ist, kann der Betrachter auf einer Filmprojektion sehen, wie sich ein Männerpaar scheinbar endlos küsst. In zwei Jahren soll die Sequenz durch ein Lesbenpaar ersetzt werden.

Am Denkmal wird zudem eine Texttafel über die nationalsozialistische Verfolgung von Homosexuellen informieren. Bereits 2001 hat die Initiative «Der homosexuellen NS-Opfer gedenken» sowie der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland den Anstoß für das Projekt gegeben. 2003 beschloss der Deutsche Bundestag den Bau des Denkmals.
Bau und Unterhalt der Gedenkstätte wurde den Angaben zufolge über den Etat von Kulturstaatsminister Neumann finanziert.

Neben viel Zustimmung gab es am Dienstag auch grundsätzliche Kritik an der Denkmalpolitik der Bundesrepublik. Deutschland mache es sich zu einfach, indem es sich mit den Opfern des Nationalsozialismus beschäftige und nicht mit der Frage der Täterschaft auseinandersetze, sagte der Hamburger Historiker Peter Reichel im Deutschlandradio Kultur. Als nächste Gedenkstätte wird derzeit in unmittelbarer Nachbarschaft das Mahnmal für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma errichtet.