Vor 25 Jahren lud der Papst zum Friedensgipfel nach Assisi

Charismatische Idee mit Langzeitwirkung

Zum Weltfriedenstreffen in Assisi werden in wenigen Tagen insgesamt rund 300 Vertreter von 12 Religionen aus mehr als 50 Ländern erwartet. Die Premiere vor 25 Jahren war eine der bedeutendsten Initiativen von Papst Johannes Paul II. Auch wenn es Kritik gab.

Autor/in:
Johannes Schidelko
 (DR)

Zum ersten Mal in der Geschichte trafen am 27. Oktober 1986 Spitzenvertreter unterschiedlicher christlicher Konfessionen mit Repräsentanten der großen Weltreligionen zu einem Friedensgipfel in Assisi zusammen. Die Einladung von Papst Johannes Paul II. in die mittelitalienische Franziskusstadt sollte Beitrag der Religionen zum von der UN für 1986 ausgerufenen "Jahr des Friedens" sein. Mehr als 100 Spitzenvertreter von 30 christlichen Kirchen und von zwölf Weltreligionen folgten der charismatischen Initiative. Der interreligiöse Gipfel von Assisi wurde zu einer der signifikantesten Initiativen des polnischen Papstes - auch wenn es Kritik etwa von Seiten der Traditionalisten gab.



"Kein Christ, kein menschliches Wesen, das an Gott als den Schöpfer der Welt und den Herrn der Geschichte glaubt, kann gleichgültig angesichts der Probleme bleiben, die die Gegenwart und die Zukunft der Menschheit so tief berühren", begründete Johannes Paul II. seine Einladung. "Jeder muss sich bewegen und seinen Beitrag für den Frieden leisten. Denn ein Krieg kann von wenigen entschieden werden, Frieden dagegen setzt den solidarischen Einsatz aller voraus."



Jeder betete für sich zu seinem Gott

Einen unmittelbaren Anlass für den Friedensgipfel gab es damals nicht - sieht man vom UN-Themenjahr ab. Das "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den beiden großen Blöcken hatte seine unmittelbare Bedrohlichkeit verloren. Freilich gab es viele regionale Konflikte: zwischen Iran und Irak, im Libanon, in etlichen Staaten Lateinamerikas, auf den Philippinen und Sri Lanka. In Europa verbreiteten baskische ETA und nordirische IRA Schrecken.



Bei dem Treffen in Assisi versuchten die vatikanischen Organisatoren jeden Anschein einer Religionsvermischung zu vermeiden. Jeder bete für sich zu seinem Gott und alle gemeinsam für den Frieden, lautete die Formel. Allerdings wirkte das Nebeneinander von Buddha und Bergpredigt, von Friedenspfeife und Donnergott mitunter grenzwertig. Manchen irritierte die Buddha-Statue auf dem Kirchenaltar sowie die Geisterbeschwörung des "Großen Meisters" vom Heiligen Wald am Togo-See. Oder auch der Rat des Craw-Indianers "John Pretty on the Top" an die Katholiken: "Euer Gott, der für mich der Große Geist ist, ist nicht beleidigt, wenn er anders genannt wird, und erhört die Bitten aller."



Akzent auf dem Pilgern

Im Wesentlichen beachtete man freilich die Religionsgrenzen. Assisi 1986 wurde zu einem Signal an die Weltöffentlichkeit. Zudem kamen die dort geknüpften persönlichen Kontakte den ökumenischen wie den interreligiösen Dialogen zugute. Diesem Zweck dienten auch die Nachfolgetreffen, die die katholische Gemeinschaft Sant"Egidio seither jedes Jahr im Herbst in einer anderen Stadt organisiert.



Der Papst selbst lud nochmals 2002 zu einem Friedensgipfel nach Assisi. Die Terroranschläge des 11. September hatten die Verletzlichkeit des Weltfriedens gezeigt und zugleich religiöse Emotionen aufgewühlt. Das Schlussdokument enthielt eine Absage an Gewalt und Fanatismus, ein entschiedenes Nein zu Gewalt im Namen Gottes. Im Blickpunkt standen die Islamvertreter, die ebenfalls betonten, dass "Religion nie ein Motiv für Konflikt, Hass und Gewalt sein" dürfe. Einen konkreten Anlass gab es auch für das vom Papst anberaumte europäische Assisi-Treffen 1993: Die Kämpfe zwischen den Volks- und Religionsgruppen im ehemaligen Jugoslawien.



Der bevorstehende Assisi-Gipfel findet zum 25. Jahrestag der historischen Initiative statt. Die großen Religionen könnten ein "wichtigen Faktor der Einheit und des Friedens für die Menschheitsfamilie darstellen", betonte Benedikt XVI. bei der Ankündigung. Er wolle mit den Christen der unterschiedlichen Konfessionen, mit Vertretern der Weltreligionen und mit allen Menschen guten Willens "die Verpflichtung der Gläubigen aller Religionen erneuern, ihren Glauben als Dienst an der Sache des Friedens zu leben". Statt auf dem Gebet liegt der Akzent diesmal stärker auf dem Pilgern. Und ihren Pilgerweg durch die Straßen Assisis legen die Delegierten meditierend und schweigend zurück.