Gestern noch prachtvoller Schmuck vieler Wohnzimmer, heute schon nutzloser Abfall am Straßenrand: So geht es in diesen Tagen vielen der rund 30 Millionen Weihnachtsbäume in Deutschland. Kaum ist das neue Jahr eingeläutet, haben viele Bundesbürger das Bedürfnis, mit der weihnachtlichen Besinnlichkeit aufzuräumen und nach vorn zu schauen. Zumal in vielen Familien der Trend Raum gewonnen hat, die Weihnachtsbäume schon im Advent aufzustellen. Da ist die Sehnsucht nach Veränderung noch größer.
Mancher hat den Dreikönigstag noch abgewartet, um Krippe und Christbaum abzubauen. Der kirchliche Weihnachtsfestkreis endet offiziell am Sonntag nach dem Dreikönigstag, also in diesem Jahr am 11. Januar. Nur wenige folgen noch der alten katholischen Tradition, die Weihnachtszeit erst am 2. Februar, also am Lichtmess-Tag, ausklingen zu lassen. In Schweden, Finnland und Norwegen ist die Weihnachtszeit traditionell am St.-Knut-Tag, dem 13. Januar, beendet; dann werden die Christbäume abgeschmückt und entsorgt.
Viel Arbeit für die Abfallentsorger in Städten und Gemeinden. Zahlreiche Kommunen organisieren eigene Abholtage oder kündigen Zeitpunkte an, an denen die Müllabfuhr die nutzlos gewordenen Blaufichten, Nordmann- oder Nobilistannen zusammen mit Restmüll oder Biomüll einsammeln. Auch Recyclinghöfe oder Annahmestellen für Grünschnitt nehmen die Bäume ab. Dort werden sie meist geschreddert, zu Mulch verarbeitet oder kompostiert.
Entsorgung gegen Spende
Mancherorts übernehmen auch kirchliche Jugendgruppen, die Freiwillige Feuerwehr oder Chöre die Entsorgung gegen eine kleine Spende. Und andernorts bilden die Weihnachtsbäume den Grundstock für lodernde Osterfeuer.
Was gar nicht geht: Die Bäume einfach in der freien Natur zu entsorgen. Wer dabei erwischt wird, riskiert ein Bußgeld. Möglich ist aber, dass man die getrockneten Stämme im eigenen Kamin verbrennt und die Zweige im eigenen Garten nutzt: zerkleinert im Kompost, als Frostschutz für Pflanzen oder als mögliche Verstecke für Kleintiere: Igel, Spitzmäuse, Käfer und Eichhörnchen finden in Haufen aus Reisig und Laub Schutz vor Fressfeinden und der winterlichen Kälte, wie etwa der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL) empfiehlt.
Ohne Lametta und Christbaumkugeln
Egal, wie der Baum entsorgt wird: Christbäume müssen komplett abgeschmückt und frei von jeglicher Dekoration sein, betonen die Entsorgungsunternehmen. Dies gilt für Lametta und Christbaumkugeln, aber auch für Kunstschnee oder Glitzerspray.
Vielerorts werden die von den Entsorgungsbetrieben gesammelten Tannen geschreddert und für Rekultivierungsmaßnahmen genutzt. Oder sie werden verbrannt und in Biomassekraftwerken in Strom und Fernwärme verwandelt. 350.000 Bäume werden im Schnitt jedes Jahr allein in Berlin gesammelt. Das reicht nach Expertenangaben, um rund 500 Haushalte ein Jahr lang mit Wärme und Strom zu versorgen.
Wer schon mal beobachtet hat, wie schnell ein Weihnachtsbaum mit seinen über 400.000 Nadeln in Flammen aufgeht und welche Wucht das Feuer entwickelt, bekommt Respekt. Einmal in Brand, löst der frei gesetzte Harzdampf der Nadeln eine Kettenreaktion aus. Von Mini-Explosion zu Mini-Explosion breitet sich das Feuer sehr schnell auf den gesamten Baum aus. Dabei können nach Feuerwehr-Angaben bis zu 1.000 Grad Celsius in weniger als einer halben Minute erreicht werden. Nach zwei Minuten ist der Baum komplett heruntergebrannt.
Aus Sicht der Feuerwehren ist es deshalb gar nicht so schlecht, die Weihnachtsbäume möglichst früh zu entsorgen. Denn von trockenen Bäumen im Wohnzimmer geht eine erhebliche Gefahr aus, besonders wenn echte Kerzen verwendet werden.