Vatikan stoppt Seligsprechungsverfahren von deutschstämmigem Bischof

Wegen möglichem fehlerhaften Umgang

Ein Bischof mit deutschen Wurzeln war auf dem Weg zur Seligsprechung. Der Vatikan hat diesen Prozess jedoch gestoppt, da der argentinische Bischof Jorge Novak das Fehlverhalten eines Priesters möglicherweise falsch behandelt hat.

Kartons mit Dokumenten für ein Seligsprechungsverfahren werden mit Wachs versiegelt / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kartons mit Dokumenten für ein Seligsprechungsverfahren werden mit Wachs versiegelt / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Wie das Bistum Quilmes am Mittwoch mitteilte, widerrief das vatikanische Selig- und Heiligsprechungsdikasterium bereits im Oktober das "Nihil obstat" für das weitere Verfahren. Die Entscheidung wurde demnach getroffen, weil Jorge Novak (1928-2001) einen Fall von Fehlverhalten eines Priesters möglicherweise falsch behandelt hat.

Gleichzeitig hielt das Bistum fest, dass dieser Vorgang kein "moralisches Urteil über das Leben, die Tugenden und das pastorale Wirken" Novaks sei. Zudem werde er seinen Titel "Ehrwürdiger Diener Gottes" behalten. Das Seligsprechungsverfahren war 2017 vom Bistum Quilmes und dem Orden der Steyler Missionare (SVD), dem er angehörte, eröffnet worden.

Wolgadeutsche Wurzeln

Novak, dessen Eltern Wolgadeutsche waren und aus dem Russischen Kaiserreich ausgewandert waren, wurde in Argentinien geboren. Neben Spanisch lernte er in seiner Kindheit auch Deutsch. 1947 trat er bei den Steyler Missionaren ein, 1972 wurde er Provinzial des Ordens für das mittlere und südliche Argentinien. 1976 wurde er von Papst Paul VI. zum ersten Bischof des neuerrichteten Bistums Quilmes im östlichen Argentinien ernannt, das er bis zu seinem Tod leitete.

Novak machte sich in seiner Amtszeit besonders für Maßnahmen zugunsten der Armen und Benachteiligten stark. Besondere Bekanntheit erlangte er während der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983), deren Verbrechen er als einer von wenigen Bischöfen anprangerte. Er war Mitbegründer der "Ökumenischen Menschenrechtsbewegung", die sich für eine Aufklärung des Schicksals der 30.000 Verschwundenen während der Militärdiktatur einsetzt.

Die Steyler Missionare

Die Steyler Missionare, Societas Verbi Divini (SVD), sind eine internationale missionarische Ordensgemeinschaft. Sie wurde am 8. September 1875 von Arnold Janssen in Steyl gegründet. Die Steyler Missionare leben und arbeiten seit 1875 mit den Menschen in aller Welt. Sie helfen beim Aufbau christlicher Gemeinden, bauen Schulen für eine bessere Zukunft, Brunnen für ein gesünderes Leben, aber auch Brücken zwischen Kulturen und Religionen. Als "Boten der göttlichen Liebe" verkünden sie die Frohe Botschaft in Wort und Tat.

Steyler Missionare in Sankt Augustin (DR)
Steyler Missionare in Sankt Augustin / ( DR )
Quelle:
KNA