Blick nach Altena ein halbes Jahr nach der Flut

"Wir waren damals optimistisch"

Am 14. Juli 2021 hat sich für die Menschen im Flutgebiet die Welt verändert. Auch für die Gemeinde St. Mätthäus in Altena. Dort versucht man ein halbes Jahr nach der Katastrophe vor allem mit einem offenen Ohr für die Menschen da zu sein.

Aufräumarbeiten in Altena / © Markus Klümper (dpa)
Aufräumarbeiten in Altena / © Markus Klümper ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie tief sitzt denn bei Ihnen jetzt, ein halbes Jahr später noch der Schreck?

Sandra Schnell (Gemeindeleiterin St. Matthäus in Altena): Wir merken, wir waren damals optimistisch, es waren viele Helfer da. Das ist auch toll, weil wir auch wirklich viel Hilfe gebraucht haben. Wir sind auf einem guten Weg. Aber es ist eben doch eine sehr langwierige Angelegenheit und wir werden noch sehr lange brauchen, bis wir wieder alles aufgebaut haben, was da zu Schaden gekommen ist.

DOMRADIO.DE: Wo sieht man denn Fortschritte?

Schnell: In der Infrastruktur sieht man es auf jeden Fall. Die Straßen werden wieder aufgebaut, die Straßensperrungen sind zum größten Teil aufgehoben. Hier und da gibt es noch Ampelschaltungen, weil nur eine Fahrbahnhälfte frei ist. Von hier nach da zu kommen, geht jetzt schon wieder besser. Allerdings sind die einzelnen Haushalte, die einzelnen betroffenen Firmen, alle, die jetzt mit der Überflutung zu tun hatten, noch weit davon entfernt, dass der Alltag bei ihnen wieder einkehren kann.

DOMRADIO.DE: Sie sagten, Sie waren damals beeindruckt von der großen Solidarität vor Ort. Wie viel ist ein halbes Jahr später davon übrig?

Schnell: Die gibt es auf jeden Fall. Es gibt immer noch eine starke Verbundenheit in Altena. Es gibt eine sogenannte Spendenvergabekommission, wo sich alle zusammengetan haben, die damals mit dem Sammeln von Spenden begonnen haben. Die haben wirklich einen sehr guten Blick drauf, alle Menschen im Blick zu haben, die Hilfe brauchen, kurzfristig, mittelfristig, langfristig, so wie es gerade ist.

Auch die Hilfe von außen ist durchaus noch da. Es hat sich aber verändert. Die Straßen sind frei geräumt, die Häuser sind ausgeräumt und die Hilfen, die jetzt gebraucht werden, sind vor allen Dingen Handwerker, Fachkräfte und finanzielle Unterstützung. Und da können Leute nicht aus dem Ruhrgebiet mal eben herkommen und sagen "Ich bin da", sondern das ist jetzt eine kompliziertere Gemengelage.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie als Gemeinde den Menschen helfen können?

Schnell: Wir hatten Verschiedenes gemacht. Wir hatten eine Gebetsaktion, wir haben eine Spendenaktion gemacht, mit der wir auch vor Ort kurzfristig und mittelfristig helfen konnten. Wir machen kleine Straßenfeste. Da hatten wir jetzt bis Weihnachten fünf Straßenfeste gemacht, an fünf besonders betroffenen Orten, wo wir die Menschen einfach eingeladen haben, mal zwei, drei Stunden auszuspannen, sich verwöhnen zu lassen. Ein bisschen schöne Musik, was für die Kinder.

Das Beratungsangebot der Caritas gibt es für diejenigen, die noch gar nicht dazu gekommen waren oder gar nicht wussten, wie sie sich am besten beraten lassen. Das wird sehr gut angenommen. Da sind wir in den Planungen, das weiter zu machen, weil wir auch sehen, dass diese Sache im Sinne von Seelsorge, bei den Menschen sein, zu den Menschen gehen, auch wirklich wichtig ist für die Menschen.

Die Beratungsangebote machen die Hilfsorganisationen, Caritas und DRK, auch der Märkische Kreis hat da Angebote. Das läuft auf jeden Fall für die, die es brauchen. Aber das Dabeisein bei den Menschen, das ist eben das, was wir versuchen, so gut, wie wir es können.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Sandra Schnell / © Michael Schnell (privat)
Sandra Schnell / © Michael Schnell ( privat )
Quelle:
DR
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