Cavalli schrieb absurde Opern und zugleich Messvertonungen

Wenn Karneval und Kirchenmusik perfekt passen

Er war im Hauptberuf eigentlich Organist an Venedigs bekanntem Markusdom – doch berühmt wurde Francesco Cavalli im 17. Jahrhundert durch seine Opern. Während des Karnevals strömten die Menschen begeistert in die Opernhäuser.

Blick in den Markusdom in Venedig / © Andreas Zerndl (shutterstock)
Blick in den Markusdom in Venedig / © Andreas Zerndl ( shutterstock )

Der venezianische Komponist Francesco Cavalli galt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als äußerst modern, der Schüler des legendären Claudio Monteverdi trieb die musikalische Entwicklung der Musik – vor allem in der Oper – immer weiter voran.

Bahnbrechender Stilwechsel

Der Sologesang mit Begleitung, das konzertierende Element und die Dimension des individuellen Textausdruckes, die Affektgestaltung ersetzen schon Jahre zuvor die polyphone Gleichbehandlung der Stimmen wie dies zu Palestrinas Zeiten noch der Fall gewesen war. Diese alte Technik wurde prima prattica genannt, der neue Stil, der vor allem in der Oper aber auch mehr und mehr in der Kirchenmusik eingesetzt wurde, seconda prattica. Doch auch die veränderte sich im Laufe der Zeit. Behutsam entwickelte Cavalli den Stil seines Lehrers und Opernpionieres Claudio Monteverdi weiter und hatte mit seinen Opernkompositionen große Erfolge. Mehr als vierzig schrieb er und viele davon wurden begeistert in ganz Italien, oder auch Städten wie Paris oder Wien aufgenommen. Viele Opern schrieb er eigens für den Karneval in Venedig.

Opern wurden für den Karneval geschrieben

Und der war schon damals ein Anziehungspunkt für viele Menschen aus ganz Europa. Während der Karnevalssaison kamen mehr als 60 000 Menschen in die Lagunenstadt. Cavallis Opern, meist heiter und mehr Komödie als Drama, wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen. Die Oper Giasone von 1649 wurde 40 Jahre lang unverändert in diversen italienischen Städten aufgeführt, für die damalige Zeit ein einmaliger Erfolg. Cavalli war fraglos der führende Opernkomponist seiner Zeit .

Gleicher Stil bei Kirchen- wie Opernmusik

Mit dem Schreiben von geistlicher Musik hörte er aber nie auf, zudem hatte er musikalische Spitzenpositionen innerhalb der Kirche inne. 1668 wurde er maestro di cappella von San Marco – eine Position, die sein Lehrmeister Monteverdi vor Jahrzehnten inne gehabt hatte. Vor allem gegen Ende seines Lebens schrieb Cavalli geistliche Musik.

Ein Beispiel für die seconda prattiva in der Kirchenmusik ist die Messa concertata von Francesco Cavalli für acht Stimmen. Er veröffentlichte sie 1656, vermutlich entstand sie aber schon einige Jahre früher.

Weiteres Programm in Musica ab 20 Uhr:

Mozart: Violinkonzert Nr. 1 B-Dur KV 207

Mendelssohn Bartholdy: "Schottische" Sinfonie

Venedig - Kulturmetropole seit Jahrhunderten / © St.Q.
Venedig - Kulturmetropole seit Jahrhunderten / © St.Q.
Quelle:
DR