Wie tickt der neue Bamberger Erzbischof Herwig Gössl?

Seine Stärke ist das persönliche Gespräch

An diesem Samstag wird der Bamberger Bischofsstuhl wieder besetzt. Was ist vom neuen Erzbischof Herwig Gössl zu erwarten? Hinweise geben bisherige Äußerungen und sein öffentliches Auftreten. Klar ist, er ist anders als sein Vorgänger.

Autor/in:
Hannah Krewer
Herwig Gössl / © Katharina Gebauer (KNA)
Herwig Gössl / © Katharina Gebauer ( KNA )

Er werde nicht so sehr in den Sozialen Medien aktiv sein und beim Joggen treffen werde man ihn auch nicht: Mehrmals wurde Herwig Gössl (57) in den vergangenen Monaten nach diesen Punkten gefragt, war doch sein Vorgänger im Amt des Bamberger Erzbischofs, Ludwig Schick (74), für diese Dinge bekannt. 

Bamberger Erzbischof em. Ludwig Schick / © Nicolas Armer (dpa)
Bamberger Erzbischof em. Ludwig Schick / © Nicolas Armer ( dpa )

Gössl zeigt sich bescheiden

Schon bei seiner Ernennung im Dezember fiel Gössl vor allem durch eines auf: Bescheidenheit. Er habe nicht um das Amt gebeten, betonte er. Seit seiner Ernennung gab der bisherige Weihbischof und Übergangsverwalter der Erzdiözese so viele Interviews wie nie zuvor.

So kündigte Gössl ein Missbrauchsgutachten für das fränkische Erzbistum an. Das Thema solle "ganz systematisch" bearbeitet werden, sagte er gegenüber DOMRADIO.DE. Schon sein Vorgänger habe Wert darauf gelegt, dass dies nicht durch das Bistum geschehe, sondern durch eine unabhängige Aufarbeitungskommission.

Blick auf kirchliche Reformen

Auch zu Reformen in der katholischen Kirche äußerte Gössl sich wiederholt und differenziert. Mehrmals wurde er nach der Priesterweihe für Frauen gefragt. Er könne sich das "persönlich nach wie vor nicht vorstellen", sagte er dann, fügte aber hinzu, kein Problem mit Frauen im Amt zu haben. Die Frage sei, was der Wille Gottes sei. Wenn die Kirche sich für diesen Weg entscheide, dann gehe er ihn mit.

Die Weihe von Diakoninnen kann Gössl sich prinzipiell vorstellen. Und auch, dass Nichtgeweihte in der Messe predigen, wäre eine wünschenswerte Veränderung, sagte er dem "Fränkischen Tag".

Segnungspapier und Debatte um Inhalte

Auch zum jüngsten Vatikanpapier, das die Segnung von gleichgeschlechtlichen oder wiederverheiratet-geschiedenen Paaren unter bestimmten Umständen ermöglicht, nahm der neue Erzbischof Stellung: "Damit wird ein wichtiger Wunsch vieler Gläubiger aufgegriffen, der auch im Synodalen Weg seinen Ausdruck fand." Die Erklärung der Glaubensbehörde bringe neue Möglichkeiten für die Seelsorge mit sich.

Ein Regenbogen leuchtet über dem Petersdom vor dem Beginn der wöchentlichen Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan / © Gregorio Borgia (dpa)
Ein Regenbogen leuchtet über dem Petersdom vor dem Beginn der wöchentlichen Generalaudienz von Papst Franziskus im Vatikan / © Gregorio Borgia ( dpa )

Der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) sagte er aber, dass er sich eine eindeutigere Äußerung aus Rom gewünscht hätte. So seien Segnungen von Paaren möglich, deren Lebensweise zugleich als sündig angesehen werde. Er gehe jedoch davon aus, dass diese Debatte noch nicht zu Ende sei.

Gössl blickt kritisch auf Entwicklung in der Politik

Mehrfach äußerte sich Gössl auch zur Politik. Das Erstarken der AfD mache ihm Angst. Schon vor der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz vergangene Woche in Augsburg betonte er, dass viele Aussagen der Partei nichts mit der christlichen Botschaft zu tun hätten. "Deshalb stellen wir Christen uns gegen Rechtsextremismus, Fremdenhass und faschistische Ideologien."

Bei seiner staatlichen Vereidigung in München machte er deutlich, dass die Kirche sich nicht aus der Politik raushalten dürfe. Vielmehr müssten Staat und Kirche zusammenwirken, "damit die Menschenfänger und Populisten keinen Boden gewinnen und der Friede auf Erden wachsen kann".

Zukunft im Erzbistum Bamberg

Zur Zukunft von Kirchen im Erzbistum nahm er in einem Interview mit der Bamberger Bistumszeitung "Heinrichsblatt" kurz vor seiner Amtseinführung Stellung: Er verstehe, dass die Leute um ihre Kirchen kämpften. Aber: "Wir können nicht den Verstand ausschalten und finanziell vor die nächste Wand fahren."

Was abseits von diesen Positionierungen auffällt: Gössl ist es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Dafür nahm er sich etwa beim Neujahrsempfang des Erzbistums im Januar viel Zeit. Dass er als Erzbischof nicht mehr so viel Zeit für die Seelsorge haben werde, bedauerte Gössl im "Heinrichsblatt".

Gössl will "Mutmacher" sein

Dort verriet er auch, dass er mit gemischten Gefühlen auf die Amtseinführung blicke: "Ich freue mich schon auch, aber stellen Sie sich mal vor, [...] was alles schiefgehen kann. Ich bin froh, wenn es gut vorbei ist." So spricht jemand, der einfach nicht gern im Mittelpunkt steht.

Und was sieht Gössl als seine wichtigste Aufgabe überhaupt an? "Mutmacher sein", sagte er der SZ im Januar. "Derjenige, der Impulse gibt, [...] der alles im Blick behält und auf diese Weise Brücken baut." Das sei schließlich die Aufgabe eines Bischofs.

Erzbistum Bamberg

Blick auf die Bamberger Altstadt / © saiko3p (shutterstock)
Blick auf die Bamberger Altstadt / © saiko3p ( shutterstock )

Das Bistum Bamberg wurde auf die Initiative von König Heinrich II. hin bei der Reichssynode in Frankfurt gegründet. Erster Bischof von Bamberg war Eberhard I., der dieses Amt von 1007 bis 1040 innehatte. Mit dem Bistum Bamberg ins Leben gerufen wurde das Domkapitel, das den heiligen Georg als Patron wählte.

Beim 4. Laterankonzil 1215 erlangte das Domkapitel das alleinige Bischofswahlrecht und beanspruchte die Mitregierung des Hochstifts und der Diözese.

Quelle:
KNA