Vor 60 Jahren weihte Kardinal Frings die einzigartige Bunkerkirche in Düsseldorf ein

Symbol des Friedens

Als Symbol des Friedens entstand aus einem von den Nazis errichteten Bunker die Kirche Sankt Sakrament in Düsseldorf-Heerdt. Vor 60 Jahren wurde die sogenannte Bunkerkirche vom damaligen Kölner Kardinal Josef Frings eingeweiht.

Grau und ein wenig plump: Von außen ist die Bunkerkirche keine Schönheit (DR)
Grau und ein wenig plump: Von außen ist die Bunkerkirche keine Schönheit / ( DR )

Sie wirkt grau und ein wenig plump: Von außen betrachtet ist der Kirchenbau wahrlich keine Schönheit. Trotzdem strahlt das Gotteshaus einen einmaligen Geist aus, der mit der Vergangenheit des Gebäudes zu tun hat. Die Geschichte der Bunkerkirche beginnt bereits im Jahr 1926. Damals wurde die Pfarrei gegründet. Man kaufte ein Grundstück, um die Pläne für einen Kirchenneubau zu verwirklichen. "Der damaligen Gemeinde machte jedoch die Weltwirtschaftkrise einen Strich durch die Rechnung", erzählt Bruno Kamman, Sprecher der Initiative "Friedensort Bunkerkirche". Der Neubau wurde verschoben, eine Notkirche musste fürs Erste ausreichen."Die Nazis hatten es ja nicht so mit dem christlichen Glauben""Als dann die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war es mit den Bauplänen sowieso erstmal vorbei", so Kamman. "Die Nazis hatten es ja nicht so mit dem christlichen Glauben". Dies wurde deutlich, als die Regierung das Kirchengrundstück im Jahr 1940 widerrechtlich beschlagnahmte und mit dem Bau eines Luftschutzbunkers vom Typ "LS 13" begann. Aus Tarnungsgründen gab man dem Betonbau auch noch die Grundform einer Kirche. "Man hoffte, dass man dadurch nicht Ziel der Bomber sein würde", erklärt der Sprecher der Initiative, die sich für Friedensarbeit in der Bunkerkirche einsetzt. Der große Luftschutzbunker mit über einen Meter starken Außenmauern bestand aus vier Etagen und war in zahlreiche, sieben Quadratmeter große Zellen aufgeteilt. "Hier suchten die Menschen bei Vollalarm Schutz", blickt Kamman zurück. Der Plan der Nationalsozialisten ging auf: Die Bomber verschonten den kirchenförmigen Bunker. Noch heute zeugen allerdings Einschusslöcher im jetzigen Kirchturm von der bewegten Vergangenheit des stabilen Gemäuers. Nach Kriegsende setzte sich der damalige Pfarrer Carl Klinkhammer dafür ein, den kirchenförmigen Bunker in eine wirkliche Kirche umzubauen. Der als "Ruhrkaplan" bekannte Klinkhammer hatte wegen seiner mutigen politischen Predigten während des Krieges im Gefängnis gesessen. "Als er dann Pfarrer von Sankt Sakrament wurde, wollte er das Militärobjekt Bunker in ein Friedensobjekt Kirche umwandeln", berichtet Kamman. Trotz Schwierigkeiten bei der Genehmigung wurde 1947 mit dem Umbau begonnen. Mit Hilfe der Gemeinde wurden Zwischendecken, Wände und Löcher für die Fenster in den Bunker gesprengt. Über 1.000 Tonnen Schutt schafften Klinkhammer und seine Männer aus dem Innenraum des Bunkers hinaus. Nach zwei Jahren harter Arbeit wurde die Kirche schließlich im Oktober 1949 eingeweiht. Aus "der stabilsten Kirche der Welt" wird ein Sanierungsfall Über 45 Jahre später, im Jahr 1995, war aber "aus der stabilsten Kirche der Welt" ein Sanierungsfall geworden. Die Decke, die aus 2,70 Meter starkem Stahlbeton bestand und im Krieg jeder Bombe standgehalten hätte, zeigte Risse. Es regnete in die Kirche hinein. "Daraufhin hat man die Decke durch ein Satteldach ersetzt", erklärt Kamman. Auch der Altarraum wurde im Zuge der Renovierungsarbeiten neu gestaltet. Geblieben sind die alte Kanzel und der Altar von 1949. Heute hat das Innere der denkmalgeschützten Bunkerkirche einen ganz eigenen Charme. Trotz Umgestaltungen sind an den Wänden die Umrisse der früheren Zellen zu erkennen. Die Fenster, gefertigt aus Abfallprodukten verschiedener Glashütten, leuchten bunt im Tageslicht. Der Altarraum wird von einem großen, aus Stahl getriebenen Kreuz dominiert. "Es ist schlicht, aber schön", sagt Walter Stecker. Er ist zu Besuch in Düsseldorf und nutzt eine freie Minute, um sich in der Bunkerkirche umzusehen: "Außen ein geschundener Bunker und innen dieses funkelnde Licht, das hat irgendwie was."

Autor/in:
Inga Kilian