Vatikan betont die Bedeutung einzelner Worte bei Sakramenten

Strikte Einhaltung der Vorschriften

Ist eine Taufe "im Namen des Vaters und der Mutter" gültig? Nein, sagt der Vatikan. Geistliche müssen sich bei der Spendung der Sakramente strikt an die Vorschriften halten. In den USA ging das schon einmal schief.

Öle für die Taufe: Gefäße für die Heiligen Öle Katechumenenöl (l.) und Chrisamöl stehen am Rand eines Taufbeckens / © Harald Oppitz (KNA)
Öle für die Taufe: Gefäße für die Heiligen Öle Katechumenenöl (l.) und Chrisamöl stehen am Rand eines Taufbeckens / © Harald Oppitz ( KNA )

Katholische Geistliche müssen sich bei Taufen, Firmungen und Hochzeiten streng an die kirchlichen Vorschriften halten. Das geht aus einer am Samstag veröffentlichten verbindlichen Vatikan-Erklärung hervor. 

"Die Form oder den Stoff eines Sakraments zu ändern, ist immer ein schwerwiegender, unerlaubter Akt", schreibt der Präfekt der Glaubensbehörde, Kardinal Victor Fernandez, in dem Dokument. 

Solche Handlungen verdienten eine exemplarische Strafe, weil derartige willkürliche Gesten dem Volk Gottes schweren Schaden zufügen könnten.

Zweifel an der Gültigkeit von Sakramenten

Fernandez' Vermerk mit dem Titel "Gestis verbisque" ("Durch Gesten und Worte") bezieht sich auf alle Sakramente der katholischen Kirche. Dazu gehören Taufe, Firmung, Eucharistiefeier, Beichte, Eheschließung, Krankensalbung sowie Diakonen-, Priester- und Bischofsweihen. 

Der Text wurde von der Vollversammlung der vatikanischen Glaubensbehörde beschlossen und von Papst Franziskus genehmigt. 

Schon mehrfach habe sein Dikasterium Zweifel an der Gültigkeit von Sakramenten beilegen müssen, schreibt der Präfekt. Manchmal habe die Behörde aber auch eine "schmerzhafte negative Antwort" erteilt: Die Gläubigen seien in diesen Fällen "um das beraubt worden, was ihnen zusteht". 

Tausende Taufen mussten nachgeholt werden

Als Beispiel nannte Fernandez die vorgeschriebene Taufformel "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Abänderungen wie etwa "Im Namen des Vaters und der Mutter... taufen wir dich" führten zu ungültigen Taufen, die wiederholt werden müssten.

Vor zwei Jahren legte im US-Bundesstaat Arizona ein Priester sein Amt nieder, nachdem herausgekommen war, dass er zwei Jahrzehnte lang "Wir taufen dich" statt "Ich taufe dich" gesagt hatte. Die von ihm vorgenommenen, ungültigen Taufen - mehrere Tausend - mussten nachgeholt werden.

Kirche sei nicht das Eigentum der Priester

Die Gläubigen hätten das Recht, die Sakramente so zu empfangen, wie es die Kirche vorsehe, betont Fernandez in "Gestis verbisque". Die Kirche sei nicht das Eigentum der Priester und auch die Sakramente gehörten ihnen nicht, sondern seien ihnen nur anvertraut. 

Zwar hätten Geistliche etwa bei der Feier von Gottesdiensten einen gewissen Spielraum. Bei den Sakramenten müssten jedoch in jedem Fall die Vorschriften zu "Stoff und Form" eingehalten werden.

Mit "Stoff" ist zum Beispiel die Verwendung von Wasser bei einer Taufe und von Brot und Wein bei einer Eucharistiefeier in der Messe gemeint. "Form" bezeichnet den Wortlaut bei der Sakramentenspendung, etwa die Taufformel "Ich taufe dich...".

Bei einer Papst-Audienz der Vollversammlung der Glaubensbehörde am 26. Januar habe Franziskus zur Sorgfalt im Umgang mit den Sakramenten ermahnt, schreibt Fernandez weiter. Das Kirchenoberhaupt habe dazu aufgerufen, die Schönheit und rettende Kraft der Sakramente zu lieben und lieben zu machen.

Taufe

Die Taufe ist das erste und grundlegende Sakrament. Durch die Taufe wird der Mensch in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Die Taufe begründet die besondere, unauflösbare Gemeinschaft des Getauften mit Christus.

Symbolbild: Taufe / © Ruslan Lytvyn (shutterstock)
Quelle:
KNA