Der Arbeitsplatz von Pfarrer Thomas Francis Olickal ist ordentlich aufgeräumt. Nur in der Mitte steht ein Laptop aufgeklappt auf dem Tisch, mit angeschalteter Webcam. "Über Internet kommuniziere ich mit meiner Familie in Indien", sagt der 53-Jährige. Seit knapp zwei Jahren ist er in der südbrandenburgischen Kleinstadt Großräschen Priester im katholischen Pfarramt St. Antonius. Dort fühlt sich der Inder längst zu Hause. "Ich mag die ruhige Mentalität der Menschen", sagt er. "Im Osten Deutschlands habe ich immer etwas mehr Herzlichkeit erfahren als anderswo."
Olickal wuchs in der indischen Region Kerala auf. Dort seien im sonst weitestgehend hinduistischen Land fast 90 Prozent Christen, erzählt er. "Dort leben alle Menschen ganz selbstverständlich miteinander". Feindschaften gebe es nicht. Das wünscht sich der Pfarrer, der den Menschen immer mit einem Lächeln begegnet, auch für den Rest der Welt. Schon in Indien habe er deshalb den Beinamen "lachender Priester" bekommen, der ihn bis heute erhalten geblieben ist.
Nach dem Theologie- und Philosophie-Studium arbeitete er vier Jahre lang als Kaplan. 1991 entsandte ihn sein Bischof nach Paris, wo er seinen Master in Theologie abschloss. In Paderborn promovierte Olickal. Anschließend führte sein Weg in die Lausitz nach Cottbus, wo er acht Jahre als Seelsorger in der Gemeinde und als Studentenpfarrer für die beiden Hochschulen tätig war. "Vor allem die Arbeit mit den jungen Menschen hat mir viel Spaß gemacht", erinnert er sich.
Seit 2010 ist Olickal in Großräschen
Seine verschiedenen Sprachkenntnisse halfen ihm dabei. Olickal spricht neben seiner Muttersprache Hindi fließend deutsch, englisch und französisch. Im Jahr 2010 folgte der Wechsel nach Großräschen, wo er neben der städtischen Pfarrei auch die kleineren Gemeinden in Altdöbern, Welzow und Neupetershain betreut.
"Es ist in Deutschland nicht ungewöhnlich, dass Priester aus anderen Ländern hier ihren Dienst machen", sagt Raphael Schmidt vom bischöflichen Ordinariat des Bistums Görlitz, das für die Dekanate und Gemeinden in Südbrandenburg und Ostsachsen zuständig ist. In anderen Regionen sei dies mitunter noch weiter verbreitet. Vor allem im ländlichen Raum sei es durchaus schwierig, Priester für die Gemeinden zu finden. Dennoch seien derzeit keine Pfarrstellen unbesetzt.
Für Pfarrer Olickal war der Umzug nach Großräschen selbstverständlich. "Ich stehe im Dienst der Kirche, sie ist mein Zuhause", begründet er. Dort finde er Geborgenheit, die er mit anderen teilen möchte. Denn Menschen haben für ihn überall die gleichen Wünsche: "Frieden, Liebe und Geborgenheit", ist er überzeugt. Diese Werte hätten Bestand, auch in Zeiten scheinbar schwindender Religiosität.
Wie sich ein indischer Katholik in der brandenburgischen Provinz zurechtfindet
Der lachende Priester
Seit knapp zwei Jahren ist Thomas Olickal in der suedbrandenburgischen Kleinstadt Grossräschen Priester im katholischen Pfarramt St. Antonius. Hier fühlt sich der Inder laengst zu Hause. Im Osten Deutschlands habe er immer etwas mehr Herzlichkeit erfahren als anderswo, sagt er. Ein Besuch.
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