Viele Praxen in NRW blieben am Montag geschlossen

Aktionstag gegen Gesundheitsreform

In Nordrhein-Westfalen sind am Montag zahlreiche Arztpraxen geschlossen geblieben. Die Mediziner protestierten damit gegen die Pläne für eine Gesundheitsreform. Schwerpunkt des bundesweiten Aktionstages, an dem sich auch Apotheker und Pfleger beteiligten, war Nordrhein-Westfalen. Unter dem Motto „Stoppt die Reform!“ sollten den Patienten die Folgen der Gesundheitsreform verdeutlicht werden, wenn sie wie geplant zum 1. April 2007 in Kraft tritt.
Allein zwischen Rhein und Weser protestierten bis zu 350 000 Personen, hieß es seitens der Verbände. Rund die Hälfte der etwa 30.000 Arztpraxen in NRW sollte geschlossen bleiben. Unklar blieb, wie viele dem Protestaufruf der Verbände tatsächlich folgten.

 (DR)

In Duisburg, Essen und Düsseldorf trafen sich Mediziner zu Kundgebungen. In Dortmund waren unter dem Motto „Gute Nacht, deutsche Gesundheitsversorgung" zahlreiche Praxen nur mit Kerzen erleuchtet. Eine ärztliche Versorgung für akute Fälle war nach Verbandsangaben jedoch sichergestellt.

Die Mediziner befürchten, dass mit der Gesundheitsreform die freie Arztwahl eingeschränkt wird. Sie kritisieren außerdem die ausufernde Bürokratie, wodurch weniger Zeit für die Patienten verbleibe.

Schmidt reagiert verärgert
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) reagierte auf die Proteste verärgert. Kranke und Patienten würden wegen Geldforderungen „in Geiselhaft" genommen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, verteidigte dagegen die Aktion unter dem Motto „Patient in Not - diese Reform schadet allen". Wenn die Gesundheitsreform so in Kraft trete wie geplant, würden solche Tage mit mangelnder Versorgung bald Dauerzustand sein. Darauf müsse man aufmerksam machen.
Der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, nannte die Reformpläne einen „riesigen politischen Irrtum". Die große Koalition zementiere die Zwei-Klassen-Medizin. Die Patienten müssten sich auf umfassende Leistungseinschränkungen einstellen. Der Präsident der deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, warnte davor, die Krankenhäuser „kaputt zu sparen".