Wie steht Trump zur Religion?

"Er versucht, das ganze Spektrum abzudecken"

Am Freitag wurde Donald Trump als 45. Präsident der USA vereidigt. Er habe zwar Evangelikale und Katholiken angesprochen, sich aber selbst weit von der Religion entfernt, sagt der langjährige USA-Korrespondent Klaus Prömpers vor der Vereidigung im domradio.de-Interview.

Zukünftiger US-Präsident Donald Trump / © Michael Reynolds (dpa)
Zukünftiger US-Präsident Donald Trump / © Michael Reynolds ( dpa )

domradio.de: Wenn Donald Trump vereidigt wird, verwendet er ja auch die Formel "So wahr mir Gott helfe". Wie steht denn Trump zur Religion?

Klaus Prömpers (ehemaliger Leiter des ZDF-Studios in New York): Ursprünglich kommt er aus der presbyterianischen Kirche. Dort ist er bei seiner ersten Eheschließung gewesen und durch seine Eltern hingekommen. Er steht der Kirche durchaus offen gegenüber. Es ist ihm gelungen, mehr Wähler anziehen, als es Bush gelungen ist – sowohl auf der Seite der Evangelikalen als auch der Katholiken. Das liegt nicht zuletzt daran, dass seine Programmatik denen am meisten zusagt.

Er selbst hat sich mittlerweile sehr weit von der Religion entfernt. Die presbyterianische Kirche hat ihm bereits im Oktober 2015 in einem öffentlichen Schreiben vorgeworfen, eine falsche Politik gegenüber Ausländern und Muslimen zu betreiben, die mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei. Im Dezember hat sie dann öffentlich festgestellt – durch ihren Generalsekretär – man könne Trump nicht aus der Kirche rauswerfen, weil er in keinem der Verzeichnisse zu finden gewesen sei. Man hat also gesucht und nicht gefunden. Er ist also wohl da nicht mehr Mitglied. Er ist auch nicht bekannt dafür, dass er jeden Tag in die Kirche geht. Aber er war im Wahlkampf bekannt dafür, dass er zu Beginn und zum Ende der Auftritte Gebete sprach.

domradio.de: Vor der Wahl hieß es ja, die Katholiken entscheiden regelmäßig, wer Präsident wird. Trump hat im Wahlkampf in einigen Belangen den christlichen Werten widersprochen. Warum haben so viele Katholiken ihn dann trotzdem gewählt?

Prömpers: Er hat sehr widersprüchlich gesprochen im Wahlkampf und er hat durchaus teilweise Dinge vertreten, die auch die Katholiken und Evangelikale ansprechen – beispielsweise den Lebensschutz und seine Haltung gegen Abtreibung. Einer der ersten Bruchsteine, die bei Obamacare sicherlich rausfliegen werden, ist die Finanzierung der Pille zur Verhütung. Sie ist in Obamacare enthalten – gegen den großen Widerstand der katholischen Kirche, beispielsweise auch des News Yorker Kardinals Dolan, der damals noch Vorsitzender der Bischofskonferenz war. Er konnte sich nicht durchsetzen, sie haben vor Gerichten auch verloren in dieser Angelegenheit. Auf der anderen Seite steht Trumps Flüchtlingspolitik und die Politik gegenüber Muslimen, die Dolan und die katholische Kirche ablehnen. 

domradio.de: Welche Religionsvertreter werden am Freitag dabei sein? 

Prömpers: Trotz aller Widersprüche wird Kardinal Dolandabei sein, weil er sozusagen der Hausbischof von Trump ist. Denn er wohnt auf der Fifth Avenue ein bisschen weiter hoch. Außerdem wird Franklin Graham dabei sein. Viele Menschen werden auch hier Billy Graham kennen – den Fernseh-Evangelisten, der viele amerikanische Präsidenten beraten hat. Franklin Graham versucht, in seine Fußstapfen zu treten. Mir ist nicht bekannt, dass er bereits jetzt Trump berät, aber er ist Fernseh-Evangelist. Ebenso wie die Pastorin Paula White aus Florida. Sie ist eine Fernseh-Predigerin, die Trump sicherlich sehr liegt. Denn bei ihr spielt – ähnlich wie bei den Calvinisten – eine große Rolle, dass nicht nur das Beten guter Ausdruck von Gottverbundenheit ist, sondern auch erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit.

Dann kommt hinzu ein spanisch-sprechender Pfarrer aus der nationalen christlichen Konferenz der evangelischen spanisch-sprechenden Kirchen, Samuel Rodriguez. Trump hatte sich sehr schwer getan, diese Gruppe als Wähler wirklich an sich zu binden. Das ist ihm auch nicht richtig gelungen, muss man sagen. Außerdem wird ein jüdischer Rabbi anwesend sein, Marvin Hier, und noch ein Fernsehprediger, nämlich Bischof Wayne Jackson. Er steht offensichtlich für die Afroamerikaner, denn der Sender, bei dem er arbeitet und predigt, wird von Afroamerikanern finanziert.

domradio.de: Trump hat einmal in einem Interview mit einem katholischen US-Sender gesagt, seine liebsten Heiligen seien Mutter Teresa und Papst Johannes Paul II. Was sagt uns diese Antwort? 

Prömpers: Er versuchte eben das ganze katholische Spektrum abzudecken, das den Leuten am Herzen liegt, damit er möglichst viele Menschen eingefangen bekommt. Und das ist ihm gelungen. Er hat über 50 Prozent der katholischen Wähler überzeugt – derjenigen, die gewählt haben, muss man sagen. Man darf nicht vergessen: Auch Donald Trump wird nur mit 25 Prozent aller Stimmen gewählt worden sein, weil viele gar nicht zur Wahl gegangen sind.

Das Interview  führte Silvia Ochlast. 

Klaus Prömpers, langjähriger ZDF-Journalist in den USA / © domradio.de (DR)
Klaus Prömpers, langjähriger ZDF-Journalist in den USA / © domradio.de ( DR )
Quelle:
DR