Malawis neuer Präsident weckt Hoffnung auf Besserung

Wer ist der "Mann Gottes im Staatspalast"?

An diesem Dienstag ist der Welttag der Demokratie. Anders als in vielen Ländern Afrikas gibt es in Malawi tatsächlich etwas zu feiern. Das arme Land zeigte seinen Nachbarn erst kürzlich, wie Demokratie funktioniert.

Autor/in:
Markus Schönherr
Lazarus Chakwera / © Thoko Chikondi/AP (dpa)
Lazarus Chakwera / © Thoko Chikondi/AP ( dpa )

In der Bibel wurde Lazarus von den Toten auferweckt - in Malawi aus der politischen Bedeutungslosigkeit. Während die Rolle des Erweckers in der Bibel Jesus zukam, war es in dem südafrikanischen Staat ein Richter. Diese und ähnliche Vergleiche mit seinem Namensvetter begleiteten die ersten Amtswochen von Malawis neuem Präsidenten, nachdem er den ungewöhnlichsten Wahlsieg in der Geschichte des Landes errungen hatte. Stören dürfte ihn der Vergleich aber kaum. Schließlich ist Lazarus Chakwera Theologe und Pastor. Kann er einem der ärmsten Staaten der Welt die erhoffte Entwicklung bringen?

Theologe und Pastor

Das Priesteramt war ihm quasi in die Wiege gelegt: 1955 als Sohn eines Predigers geboren, wuchs Chakwera in einem Dorf außerhalb der malawischen Hauptstadt Lilongwe auf. In seiner Heimat, Südafrika und den USA studierte er Philosophie und Theologie. Als Pastor leitete er 24 Jahre lang die Malawi Assemblies of God. Die Pfingstkirche ist eine der größten Glaubensgemeinschaften des Landes.

2013 trat Chakwera der Malawi Congress Party bei, der Partei des Landesvaters Hastings Banda. Nach einer erfolglosen Kandidatur 2014 konnte Chakwera nun im Juni die Präsidentschaftswahl für sich entscheiden - das ganze jedoch erst nach einem Streit, der Malawi beinahe ins Chaos gestürzt hätte.

Erfolg bei Wiederholung der Wahlen

Wie zuvor schon sein Bruder regierte Chakweras Vorgänger Peter Mutharika (80), ohne dem Land ein herausragendes Erbe zu hinterlassen. Im Mai 2019 hatte Mutharika in einem engen Rennen mit Chakwera eine zweite Amtszeit errungen. Die Opposition weigerte sich aber angesichts einiger Unregelmäßigkeiten, den Sieg anzuerkennen.

Die Richter gaben dem Herausforderer Recht und ordneten eine Wiederholung der Wahlen an, die Chakwera mit 58 Prozent für sich entschied. Beobachter sprechen von einem "Sieg für die Demokratie" in Afrika; so auch Chakwera selbst: "Was wir hier erlebten, war eine ausdauernde Stimme für die Festigung unserer Demokratie, nicht nur im Gerichtssaal, auch auf den Straßen", sagte der gewählte Präsident der Zeitschrift "New African". "Es ist wirklich so, als wäre ich von den Toten auferstanden."

"Mann Gottes im Staatspalast"

Die Politik-Zeitschrift bezeichnet Chakwera als "Mann Gottes im Staatspalast". Religion wird sich wohl auch auf seine Regierungsführung auswirken. "Ich kann mich nicht von etwas trennen, das mein ganzes Leben beeinflusst hat", so der 65-Jährige. Allerdings sei die Präsidentschaft für ihn ohnehin "wie ein Pfarramt, nur in etwas anderer Form".

Dass er seinen Glauben über sein Amt stellen würde, weist Chakwera zurück. So beispielsweise in der Frage, wie er als Geistlicher mit der Vollstreckung einer Todesstrafe umgehen wolle. "Als Präsident habe ich geschworen, mich an die Verfassung zu halten. Daher werden es die Institutionen und das Grundgesetz sein, die das Urteil sprechen - und nicht ich."

Wie geht es weiter?

An Visionen mangelt es dem Quereinsteiger jedenfalls nicht - weshalb die BBC Chakwera mit Martin Luther King verglich. Trotz der Corona-Pandemie wolle er eine Million Jobs schaffen, die Korruption seiner Vorgänger beenden, die lokale Industrie stärken, den Hunger bekämpfen; eben ein Anführer sein, "der dient, nicht dem gedient wird". Einen solchen hätte Malawi bitternötig. Vielerorts mangelt es schon am Grundlegenden. 38 Prozent der Erwachsenen können nicht lesen und schreiben; mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben in extremer Armut.

Nach knapp drei Monaten im Amt fällt Chakweras Bilanz gemischt aus. Für Schlagzeilen sorgte er, als er im September einen Armeekommandanten wiedereinstellte, den sein Vorgänger entlassen hatte, weil er regimekritische Demonstranten beschützt hatte. Es gelte, "Wunden zu heilen", so Chakwera. Kurz zuvor wurde er jedoch heftig für die Zusammenstellung seines Kabinetts kritisiert. Söhne, Ehepartner und vernetzte Geschäftsleute wurden zu Ministern ernannt.

Für die Malawier bleibt der frühere Oppositionsführer vorerst ein Hoffnungsträger. Aber das waren schon viele afrikanische Präsidenten vor ihm, ehe sie sich als Tyrannen und Autokraten offenbarten. Für den Kirchenmann Chakwera gilt es, ihre Fehler zu vermeiden.


Quelle:
KNA