Weltweit beten viele Menschen gemeinsam mit Papst Leo XIV.

Papst fleht um Frieden in "dramatischer Stunde der Geschichte"

Während sich die USA, Israel, der Iran und Pakistan offenbar auf Verhandlungen zur Beendigung des aktuellen Kriegs vorbereiten, betet Papst Leo XIV. im Petersdom für den Frieden – und viele Menschen weltweit beten mit ihm.

Autor/in:
Sabine Kleyboldt
Papst Leo XIV. winkt beim Angelus-Gebet am Fenster des Apostolischen Palastes am 1. Februar 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. winkt beim Angelus-Gebet am Fenster des Apostolischen Palastes am 1. Februar 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Mit dramatischen Worten hat Leo XIV. die Staats- und Regierungschefs zur Beendigung der Kriege in Nahost und weltweit aufgefordert. "Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!", rief er ihnen am Samstagabend im Petersdom zu. "Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung, nicht an die Tische, an denen die Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen werden!", so der Papst beim Friedensgebet vor rund 8.000 Menschen in der Basilika.

Bereits "ein Fünkchen Glaube" genüge, um gemeinsam als Menschheit "dieser dramatischen Stunde der Geschichte zu begegnen", betonte er. Das Gleichgewicht in der Menschheitsfamilie sei schwer erschüttert. Sogar der heilige Name Gottes werde "für Todesreden" herangezogen. Zuletzt hatte der Papst betont, dass Gott keine Konflikte segne und Christen nicht auf der Seite derer stehen könnten, "die Bomben abwerfen".

Schluss mit der Selbstsucht

"Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes!", rief der Papst bei der Gebetswache im Petersdom aus. "Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!" Wahre Stärke zeige sich im Dienst am Leben. Auch zitierte er Worte von Johannes Paul II. (1978-2005) während des Irakkriegs 2003: "Ich gehöre zu jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg erlebt und überlebt hat. Ich habe die Pflicht, allen jungen Menschen, allen Jüngeren, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, zu sagen: 'Nie wieder Krieg!'" Weiter sagte er: "Diesen so aktuellen Appell mache ich mir heute Abend zu eigen."

Auch wenn die Regierenden eine nicht delegierbare Verantwortung trügen, so sei doch die "riesige Menge, die den Krieg ablehnt", ebenso wie Gemeinden und Zivilorganisationen, zum tatkräftigen Einsatz für den Frieden aufgerufen. "Vereinen wir also die moralische und geistliche Kraft von Millionen, ja Milliarden von Männern und Frauen, von Alten und Jungen, die heute an den Frieden glauben, die sich heute für den Frieden entscheiden, die die Wunden heilen und die Schäden beheben, die der Wahnsinn des Krieges hinterlassen hat".

Glaube an gute Politik

Dabei erinnerte er insbesondere an das Schicksal von Kindern in Konfliktgebieten, von denen er viele Briefe erhalte. "Wenn man sie liest, erkennt man angesichts ihrer Unschuld das ganze Grauen und die Unmenschlichkeit von Taten, mit denen sich manche Erwachsene stolz brüsten", kritisierte Leo XIV. "Lasst uns wieder an die Liebe, an Mäßigung und an gute Politik glauben. Bilden wir uns entsprechend und bringen wir uns persönlich ein, jeder entsprechend seiner Berufung", appellierte der Papst. "Möge der Wahnsinn des Krieges ein Ende finden", schloss Leo XIV.

Bei der gut einstündigen Feier im Petersdom wurde der Rosenkranz gebetet, ein traditionelles katholisches Mariengebet. Seiner Initiative zum Gebet für den Frieden parallel zu den Verhandlungen für ein Ende des Irankriegs hatten sich weltweit zahlreiche Kirchen und Organisationen angeschlossen.

Brasilien mit Gebetswache seiner Zeit voraus

In Brasiliens Metropole Rio de Janeiro hatten bereits Menschen rund um die berühmte Christusstatue eine ganze Nacht lang für Frieden gebetet. Mit dem neunstündigen Gebet folge man dem an Ostern erfolgten Aufruf von Papst Leo, erklärte die Verwaltung des weltbekannten Baudenkmals.

Swjatoslaw Schewtschuk (l.), Großerzbischof von Kiew (Ukraine) und Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, begrüßt Papst Leo XIV. beim Treffen von Vertretern der katholischen Ostkirchen / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Swjatoslaw Schewtschuk (l.), Großerzbischof von Kiew (Ukraine) und Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, begrüßt Papst Leo XIV. beim Treffen von Vertretern der katholischen Ostkirchen / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Auch die Menschen in der Ukraine schließen sich der Friedenswache an, so das Oberhaupt der dortigen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, gegenüber Vatikanmedien. Für die Ukraine, die erst an diesem Sonntag das Osterfest begeht, sei es bereits das fünfte seit Beginn der russischen Invasion, sagte der Geistliche. Umso wichtiger sei es, für ein Ende der Kampfhandlungen zu beten.

Argentinien, Kolumbien, Libanon

In Argentinien rief die Bischofskonferenz Gemeinden und Familien auf, Gebetszeiten zu fördern, "um den Herrn um ein Ende der Konflikte und die Gnade eines echten Dialogs zwischen den Nationen zu bitten". Auch in Kolumbien bekräftigte die Bischofskonferenz den Appell des Papstes. Jede Anstrengung zum Frieden sei wertvoll, besonders wenn sie einem Volk entspringe, das sich nach Versöhnung und Frieden sehnt, heißt es in der Botschaft der Bischöfe mit Bezug auf den Libanon.

Kardinal Bechara Boutros Rai / © Cristian Gennari (KNA)
Kardinal Bechara Boutros Rai / © Cristian Gennari ( KNA )

Im Libanon selbst verfasste der maronitische Kardinal Bechara Boutros Rai ein Rundschreiben an die Gläubigen. In einer von Kriegen, Konflikten und Leid geprägten Welt sei die Kirche mehr denn je aufgerufen, "eine Stimme des Gebets und der Hoffnung, ein Zeugnis des Glaubens angesichts von Gewalt, Spaltung und Verzweiflung" zu sein, schrieb er an Priester, Ordensleute und Gläubige der maronitischen Kirche im Libanon, den Papst Leo XIV. Anfang Dezember besucht hatte.

Italien und Deutschland

In ganz Italien hatten sich zahlreiche Diözesen dem Aufruf des Papstes angeschlossen und Initiativen und Gebetszeiten organisiert. Unter anderem wird der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, in seiner Bischofskirche in Bologna um 19.30 Uhr ein Abendgebet für den Frieden leiten.

Kardinal Matteo Zuppi / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Matteo Zuppi / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

In Deutschland schlossen sich laut Informationen der Deutschen Bischofskonferenz mehrere Bistümer dem Friedensgebet an. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bat die Gläubigen im Erzbistum, sich dem Aufruf des Papstes anzuschließen. "Es ist wichtig, dass wir den leidgeprüften Menschen im Libanon unsere Solidarität zeigen. Die täglichen Berichte über Gewalt, Zerstörung und das Leid unschuldiger Menschen erschüttern mich immer wieder zutiefst", erklärte Woelki.

Im Hamburger Mariendom werde das Friedensgebet in der Vorabendmesse aufgegriffen, teilte das Erzbistum in den Sozialen Medien mit und lud zum Mitbeten zu Hause, im Gottesdienst, im Stream oder den Kommentarspalten auf.

Readktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wurde um 19:17 Uhr aktualisiert.

Quelle:
KNA