Wie der Vatikan über die Jugendsynode informiert

Zwischen Vertraulichkeit und Offenheit

Wie berät man konstruktiv-vertrauensvoll und informiert gleichzeitig die interessierte Öffentlichkeit? Die derzeit im Vatikan tagende Bischofssynode hat dafür eigene Verfahren. Für die Medien gelten besondere Regeln.

 (DR)

Wirklich öffentlich sind bei der derzeit tagenden Weltbischofssynode zum Thema Jugend im Vatikan nur Eröffnungs- und Abschlussgottesdienst, die Eröffnungssitzung mit dem Papst sowie die Gebete zu Beginn jeder Sitzung am Vor- und am Nachmittag. Danach müssen Journalisten die Synodenaula verlassen. "Leider" sagen Medienvertreter, "gut so" wohl die meisten Synodenteilnehmer.

Wenn jemand vorsichtig erste Ideen formuliert, wenn zwei oder mehr debattieren, sich gar streiten, wollen sie das nicht gleich im nächsten Blog, Tweet oder in der Zeitung lesen. Auch die nach Sprachen sortierten Kleingruppen der bis zum 28. Oktober dauernden Synode sind vertraulich. Aus diesen oder dem Plenum berichten dürfen Teilnehmer nur, was sie selbst geäußert haben oder ihren Eindruck.

Nichts zu Beiträgen anderer; die wären dazu selbst zu befragen.

Jeweils drei Synodenteilnehmer schildern ihre Eindrücke

Das vatikanische Presseamt organisiert tägliche Briefings. Dort fasst der neue Medienchef des Vatikan, der langjährige Fernsehjournalist Paolo Ruffini, die Themen der vorangegangenen Sitzung zusammen. Anders als bei früheren Synoden wird nicht mehr gesagt, wer genau sich zu einem Thema wie geäußert hat. Allenfalls eine Namensliste der Redebeiträge im Plenum gibt es - in alphabetischer Reihenfolge.

Außerdem bringen Ruffini und Pressesprecher Greg Burke jeweils drei Synodenteilnehmer - Bischöfe, Gasthörer oder externe Experten - mit in den Pressesaal. Diese schildern ihre Eindrücke und können von Journalisten befragt werden. Ausgesucht werden sie jeweils von dem für Medienarbeit zuständigen Team des Vatikan anhand von Themen, Region und jeweiligem Hintergrund. Mitarbeiter des Vatikan-Teams besuchen auch die Kleingruppen, um dort Eindrücke zu sammeln und diese gebündelt über Ruffini der Presse mitzuteilen.

Zusätzlich zu den Briefings, die live auf vaticannews.va gestreamt werden, gibt es ein bis zwei ausführlichere Pressekonferenzen pro Woche. Im vatikanischen Presseamt liegen zudem Redeskripte der Beiträge von Gasthörern aus. Soweit das Angebot des Vatikan.

Papst ändert Redetext manchmal spontan

Unter den Bischöfen gibt es Teilnehmer, die ihre Beiträge entweder selbst verteilen (lassen), oder deren Texte anderweitig bekanntwerden. Laut den Synodenregeln ist das erlaubt. Journalisten sollten allerdings sicherstellen, dass der geschriebene Text tatsächlich dem gesprochenen Wort entspricht - denn das ist es, was zählt. Zitiert der Reporter aus dem Manuskript einen Satz, den der Redner zuvor gestrichen hat, etwa weil sein Beitrag zu lang war - maximal vier Minuten sind erlaubt -, stehen beide dumm da.

Auch Papst Franziskus weicht hin und wieder vom vorbereiteten Text ab. Abseits der Synode ist dem Vatikan dabei erst jüngst ein Fehler unterlaufen: Nach der Ansprache des Papstes vor rund 700 Eheberatern in der Lateranbasilika teilte das Presseamt mit, der wie üblich zuvor verteilte Redetext sei unverändert gehalten worden. Über Teilnehmer der Veranstaltung sickerte jedoch durch, dass Franziskus einige Passagen spontan eingefügt hatte, die dann auch bekannt wurden.

Immer ist jedoch Vorsicht geboten

Zurück zur Synode. Um sich über das dortige Geschehen zu informieren, können Journalisten natürlich auch Gespräche mit Teilnehmern oder Mitarbeitern führen. Manches, was dabei thematisiert wird, ist belanglos, anderes interessant, hin und wieder brisant. Immer ist jedoch Vorsicht geboten: Wie in Politik oder Wirtschaft gibt es auch in der Kirche Personen, die Informationen nach außen lancieren, um im Inneren ihre Ziele zu erreichen.

Ein Thema der Jugendsynode ist das Leben in der digitalen Welt. Wie gut junge Leute damit umzugehen wissen, belegen etliche Tweets, Blogs und andere Internetangebote, auf denen jugendliche Teilnehmer oder Mitarbeiter aus Verbänden wie dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) oder der Katholischen Jugend Österreich über die Synode informieren.

Zu wünschen übrig lässt hingegen die deutschsprachige Fassung der offiziellen Vatikanseite (www.synod2018.va (www.synod2018.va)), die seit der Vorsynode im März nicht mehr aktualisiert worden zu sein scheint. Dafür bietet das offizielle Portal Vatican News auf Deutsch einen Blog zur Synode. Autor ist der Jesuit Clemens Blattert aus Frankfurt am Main, der als externer Experte an der Synode teilnimmt.

Von Roland Juchem

Synodenteilnehmer beim Gebet / © Vatican Media (KNA)
Synodenteilnehmer beim Gebet / © Vatican Media ( KNA )
Quelle:
KNA