Warum kritisieren US-Bischöfe den deutschen Synodalen Weg?

"Innerhalb der Weltkirche Stimmung machen"

Der Synodale Weg in Deutschland findet in der Weltkirche nicht nur positiven Anklang. Jüngst kritisierte US-Bischof Samuel J. Aquila gemeinsam mit anderen den Reformprozess scharf. USA-Experte Klaus Prömpers ordnet dies ein.

Samuel Joseph Aquila, Erzbischof von Denver / © Paul Haring/CNS photo (KNA)
Samuel Joseph Aquila, Erzbischof von Denver / © Paul Haring/CNS photo ( KNA )

DOMRADIO.DE: US-Bischof Samuel J. Aquila hat den deutschen Reformprozess zum zweiten Mal scharf kritisiert und in einem Brief vom "Verrat am Evangelium" geschrieben. Den hatte er an den Limburger Bischof Georg Bätzing adressiert, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Aber der amerikanische Bischof ist nicht der einzige, er hat viele Mit-Unterzeichner gefunden. Worin liegt deren Hauptkritik am deutschen Synodalen Weg?

Klaus Prömpers (Journalist und USA-Experte): Kurz zusammengefasst könnte man sagen, der Synodalen Weg sei zu bürokratisch, sagen die 101 Bischöfe, davon viele mittlerweile bereits pensionierte Bischöfe. Der Weg ignoriere das Wirken des Heiligen Geistes, nehme zu wenig Rücksicht auf das Evangelium. Das alles unterminiere die Autorität der Kirche, einschließlich der des Papstes Franziskus.

Klaus Prömpers / © N.N. (privat)
Klaus Prömpers / © N.N. ( privat )

Außerdem gefährde der Synodalen Weg das christliche Menschenbild, die Sexualmoral und die Glaubwürdigkeit der Schrift. Dies alles drohe, wie schon einmal unter Martin Luther, zu einem Schisma, also zu einer Spaltung der Kirche zu führen, so die Unterzeichner. Darunter ist eine Menge bereits im Ruhestand befindlicher Bischöfe, die auch in der Vergangenheit bereits als Kritiker von Papst Franziskus aufgetreten sind.

DOMRADIO.DE: Das ist eine gar nicht mal so kleine Schar von Kritikern. Wie lässt sie sich grob zusammenfassen?

Prömpers: Vielen von denen ist im Grunde der Kurswechsel von Papst Benedikt zu Papst Franziskus unsympathisch. Unsympathisch insofern, als das ihre Machtposition gefährdet sei, was ja auch der Synodalen Weg tut.

Es sei daran erinnert, dass eine große Mehrheit der US-Bischöfe den katholischen Präsidenten Biden vor gut einem halben Jahr wegen dessen politischer Haltung zur in den USA hoch umkämpften Abtreibungsfrage hatte exkommunizieren wollen.

Auch jetzt, angesichts des demnächst ergehenden Urteils des Obersten Gerichtshofes zur Abtreibung, gibt es wieder harte Auseinandersetzungen in der katholischen Kirche der USA. Wie soll man mit der Abtreibung umgehen? Die einen sagen generell komplett nein zur Abtreibung, die anderen sagen, man müsse das sehr differenziert betrachten.

Hinter all dem steht meines Erachtens ein völlig veraltetes Frauenbild, das sich angeblich auf die Bibel gründet. Liest man allerdings die Bibel sorgfältig, kann man durchaus zu einem differenzierteren Frauenbild kommen, das beispielsweise ein Mehr an Verantwortung für Frauen nicht ausschließt.

Die Gruppen, wie auch die anderer Briefschreiber aus Polen oder den skandinavischen Ländern, wollen im Grunde, denke ich, eine Kirche aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil bewahren. Alles, was das ändert, ist aus ihrer Sicht ein Spaltungsversuch. Es sind auch jene, die die Entscheidungen von Papst Franziskus kritisieren, die die Messe nach tridentinischen Ritus als Ausnahmeform selten zulässt und nicht wie häufig in den USA als Standard-Messe.

DOMRADIO.DE: Wie ernst ist diese Kritik zu nehmen aus Ihrer Sicht? Es ist ja zunächst nur ein Appell der Unterzeichner an Bischof Bätzing.

Prömpers: Im Grunde wollen sie zweierlei. Sie wollen die Kirche weltweit darauf aufmerksam machen, dass eine Spaltung drohe. Wer mit Spaltung droht, ist natürlich immer bemüht, das, was da ist, zu bewahren. Sie wollen mit Blick auf die Weltsynode 2023, die Papst Franziskus einberufen hat, innerhalb der Weltkirche Stimmung machen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, der zugleich Co-Vorsitzender des Synodalen Weges ist, nimmt diese Kritik ernst. Er hat offensichtlich auch schon, so erfuhr ich, auf den zweiten Brief von Erzbischof Aquila geantwortet. Er möchte den aber vorerst nicht öffentlich machen, weil er findet, dass der Austausch offener Briefe über die "Tagespost" und anderer Publikationen im gegenseitigen Verständnis nicht weiterhilft. Man muss um Verständnis werben.

Die Briefschreiber verkennen allerdings ein ganzes Stück weit, so schreibt er auch indirekt, dass der Machtmissbrauch in der katholischen Kirche, wie verschiedene Gutachten zeigen, systemische Ursachen hat, die der Synodalen Weg in Deutschland nun angeht. Gerade die US-Kirche ist von Missbrauch seit der Jahrtausendwende sehr betroffen gewesen.

DOMRADIO.DE: In der katholischen Medienwelt hat in diesen Tagen auch eine andere Meldung für Aufsehen gesorgt. Die US-Bischofskonferenz hat ihre katholische Nachrichtenagentur massiv verkleinert. Die Büros in New York und Washington werden dichtgemacht. Nur das Büro in Rom bleibt. Inwiefern spielt das eine Rolle in der Auseinandersetzung mit dem Reformprozess in der deutschen katholischen Kirche?

Prömpers: Die Situation der US-Kirche ist am besten dadurch beleuchtet, dass es keine Kirchensteuer wie in Deutschland gibt. Es gibt keine regulären Beiträge für die Kirche zu zahlen wie in anderen Ländern. Vielmehr ist die Kirche abhängig von Spenden und damit von Großspendern.

In den letzten zehn Jahren hat die Kirche sehr stark bluten müssen. Einzelne Diözesen mussten Konkurs anmelden, weil sie für Missbrauchsopfer Millionenbeträge zahlen mussten, die sie in die Knie gezwungen haben. Es geht der Kirche also insgesamt das Geld aus.

Sie überlässt nun die Informationsarbeit dem in Brooklyn beheimateten, mittlerweile auch auf Deutsch existierenden Sender EWTN Global Catholic Communication, der seinerseits auch einen Informationsdienst herausgibt, von dem Beobachter in Amerika sagen, er sei sehr nahe am rechtsradikalen Fernsehsender Fox News dran.

EWTN hat beispielsweise zweifelsfrei dazu beigetragen, dass 2016 Trump von 42 Prozent der Katholikengewählt worden ist, weil er drei Tage vor der Wahl damals, wie auch vor der Wahl 2020, einen großen Auftritt auf diesem Sender hatte. Man weiß, Trump lügt und sagt bis heute, die letzte Wahl sei gestohlen worden.

Insofern ist es ein bisschen kompliziert, wenn das alleine als Informationsmedium über die katholische Kirche übrigbleibt, finde ich.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Synodaler Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Ein Ziel ist, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Logo Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht (KNA)
Quelle:
DR