Werben der Ditib um Neuanfang stößt bei Politikern auf Skepsis

"Politischer Außenposten der türkischen Regierung"

Der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib wirbt für einen Neuanfang im Verhältnis zur deutschen Öffentlichkeit. Bundesinnenminister Seehofer will mit der Ditib im Gespräch bleiben. Gleichzeitig zeigten sich Oppositionspolitiker skeptisch.

Relief mit einem der Namen Allahs im Gebetssaals in der Ditib-Zentralmoschee in Köln / © Harald Oppitz (KNA)
Relief mit einem der Namen Allahs im Gebetssaals in der Ditib-Zentralmoschee in Köln / © Harald Oppitz ( KNA )

"Wir wollen die Probleme der Vergangenheit hinter uns lassen", sagte der Vorsitzende Kazim Türkmen am Mittwoch in Köln bei der ersten Pressekonferenz des seit 4. Januar amtierenden Vorstands. Ende 2016 war bekannt geworden, dass Ditib-Imane in deutschen Moscheen türkische Regimegegner ausspioniert hatten. Seither steht der Verband immer wieder in der Kritik, zuletzt wegen eines zu Jahresbeginn vom türkischen Religionsamt Diyanet organisierten europäischen Islamkongresses, bei dem unter anderen Mitglieder der radikalen Muslimbruderschaft zugegen waren.

Ditib spricht von Brückenfunktion

Türkmen räumte Versäumnisse im Krisenmanagement ein. Zugleich beklagte er, dass die "Brückenfunktion" des Verbandes zwischen den in Deutschland lebenden Muslimen und der übrigen Gesellschaft zu wenig wahrgenommen werde. "Die letzten Jahre waren für die Ditib insgesamt sehr arbeitsintensiv." Türkmen kündigte an, dass die Ditib sich weiter um eine Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts und als Religionsgemeinschaft bemühen wolle. Ein Ziel sei die Mitwirkung der Ditib an einem verfassungskonformen islamischen Religionsunterricht.

Dafür sind die Landesregierungen zuständig. Eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen Landesregierung bestätigte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass eine entsprechende Prüfung laufe. Derzeit sei ein "religionssoziologisches Gutachten" in Arbeit. Die Kooperationsvereinbarung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes mit den islamischen Verbänden für den muslimischen Religionsunterricht endet am 31. Juli. Danach muss ein neues Modell gefunden werden.

Opposition weiterhin kritisch gegenüber Ditib

Das Bundesinnenministerium kündigte an, den Dialog mit der Ditib fortzuführen. Wie Sprecherin Eleonore Petermann in Berlin mitteilte, sieht Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die strukturelle, personelle und finanzielle Anbindung von Ditib an das türkische Religionsamt "durchaus kritisch". Der Minister wolle jedoch den "Gesprächsfaden unbedingt erhalten".

Vertreter der Opposition zeigten sich enttäuscht. Die Zusammensetzung des neuen Vorstands lasse keinen großen Willen erkennen, in Zukunft unabhängige Strukturen aufzubauen, so die migrationspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Filiz Polat. Ähnlich äußerte sich die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion, Sevim Dagdelen. Ditib sei keine Religionsgemeinschaft, sondern "ein politischer Außenposten der türkischen Regierung in Deutschland".

Beck: Besorgniserregende Entwicklung

Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck bezeichnete die verstärkte Einflussnahme auf die Muslime in Deutschland und Europa als "besorgniserregende Entwicklung". Die Religionsbehörde in Ankara wolle in Europa die bestimmende muslimische Kraft sein und versuche, auch radikale Kräfte wie die Muslimbrüder, Milli Görüs und die Grauen Wölfe hinter sich zu bringen, sagte er der Zeitung "Die Tagespost". Erdogan fühle sich den Muslimbrüdern "ideologisch verbunden".

Türkmen ist Botschaftsrat für religiöse Angelegenheiten an der türkischen Vertretung in Berlin. Sein Amt als Ditib-Vorsitzender übt er eigenen Angaben zufolge ehrenamtlich aus. Zu dem aus sieben Mitgliedern bestehenden Ditib-Vorstand gehört auch Ahmet Dilek, der als Religionsattache in Köln die Dossiers über Oppositionelle an die Regierung weitergeleitet haben soll.

 

Vorstand der Ditib (v.l.n.r.: Türkmen, Dilek u. Secmez) / © Oliver Berg (dpa)
Vorstand der Ditib (v.l.n.r.: Türkmen, Dilek u. Secmez) / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
KNA
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