Unter den Referenten und Besuchern des Kongresses stammen viele aus der charismatischen Bewegung. Sie sind davon überzeugt, dass die Kraft des Heiligen Geistes bis heute unter den Nachfolgern Jesu wirksam sei. Angehörige freikirchlicher Organisationen sind ebenso angereist wie Mitglieder der verfassten evangelischen und katholischen Kirche.
"Der Glaube ist keine Alternative zu Medikamenten", warnt der amerikanische Mediziner Dale A. Matthews, der dennoch von der "heilenden Kraft des Glaubens" überzeugt ist. Viele Patienten, so erklärt er in einem Vortrag, wollten mit ihrem Arzt nicht nur über ihre körperlichen, sondern auch über ihre seelischen Nöte sprechen.
Daher seien gerade christliche Ärzte gehalten, diese Patienten daraufhin anzusprechen.
"Heilung können wir nicht einfach abrufen, wir haben kein Recht darauf", warnt vor zu großer Euphorie, der freikirchliche Pastor Heinrich Christian Rust, der in seiner Gemeinde in Braunschweig regelmäßig "Heilungsgottesdienste" anbietet. Zwar habe er dabei schon viele Heilungen erlebt, die auch dauerhaft blieben, doch ebenso viele Fälle, in denen die Besserung ausblieb. "Ich bin über jede Heilung überrascht", sagt er.
"Wir sind erst am Anfang einer Entwicklung"
Dieter Keucher weist darauf hin, dass es nach wie vor eine weit verbreitete Skepsis gebe: "Manche halten den Begriff Heilungsgottesdienst für anstößig". Deshalb wähle er lieber die Bezeichnung "Segnungsgottesdienst". Doch immer mehr Pfarrer machten gute Erfahrungen mit solchen Veranstaltungen, in denen besonders für Kranke gebetet werde. "Wir sind erst am Anfang einer Entwicklung", zeigt sich Keucher von der wachsenden Bedeutung des Themas überzeugt.
Einig scheinen sich die Kongressteilnehmer darin zu sein, dass Glaube eine gute Medizin sei. Matthews untermauert dies in seinem Vortrag mit unzähligen Statistiken und Forschungsergebnissen.
Gottesdienstbesucher werden im Schnitt 82 Jahre alt, Menschen, die nicht in die Kirche gehen, nur 75, so seine Quintessenz. "Allerdings verbringen die Christen diese zusätzlichen sieben Jahre ihres Lebens in der Kirche", schließt er augenzwinkernd.
Von Christian Prüfer (epd)
Wie ein Gesundheitskongress Bezüge zwischen Glaube und Medizin sucht
Nie ohne Salböl
"Ich habe immer ein Fläschchen Salböl in meiner Tasche für den Notfall dabei", bekennt der evangelische Pfarrer Dieter Keucher aus Halle. Mit dem Öl salbt er auf Wunsch Menschen, die ihn um ein Gebet zur Gesundung bitten. Keucher, zugleich Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche, zählt zu den Referenten des ersten Christlichen Gesundheitskongresses, der noch bis diesen Samstag in Kassel tagt.
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