Jugendlicher "Cyber-Apostel" Carlo Acutis seliggesprochen

"Vorbild besonders für junge Menschen"

Der als "Cyber-Apostel" verehrte Carlo Acutis ist am Wochenende in Assisi seliggesprochen worden. Agostino Vallini, emeritierter Kardinalvikar der Diözese Rom, würdigte den an Krebs gestorbenen Teenager als "wahren Zeugen der Liebe Christi".

Jugendlicher "Cyber-Apostel" Carlo Acutis seliggesprochen / © Gregorio Borgia/AP (dpa)
Jugendlicher "Cyber-Apostel" Carlo Acutis seliggesprochen / © Gregorio Borgia/AP ( dpa )

Der italienische Junge Carlo Acutis habe die Eucharistie in den Mittelpunkt seines kurzen Lebens gestellt und sei zu einem "Vorbild besonders für junge Menschen" geworden.

Zu der feierlichen Zeremonie in der Franziskus-Basilika waren etwa 3.000 Pilger in den umbrischen Wallfahrtsort gereist. Wegen der Corona-Schutzvorschriften fanden längst nicht alle in der Kirche Platz. Viele mussten das Ereignis auf einer Großleinwand vor dem Gotteshaus verfolgen. Fernsehsender und Internetportale übertrugen die Seligsprechung in ganz Italien.

Seligsprechung

Kardinal Vallini verlas auf Latein das offizielle Schreiben von Papst Franziskus, mit dem er Acutis (Gedenktag 12. Oktober) in den Stand der Seligen aufnahm. Im Anschluss wurde unter großem Applaus ein Öl-Gemälde des Jungen enthüllt. Das 2,20 mal 3 Meter große Porträt stammt vom polnischen Künstler Dawid Kownacki. Auch die Eltern des Verstorbenen waren an dem Festakt beteiligt. In einer Prozession brachten sie ein aufwendig verziertes goldenes Reliquiar mit dem Herzen ihres Sohnes zum Altar.

Acutis' sehnlichster Wunsch sei es gewesen, so viele Menschen wie möglich für Jesus zu gewinnen, betonte Vallini. Dieser "heroische Glaube" habe dem Krebskranken selbst in den schwersten Stunden Zuversicht geschenkt. Carlo stehe beispielhaft dafür, dass man das Internet nicht nur als Raum für Zerstreuung, sondern als Mittel für einen wahren Dialog nutzen könne.

Frommes Computergenie

Acutis wird von Anhängern in aller Welt als frommes Computergenie verehrt. Er zeigte eine frühe Begabung für Informatik und erstellte als Autodidakt populäre Internetseiten zu religiösen Themen. Seine ausgeprägte Liebe zur Eucharistie, die er als "Autobahn in den Himmel" bezeichnete, machte ihn international bekannt.

Als der Katholik erfuhr, dass er unheilbar an Leukämie erkrankt war, widmete er sich ganz dem Papst und der Kirche. Acutis starb mit 15 Jahren am 12. Oktober 2006 und wurde seinem Wunsch entsprechend in Assisi bestattet. Beim Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro bezeichnete man ihn bei der Vorstellung seiner Lebensgeschichte als möglichen "Patron des Internet".

Leichnam in Assisi aufgebahrt

2018 erkannte ihm der Papst aufgrund seines Lebenswandels den heroischen Tugendgrad zu. Im Februar 2020 folgte die päpstliche Anerkennung eines auf Fürsprache von Acutis bewirkten Wunders. Demnach wurde ein brasilianisches Kind auf medizinisch unerklärliche Weise geheilt.

Der Leichnam des neuen Seligen bleibt in Assisi noch einige Tage öffentlich aufgebahrt. Durch die gläserne Front des Hochsargs können Pilger den mit Jeans, Nike-Sneakern und Sweatshirt bekleideten Körper bis 17. Oktober besichtigen. Für Aufsehen sorgten kürzlich Gerüchte im Internet, wonach bei der Graböffnung vor einigen Monaten Acutis' Körper unversehrt aufgefunden worden sei. Assisis Erzbischof Domenico Sorrentino sprach indes von einem "normalen Prozess der Verwesung". Der Leichnam sei für die Seligsprechung "mit Kunst und Liebe wieder zusammengefügt" worden.

Seligsprechung von Carlo Acutis in Italien - Gläubige vor der Basilika San Francesco in Assisi / © Gregorio Borgia/AP (dpa)
Seligsprechung von Carlo Acutis in Italien - Gläubige vor der Basilika San Francesco in Assisi / © Gregorio Borgia/AP ( dpa )
Autor/in:
Alexander Pitz
Quelle:
KNA
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