"Mitteleuropa steht in einem Kulturbruch", sagte von Gemmingen der Zeitung "Die Welt" am Mittwoch. Das europäische Menschenbild und die Gesellschaftsordnung Europas seien entscheidend von Christentum und Judentum geprägt worden.
Verfassungen geben nur Rahmen
Wenn nun die Zahl an Christen in Europa zurückgeht, könnte dies laut von Gemmingen auch politische Folgen haben. Zwar seien in den westlichen Verfassungen alle Normen von Christentum und Judentum enthalten. "Aber Verfassungen geben keine Lebenssinn, motivieren nicht, sondern setzen einen Rahmen", sagte der Jesuit.
Politiker und Gesellschaftswissenschaftler müssten nun untersuchen, ob das Verblassen von Religiosität langfristig das gesellschaftliche und politische Denken und Verhalten der Bürger ändere. "Es dreht sich bei diesem Verblassen um das Vergessen einer wesentlichen Quelle der europäischen Kultur", so von Gemmingen.