Zukunftskongress im Erzbistum Köln will Impulse geben

Wie kann Kirche gestaltet werden?

Am Samstag beginnt im Erzbistum Köln ein Zukunftskongress, auf dem die Reforminitiative Maria 2.0, katholische Verbände und Laien über einen Neubeginn im Erzbistum diskutieren wollen. Spalten will der Kongress nicht.

Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? / © Friso Gentsch (dpa)
Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? / © Friso Gentsch ( dpa )

DOMRADIO.DE: Warum haben Sie sich entschlossen, diesen Kongress zu veranstalten? Was ist Ihr Grundmotiv?

Volker Andres (BDKJ-Diözesanvorsitzender im Erzbistum Köln): Wir haben gemeinsam in verschiedenen Austauschrunden überlegt, wie eigentlich Kirche gestaltet werden kann? Wie kann Kirche gelebt werden? Auch mit den ganzen Fragen und Problemen, die wir vielleicht haben. Wir haben dann gemeinsam mit verschiedenen Verbänden und Initiativen gesagt, dass wir uns ganz konkrete Themen rauspicken wollen, um zu sagen, wie wir Kirche leben und gestalten wollen.

DOMRADIO.DE: An diesem Samstag geht es los. Wie beginnt der Kongress?

Andres: Wir beginnen unter anderem mit einer Vernissage in Sankt Theodor, in Köln-Vingst, wo man sich mit Themen rund um Frauen in der Kirche beschäftigen kann. Aber es gibt auch in Bonn eine Kundgebung.

DOMRADIO.DE: Welcher Themenbereich ist Ihnen besonders wichtig?

Andres: Es gibt einen Themenbereich rund um den Missbrauch, der uns schon länger in der Kirche beschäftigt. Wie gehen wir in der Kirche damit um? Wo gibt es vielleicht Probleme in der Aufarbeitung? Oder auch das Themenfeld "Frauen in der Kirche". Wie können Frauen sich einbringen? Was für Möglichkeiten gibt es? Oder aber das Thema "Demokratie und Partizipation".

DOMRADIO.DE: Wenn man sich die teilnehmenden Initiativen und katholischen Verbände anguckt, so sind das alles Gruppen, die dem Kölner Erzbischof eher kritisch gegenüberstehen. Spaltet so ein Kongress in der jetzigen Situation nicht möglicherweise mehr, als dass er versöhnt?

Andres: Wir wollen mit dem Kongress nicht spalten, sondern wir wollen Potenziale in der Kirche zeigen und auf die Frage antworten, was möglich ist. Wir wollen zeigen, wie wir Kirche gestalten können und das auch mit Beispielen aus anderen Ländern, beispielsweise Gemeindemodellen in der Schweiz.

DOMRADIO.DE: Wie kann eine Zusammenarbeit mit der Bistumsspitze in Kön funktionieren?

Andres: Ich glaube, es geht nicht darum, ob Kardinal Woelki Erzbischof von Köln bleibt oder nicht, sondern es geht eher darum: Wie wollen wir Kirche im 21. Jahrhundert leben? Da geht es nicht um einzelne Personen, sondern um grundsätzliche Fragen, denen wir uns widmen müssen.

DOMRADIO.DE: Ist denn Kardinal Woelki zum Zukunftskongress eingeladen beziehungsweise gibt es auch Äußerungen aus der Bistumsspitze zu diesem Kongress?

Andres: Mir sind keine Äußerungen aus der Bistumsspitze bekannt. Aber grundsätzlich ist jeder, der Interesse an einzelnen oder an allen Themen hat, eingeladen. Natürlich auch Erzbischof Kardinal Woelki.

DOMRADIO.DE: Es sind 17 Veranstaltungen zu nicht gerade einfachen Themen geplant. Dazu zählen zum Beispiel die Aufklärung des sexualisierten Missbrauchs im Erzbistum Köln, die Zukunft der Kirche, die Rolle der Frau und so weiter. Ist es nicht schwierig, das alles irgendwie aufzudröseln?

Andres: Es ist vielleicht schwierig, das alles aufzudröseln. Aber es sind ja unterschiedliche Themen, denen man sich auch einzeln widmen kann. Man muss das ja nicht alles in einen Topf werfen und verwursteln, sondern sich den unterschiedlichen Themenaspekten widmen und sagen: In dem Aspekt Demokratie in der Kirche zum Beispiel, können wir so vorangehen und in dem Aspekt Missbrauch in der Kirche müssen wir andere Ansätze finden. Ich glaube, das muss man nicht alles auf einmal machen, sondern sich Schritt für Schritt den einzelnen Themen, die ja offensichtlich sind, widmen.

DOMRADIO.DE: Wer ist zum Kongress eingeladen?

Andres: Alle Menschen, die Interesse haben, sich mit den Themen der einzelnen Veranstaltungen oder der Zukunft der Kirche im Erzbistum Köln und darüber hinaus auseinanderzusetzen.

DOMRADIO.DE: Wie weit schaut man in die Zukunft?

Andres: Wir wollen zum einen auf das Hier und Jetzt schauen: Was ist jetzt schon möglich? Was können wir jetzt schon ändern in der Kirche? Es stellt sich aber auch die Frage, muss sich künftig strukturell ändern muss. Einen Komplex, den wir uns dabei anschauen, ist der Synodale Weg. Es läuft aber auch die Weltbischofssynode. Aber vielleicht kriegen wir auch aus dem Zukunftskongress Impulse, die wir in die beiden Prozesse einbringen können.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Volker Andres / © Mathias Peter (DR)
Volker Andres / © Mathias Peter ( DR )
Quelle:
DR
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