Westerfellhaus beendet Amtszeit als Präsident des Pflegerates

Abschied aus dem "Haifischbecken"

Mehr Selbstbewusstsein, mehr Selbstbestimmung: Das waren die Ziele von Andreas Westerfellhaus für die professionell Pflegenden. Nach acht Jahren endet seine Amtszeit als Präsident des Deutschen Pflegerates an diesem Freitag.

Andreas Westerfellhaus / © Markus Nowak (KNA)
Andreas Westerfellhaus / © Markus Nowak ( KNA )

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat angekündigt, eine bessere Pflege alter Menschen zum zentralen Thema der nächsten Wahlperiode zu machen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Wenige Tage vor der Bundestagswahl entwickelt sich die Pflege zu einem zentralen Wahlkampfthema.

Ehrenamt mit Gewicht

Das ist Wasser auf die Mühlen von Andreas Westerfellhaus. Seit 2009 hat der 61-jährige Westfale als Präsident des Deutschen Pflegerats dafür gekämpft, den professionell Pflegenden eine stärkere Stimme in Politik und Gesellschaft zu geben. Nach zwei Amtszeiten muss der gelernte Krankenpfleger aus Rheda-Wiedenbrück dieses Amt jetzt allerdings abgeben. An diesem Freitag wählt der Pflegerat, der die Interessen von mehr als einer Million Pflegekräften und Hebammen vertritt, eine neue Führungsspitze.

Präsident des Pflegerats, das ist ein Ehrenamt, das 30 bis 40 Wochenstunden beansprucht. Und das der Vater von drei Kindern zusätzlich zu seinem Brotberuf als Geschäftsführer der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen in Gütersloh ausgefüllt hat.

Haifischbecken Gesundheitssystem

Der begeisterte Bergwanderer bezeichnet sich als Optimisten - der allerdings im Haifischbecken Gesundheitssystem mit vielen Widerständen zurecht kommen musste. "Es lohnt sich, für diesen Beruf zu kämpfen", versichert er. Und das nimmt man ihm, der - nach Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst - den Beruf von der Pike auf lernte, auch ab.

Westerfellhaus' Mission war es, der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen mehr politischen Einfluss und mehr Selbstbestimmung zu verschaffen. "Man redet nicht mit uns, sondern über uns", hat er lange beklagt. Das hat sich mittlerweile geändert: "Pflege ist das wichtigste gesundheitspolitische Thema in diesem Jahrzehnt", sagt Westerfellhaus heute. "Wir haben eine Aufmerksamkeit wie noch nie."

Denn in Krankenhäusern und Altenheimen ist vom drohenden Pflegenotstand die Rede. Mehr als 2,8 Millionen Bundesbürger sind derzeit auf Leistungen der Pflegeversicherung angewiesen. Bis 2050 könnten es rund 4,5 Millionen sein. Auch die Krankenhäuser erwarten angesichts des demografischen Wandels steigende Patientenzahlen.

Reform der Pflegeversicherung

"Die zentrale Frage ist doch: Wer soll die dringend notwendigen Leistungen erbringen?", beschreibt Westerfellhaus das Problem. Die Reformen der Pflegeversicherung drohten angesichts des Fachkräftemangels ins Leere zu laufen, warnt er. Die Pflegenden stünden vor dem Kollaps. "Die Politik hat die Leistungsträger vergessen."

Attraktivere Bezahlung, Aufstiegsmöglichkeiten, Mindestpersonalgrenzen, weniger Leistungsdruck und mehr Kompetenzen gegenüber den ärztlichen Berufen, so lauten seine Forderungen. Ein wichtiger Hebel sollte auch die Ausbildungsreform der Pflegeberufe sein. Ziel des Pflegerates, aber auch der Bundesregierung war eine gemeinsame Ausbildung in Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege.

Auf den letzten Metern beschloss der Bundestag im Juni einen Kompromiss, der allerdings niemanden so recht glücklich macht.

Deutschen Pflegetag etabliert

Doch Westerfellhaus will mehr. Die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen müsse sich selbst verwalten können und mehr Selbstbewusstsein entwickeln, fordert er. Nach seinen Worten sind es starke Lobbygruppen, die den Einfluss klein halten wollen: Ärzte, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände. Dennoch setzt Westerfellhaus auf Kooperation: "Die Berufsgruppen im Gesundheitswesen müssen gemeinsam Leistungsträger sein", sagt er. "Das Wir muss im Vordergrund stehen."

In den vergangenen Jahren hat Westerfellhaus den Deutschen Pflegetag als eigenständiges jährliches Branchentreffen in Berlin etabliert.

Die Gründung von Landespflegekammern und einer Bundespflegekammer hat er mit viel Energie und Ungeduld betrieben - das Bohren dicker Bretter beherrscht er.

Das Ende seiner Amtszeit sieht er mit Wehmut. Die Netzwerke, die er sich in der Gesundheitspolitik und der Gesundheitswirtschaft aufgebaut hat, funktionieren nach seinem Eindruck mittlerweile hervorragend. "Ich habe großes Interesse, mich weiter in der Gesundheits- und Pflegepolitik zu engagieren", betont er. "Zu Hause bleiben und Rasenmähen ist nichts für mich."

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA