Wie eine Ärztin aus der Pfalz in Indien auf den Spuren Mutter Theresas hilft

Zwischen Kalkutta und Kirchheim

Mutter Theresa hat Menschen weltweit inspiriert - so auch Sabine Krienke aus Rheinland-Pfalz: Sechs Monate im Jahr arbeitet sie in ihrer Heimat als Klinikärztin, die andere Hälfte des Jahres in Kalkutta - mit Straßenkindern, Patienten und indischen Ärzten.

Autor/in:
Stephen Wolf
 (DR)

Auf den staubigen Plätzen Kalkuttas herrscht zu jeder Jahreszeit geschäftiges Treiben. Kühe, alte Busse und Menschenmassen beherrschen die Szene in der indischen Millionenstadt. Dort hat Sabine Krienke ihr Herz verloren, wie sie sagt. Die 27 Jahre alte Ärztin aus dem pfälzischen Kirchheim hat in Kalkutta in den vergangenen Jahren eine medizinische Hilfsstation für die Ärmsten aufgebaut. Patienten mit Infektionskrankheiten, Knochenbrüchen oder Tumoren werden dort behandelt, die sich normalerweise gar keinen Arzt leisten könnten.

Finanziert werden die Behandlungen aus Spenden. Inspiration und Vorbild für Sabine Krienke ist die 1997 gestorbene Mutter Theresa, die in Kalkutta vor allem Hilfe für Waisen, Kranke und Sterbende organisierte: "Ich war schon als Schülerin von ihrer Lebensweise so fasziniert, dass ich einer ähnliche Tätigkeit nachgehen wollte", erzählt sie.

Noch genießt Sabine Krienke die Ruhe in Kirchheim. Am 11. Februar wird sie das elterliche Haus wieder Richtung Kalkutta verlassen. Wenn sie einige Monate später zurückkehrt, werde sich ihr Körpergewicht voraussichtlich wieder um bis zu fünf Kilogramm verringert haben, vermutet die zierliche Frau. Es ist bereits ihre 18. Indienreise. Mittlerweile spricht sie auch Hindi. Sechs Monate im Jahr arbeitet Sabine Krienke in Rheinland-Pfalz als Klinikärztin, die andere Hälfte des Jahres in Kalkutta - mit Straßenkindern, Patienten und indischen Ärzten.

Erste Reise 2000
Im Jahr 2000 reiste sie zum ersten Mal dorthin. Als Helferin arbeitete sie gemeinsam mit den Ordensschwestern im Kinderhaus - und im Sterbehaus von Mutter Theresa. "Nach acht Wochen wusste ich, dass Kalkutta mir sehr viel mehr bedeutete, als ich mir zuvor vorstellen konnte", erinnert sie sich.

Nach diesem ersten Indienaufenthalt beschließt sie, Medizin zu studieren, um den Armen in der Millionenstadt auf ihre Weise helfen zu können. Bei einem weiteren Indienaufenthalt lernt die Studentin dann Basha kennen. Er ist ebenfalls Medizinstudent und Sohn einer wohlhabenden indischen Familie. Die beiden verbindet fortan eine tiefe Freundschaft, die darin gipfelt, dass beide beginnen, in einer kleinen Praxis die Armen zu behandeln.

Außerdem lernte die heute 27-Jährige Straßenkinder kennen, mit denen sie sich anfreundet und für die sie zunächst sorgt. "Sie berühren mich mit ihrer Art zu leben bis zum heutigen Tag", sagt die Medizinerin. In einem kleinen Haus, das sie extra gemietet hat, leben heute mehr als 20 Kinder und Jugendliche, die von der Straße kommen. Sie organisieren den Haushalt eigenständig und unterstützen Krienke und ihren indischen Kollegen bei den Behandlungen, verbinden etwa Wunden der Patienten, legen Infusionsnadeln oder besorgen Medikamente.

Stolze und besorgte Eltern
Vieles, was in der Praxis in Kalkutta gebraucht wird, bringt Sabine Krienke aus Deutschland mit. Im Flur des elterlichen Hauses in Kirchheim stapeln sich derzeit Kartons mit Babynahrung, die ein großes Unternehmen gespendet hat. Wenn Sabine Krienke in der Heimat ist, sammelt sie Spenden und wirbt auch bei Unternehmen für ihr Projekt, die Kalkuttahilfe. Insgesamt 130 000 Euro an Spenden hat der mittlerweile 50 Mitglieder zählende Verein bislang gesammelt.

Vater Martin Krienke unterstützt seine Tochter so gut er kann, macht sich aber auch Sorgen: "Manchmal fürchte ich, dass sie sich zu viel aufbürdet", sagt der 56 Jahre alte Diplomingenieur. Doch seine Tochter weiß, dass die Zeit zu Hause nicht nur wichtig zum Spendensammeln ist. "Ich bin auch froh, dass ich hier die Zeit finde, um das in Indien Erlebte zu verarbeiten", sagt die 27-Jährige.

In Indien sei sie ständig von Armut, Krankheit und Tod umgeben, erzählt sie. Dennoch gäben ihr die Menschen alles, was sie für ein glückliches Leben benötige: "Wie tapfer viele Inder ihr Leid tragen, das können wir von ihnen lernen."