Das bestätigen die Tierheime in NRW, die auch in diesem Jahr wegen der Sommerferien ausgelastet waren. Immer mehr Menschen fehle das Geld, um ein Tier zu halten und es beispielsweise zum Tierarzt zu bringen. «Wir haben in letzter Zeit viele kranke Tiere bekommen», sagt Barbara Snelting, Leiterin des Bielefelder Tierheims. Oft seien die Besitzer arbeitslos.
Das bestätigt ihre Kollegin Sylvia Hemmerling, Sprecherin des Kölner Tierheims, das inzwischen am Rande seiner Kapazität arbeitet. Dort hat sich vor wenigen Tagen eine Frau gemeldet, der das Geld fehlte, um ihre Katze einschläfern zu lassen.
Das Tierheim in Essen hegt keine Hoffnung auf eine Entspannung der Situation. In Zukunft werde es in den Tierheimen immer voller werden, sagt Mitarbeiterin Silke Pett. «Die Ferien sind jetzt zwar vorbei, aber die Kosten werden für die Tierhalter das ganze Jahr ein Problem bleiben.»
Im Tierheim Münster wurden in den letzten sechs Wochen rund 100 Kleintiere, 80 Katzen und 70 Hunde abgegeben. «Die Menschen haben teilweise eine Art 'Ex-und-Hopp-Mentalität' entwickelt», klagt die Vorsitzende des Tierheims, Doris Hoffe. Sie trennten sich von einem Tier wie von einem alten Schlappen.
Tierschützer Schröder kritisiert zudem, dass Tierhalter in Deutschland nicht finanziell unterstützt werden. «Dabei ist ein Tier für alte Menschen oder Menschen in finanziellen Notlagen die letzte Brücke zur Gesellschaft», betont er. Bei der Bemessung der «Hartz IV»-Kosten werde Tierhaltung nicht berücksichtigt - und wenn die Leistungsempfänger dann möglicherweise in eine kleinere Wohnung umziehen müssten, werde das Tier abgegeben, weil es in der neuen Bleibe nicht erwünscht sei.
«Gerade für sozial schwache Personen und Ältere ist diese Entwicklung ein Problem», sagt der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Schröder schätzt, dass mittlerweile rund ein Viertel der Tiere abgegeben werden, weil sich die Halter das Haustier nicht mehr leisten können.
Den Tierhaltern setzt auch die Erhöhung der Tierarztkosten zu. So wurde die Gebührenordnung Anfang Juli im Durchschnitt um zwölf Prozent erhöht. Da kann sich so mancher eine Behandlung eben nicht mehr erlauben. Der Geschäftsführer der Tierärztekammer Nordrhein, Harald Fischer, weist allerdings darauf hin, dass die letzte Gebührenerhöhung vom Juli 1999 stammt.
Auch der Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH), Udo Kopernik, räumt ein, dass die Hundehaltung in Deutschland teurer geworden sei. «Zudem haben die Kommunen die Hundehaltung verstärkt als Einnahmequelle entdeckt», erklärt er. In finanziellen Notlagen könnten da betroffene Bürger schon mal auf die Idee kommen, am Tier zu sparen und es abzugeben.
Bei der Rassehundehaltung sei aber bislang kein Rückgang in der Zucht festzustellen: So ging die Zahl der Welpen in Deutschland 2007 um 3,5 Prozent auf 89 604 nach oben, berichtet Kopernik.
Viele Bürger können sich Tierhaltung nicht mehr leisten - Fachleute sehen "bedrohliche" Entwicklung
Wenn´s nicht reicht für Futter und Arzt
In Nordrhein-Westfalen können sich viele Menschen die Haltung eines Haustieres aus finanziellen Gründen nicht mehr erlauben. "Die hohen Energiepreise und gestiegenen Kosten für Lebensmittel setzen den Bürgern zu. Da sind viele Leute - vor allem Hartz-IV-Empfänger und ältere Bürger - mit der Haltung von Tieren überfordert", sagt der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Die Entwicklung werde "zunehmend bedrohlich".
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