Wie meistern bischöfliche Weingüter den Klimawandel?

"Tempo der Veränderungen macht Anpassung schwierig"

Die Bischöflichen Weingüter Trier bewirtschaften etwa 130 Hektar und verkaufen die Weine international, seit kurzem auch in den Vatikan. Direktorin Julia Lübcke spricht im Interview über Weinbau im Zeichen des Klimawandels.

Weintrauben / © True life photography (shutterstock)

KNA: Wie stellen sich die Bischöflichen Weingüter auf den Klimawandel ein?

Julia Lübcke (Direktorin der Bischöflichen Weingüter Trier): In der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und im Weinbau spüren wir die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich. Momentan erleben wir jedes Jahr Veränderungen und lernen dazu. Die aktuellen Pegelstände des Rheins zeigen, dass sich schnell und viel ändert. Es wäre aber falsch zu denken, dass wir schon alles über die Folgen wüssten. Denn das Gute ist, dass wir Menschen uns anpassen können. Pflanzen können das auch. In der Geschwindigkeit, wie sich derzeit landwirtschaftliche Bedingungen ändern, ist Anpassung aber eine große Herausforderung.

KNA: Was tun die Bischöflichen Weingüter konkret?

Julia Lübcke, Direktorin der Bischöflichen Weingüter Trier / © Anna Fries (KNA)
Julia Lübcke, Direktorin der Bischöflichen Weingüter Trier / © Anna Fries ( KNA )

Lübcke: Vor allem beobachten wir die Natur und die Weinberge und tauschen uns dazu mit Kollegen aus, um die besten Anpassungsstrategien zu finden. Erkenntnisse der Wissenschaft spielen auch eine Rolle, allerdings dauert es oft lange, bis da Ergebnisse vorliegen. Also probieren wir aus. Es geht darum, die Widerstandskraft der Reben zu erhöhen, beispielsweise indem man den Boden auflockert oder Humus zugibt, damit der Boden mehr Wasser aufnehmen kann. Bei der Neuanpflanzung von Weinbergen kann man über die Sortenwahl und die Reben-Erziehungsform nachdenken. Bewässerung spielt eine Rolle, die Standorte der Weinberge ebenfalls.

KNA: Manche Experten fordern einen radikalen Bruch im Weinbau. Das klingt bei Ihnen nicht so.

Lübcke: Es geht im Weinbau um langfristige Entscheidungen. Einen Weinberg pflanzt man alle 40 bis 50 Jahre. Gerade die alten Reben mit tiefen Wurzeln sind ein großer Schatz. Die kommen am besten mit den sich ändernden Bedingungen klar. Dort ernten wir auch die besten Trauben. Vor einigen Jahren ist man mit dem Thema Klimawandel noch naiver umgegangen und hat gesagt, wenn es hier wärmer wird, dann bauen wir einfach andere Sorten und keinen Riesling mehr an. Aber so einfach ist das nicht.

KNA: Die Bischöflichen Weingüter bauen etwa zu 89 Prozent Riesling an. Wird das an der Mosel schwieriger?

Lübcke: Wir werden den Riesling-Anbau in den kommenden Jahren nur wenig reduzieren. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass trockenresistentere Rebsorten wie Grauburgunder und Weißburgunder, Chardonnay oder Pinot noir zusätzlich eine große Zukunft an der Mosel haben werden. Diese Trauben wurden hier früher einfach nicht reif. Riesling braucht hingegen kühle Bedingungen und sollte langsam reifen. Interessant ist, dass die Reben auf die aktuellen Temperaturen reagieren. In den sehr trockenen Sommern reifen die Trauben zeitweise kaum, legen quasi einen Stopp ein bis es wieder regnet, wodurch sich der Reifeprozess wiederum verzögert.

KNA: Es ist seit Wochen heiß und trocken. Wie ernst ist die Lage für den Wein?

Lübcke: Die Situation ist kritisch. Schaut man sich derzeit in den Weinbergen um, sieht man, dass die Reben mit der Trockenheit kämpfen. Erstaunlich ist aber, dass nur wenige Pflanzen kollabieren. Das wäre ja auch möglich nach drei Monaten mit sehr wenig Niederschlag und anhaltend hohen Temperaturen. Trotzdem gibt es sehr viel grünes Laub, die Trauben wachsen. Das stimmt mich optimistisch, dass die Trauben weiter reifen, wenn es im September noch regnet. Wir unterschätzen die Anpassungsfähigkeit der Natur und der Pflanzen.

KNA: Sprechen wir über Bewässerung. Lohnt sich das?

Lübcke: Eine flächendeckende Bewässerung des Weinbergs im großen Stil ist sehr aufwendig. Die Winzer müssen jeden Liter Wasser auf den Berg fahren und mit Schläuchen oder Wasserlanzen ausbringen. In ein Wasserfass passen etwa 10.000 bis 15.000 Liter. Das ist im Vergleich zum Bedarf zu vernachlässigen. Daher bewässern Winzer vor allem Junganlagen mit kleinen Pflanzen, manche haben auch Schläuche für eine Tröpfchenbewässerung gelegt. Wir bewässern Junganlagen, die sehr teuer sind. Da wollen wir nicht tatenlos zusehen, wie uns die jungen Pflanzen verdorren, weil sie noch keine langen Wurzeln haben und nicht an Wasser in ein bis zwei Meter Tiefe kommen. In großem Stil können wir nur bewässern, wenn wir Wasser oben am Berg sammeln.

KNA: Dazu beteiligen Sie sich auch in einem Pilotprojekt.

Lübcke: In dem Projekt wird auf einem Berg ein großes Wasserreservoir gebaut. Dort soll im Winter, wenn es viel regnet, Wasser für den Sommer gesammelt werden. Außerdem soll das Reservoir in den Wintermonaten aus einem kleinen Fluss aufgefüllt werden können. Aber das Problem ist auch hier: Wenn das Reservoir im Sommer aufgebraucht ist, ist es leer. Noch dazu ist das Projekt sehr teuer und wird stark gefördert. Von den Winzern allein wären die Kosten nicht zu stemmen. Perspektivisch halte ich es für nicht realistisch, dass so ein Wasserreservoir überall zur Verfügung steht.

KNA: Das klingt so, als würde Weinbau komplexer und kostspieliger. Wird Wein damit mehr noch zum Luxusgut?

Lübcke: In den Steillagen sicherlich. Die Bewirtschaftung dort wird schon seit Jahren immer kostspieliger, beispielsweise die Bewässerung. Das wird sich wohl auch in Preisen der Weine spiegeln.

Bistum Trier

Liebfrauenkirche und Trierer Dom / © Julia Steinbrecht (KNA)
Liebfrauenkirche und Trierer Dom / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das Bistum Trier ist das älteste in Deutschland. Es erstreckt sich über eine Fläche von 12.870 Quadratkilometern. Im Bistum Trier, das Grenzen zu Frankreich, Luxemburg und Belgien hat, leben etwa 2,5 Millionen Menschen.

Autor/in:
Anna Fries
Quelle:
KNA