Wie kann Seelsorge im Gesundheitswesen auch in Zukunft gewährleistet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Fachtags in Köln. Experten und Praktiker aus Kirche, Caritas und Gesundheitswesen diskutierten dort, wie sich die kirchliche Begleitung von Menschen in Krisensituationen angesichts gesellschaftlicher Veränderungen weiterentwickeln kann.
Zum Austausch kamen Seelsorgerinnen und Seelsorger, Vertreter von Caritasverbänden, katholischen Krankenhausträgern sowie Mitarbeitende aus Pflegeeinrichtungen und kirchlichen Verwaltungen. Einig waren sich die Teilnehmenden: Die Nachfrage nach Seelsorge bleibt hoch – doch gleichzeitig fehlen zunehmend Fachkräfte.
Fachkräftemangel auch in der Seelsorge
"Das Gesundheitssystem unterliegt einem enormen Wandel", sagt Philipp Wittmann, Leiter der Diakonischen Pastoral im Erzbistum Köln. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen stünden unter wachsendem wirtschaftlichem Druck. Gleichzeitig werde es schwieriger, genügend Seelsorgerinnen und Seelsorger zu finden. "Wir haben sehr viele Personen im Feld, aber sie werden weniger."
Dabei bleibe der Bedarf bestehen. Gerade in existenziellen Situationen suchten Menschen weiterhin nach Gesprächspartnern. Krankheit, schwere Diagnosen oder das Lebensende lösten grundlegende Fragen aus – nach Sinn, Hoffnung und dem eigenen Leben. Trotz sinkender Kirchenbindung besteht in vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens – wie etwa Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen – ein hoher Bedarf an spiritueller Begleitung.
Gleichzeitig sind Ressourcen im kirchlichen und auch im medizinischen Bereich oft knapp. Die Frage sei, so Wittmann: "Wie können wir in Zukunft sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten weiterhin Ansprechpartner haben für ihre Nöte, für ihre Ängste, auch für ihre Hoffnungen, und diese Ansprechpartner idealerweise bei der Kirche finden?"
Seelsorge wird gebraucht
Auch Prof. Dr. Michael Fischer von der Stiftung der Franziskanerinnen in Münster hält die Seelsorge im Gesundheitswesen für unverzichtbar. In Einrichtungen des Gesundheitswesens begleite sie Menschen in besonders belastenden Situationen. "Da treten viele grundsätzliche Fragen auf: Wie gehe ich mit meiner Krankheit um? Was trägt mich im Leben?", sagt Fischer, der bei dem Fachtag einen Vortrag zum Thema hielt.
Diese Fragen seien unabhängig davon, ob jemand religiös sei oder nicht. Zwar habe die Kirchenbindung vieler Menschen abgenommen, die existenziellen Fragen blieben jedoch bestehen. Manche beantworteten sie religiös, andere eher spirituell oder ganz persönlich. Für die Seelsorge spiele das zunächst keine entscheidende Rolle. "Sie ist für alle Menschen da", betonte Fischer.
Allerdings verändert sich die Art der Gespräche. Klassisch religiöse Themen treten oft in den Hintergrund, während allgemeinere Fragen nach Sinn, Angst oder Hoffnung stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Seelsorge müsse deshalb stärker von den Bedürfnissen der Menschen her denken und weniger ausschließlich vom kirchlichen Auftrag aus.
Neuer Studiengang
Parallel dazu steht sie vor einer personellen Herausforderung: Wie in vielen anderen Bereichen macht sich auch hier der Fachkräftemangel bemerkbar. Weniger Menschen entscheiden sich für klassische kirchliche Berufe wie Pastoral- oder Gemeindereferentinnen und -referenten.
Um die Seelsorge dennoch langfristig zu sichern, arbeiten kirchliche Träger an neuen Konzepten. Neben hauptberuflichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern sollen künftig auch andere Modelle eine größere Rolle spielen – etwa ehrenamtliche Begleiter oder Mitarbeitende im Gesundheitswesen, die einen Teil ihrer Arbeitszeit für seelsorgliche Aufgaben einsetzen.
Ein wichtiger Baustein könnte ein neuer Studiengang werden, der an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Bonn entstehen soll. Der berufsbegleitende Weiterbildungs-Master soll im Wintersemester 2027/28 starten und richtet sich auch an Menschen ohne vorheriges Theologiestudium.
"Bislang war ein theologischer Abschluss Voraussetzung", erklärt Fischer. Doch angesichts sinkender Studierendenzahlen in der Theologie müsse man neue Wege gehen. Künftig könnten auch Menschen mit einem Hintergrund in Psychologie, Pädagogik oder anderen sozialen Berufen in die Seelsorge einsteigen.
Kirche soll präsent bleiben
Für Wittmann vom Erzbistum Köln bleibt trotz aller Veränderungen das Ziel klar: Die Kirche soll weiterhin in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen präsent sein. "Meine Hoffnung ist, dass in jeder Einrichtung bekannt ist: Hier gibt es eine Seelsorgerin oder einen Seelsorger, der ansprechbar ist."
Gerade an den Wendepunkten des Lebens brauche es Menschen, die zuhören und begleiten. Seelsorge bedeute deshalb vor allem, für die Fragen der Menschen offen zu sein – und ihnen in schwierigen Momenten Hoffnung zuzusprechen. "Und wir sind dazu da, vom Glauben Zeugnis zu geben", so Wittmann: "Wir erzählen von der Liebe Gottes, von der Zuwendung und davon, dass kein Mensch verloren geht. Bis man das so sagen kann, muss vorher natürlich viel passiert sein. Aber davon Zeugnis zu geben und bereit zu sein, auf die Fragen Antwort zu geben, ist ein wesentlicher Auftrag für uns."