Weihbischof Schwaderlapp ermutigt zu Vergebung und Neuanfang

"Geben wir niemals auf"

In seiner Sonntagspredigt hat der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp ermutigt, sich in der Vergebung zu üben und immer wieder neu anzufangen. "Geben wir niemals auf - weder uns selbst, noch andere", appellierte Schwaderlapp.

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp / © Angelika Zinzow (KNA)
Weihbischof Dominikus Schwaderlapp / © Angelika Zinzow ( KNA )

Weihbischof Schwaderlapp berichtete kurz vom Weltjugendtag in Lissabon, an dem er teilgenommen habe und der ihn sehr berührt habe. Auch der Marsch für das Leben am Wochenende in Köln habe ihn ermutigt. In unserem Leben erlebe man jedoch nicht nur Ermutigendes, sondern auch Hass und Ablehnung. "Unsere Aufgabe ist es, uns nicht damit abzufinden", so Schwaderlapp.

Wie könne das gelingen? Das Evangelium gebe uns einen Schlüssel an die Hand: die Vergebung. Siebzigmal siebenmal sollten wir vergeben, sage Jesus. Es gehe um Erkenntnis, Vergebung, Neuanfang.

"Immer wieder neu anfangen" 

Erkenntnis bedeute, die Demut zu haben, zu erkennen, wie es um uns stehe. Die Barmherzigkeit Gottes öffne dafür den Blick. Danach komme die Vergebung. Im Evangelium bitte der Knecht seinen König, ihm mehr Zeit zu schenken, um seine Schuld zurückzuzahlen. Doch der König nimmt daraufhin die ganze Schuld auf sich, sein Knecht muss nichts zurückzahlen. Diese Gnade werde in jeder Beichte gewährt - "Welches Geschenk", ruft Schwaderlapp aus.

Dieses Geschenk werde zum Auftrag. Man müsse niemanden umarmen, der einem Böses getan hat. "Vergebung hat nichts mit Gefühl zu tun", meint Schwaderlapp. Es gehe vielmehr darum, nicht danach zu trachten, es dem anderen heimzuzahlen. "Vergebung bedeutet, das, was wir von Gott empfangen haben, weiterzutragen". Das können wir jedoch nicht aus uns selbst heraus. Der Wille zum Neuanfang müsse in uns sein. Die Beichte sei dabei kein Blick zurück, sondern nach vorn.

Weihbischof Schwaderlapp schloss seine Predigt mit dem Appell, immer wieder neu anzufangen, um auf dem Weg der Vergebung zu bleiben. "Geben wir niemals auf - weder uns selbst, noch andere!"

Musikalische Gestaltung

Unter der Leitung von Patricia Langenmantel und Oliver Sperling sang der Mädchenchor am Kölner Dom die "Missa piccola" von Oliver Sperling und "O come, let us sing" von Egil Hovland. An der Orgel spielte Winfried Bönig.

Der Mädchenchor und Domkantor Oliver Sperling im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti  (DR)
Der Mädchenchor und Domkantor Oliver Sperling im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Der Mädchenchor am Kölner Dom feierte an diesem Sonntag sein 34-jähriges Bestehen.


Zum Evangelium Mt 18,21–35, von René Dausner

Vergebung soll maßlos sein – das lernen wir aus dem heutigen Evangelium. Simon Petrus fragt Jesus um Rat und möchte wissen, wie viel und wie lange Versöhnung gewährt werden müsse. Die Antwort Jesu kommt überraschend: Statt eine begrenzende Angabe zu machen, fordert er eine grenzenlose Bereitschaft zur Vergebung. In Anlehnung an ein Zahlenspiel aus der Kain-Geschichte (vgl. Gen 4,24) heißt es, nicht siebenmal, sondern „siebzigmal siebenmal“.

Das Beispiel, das Jesus erzählt, um die Bedeutung seiner Antwort an einem konkreten Fall zu veranschaulichen, handelt von zwei Personen, die in finan-ziellen Nöten stecken. Beide bitten ihre Gläubiger um Geduld und Aufschub. Während der König der Bitte nachkommt und seinem Knecht die Schuld sogar komplett erlässt, weist derjenige, dem von diesem Geduld gewährt wurde, die Bitte seines eigenen Schuldners zurück und besteht auf seinem Recht auf sofortige Rückzahlung. Hätte denn Erbarmen an dieser Stelle Schwachheit bedeutet? Und würde nicht das Antlitz der Erde neu werden, wenn mehr von dieser vermeintlichen Schwäche Gebrauch gemacht würde?

Aus: Messbuch 2023, Butzon & Bercker

Quelle:
DR
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